Brauchtumspflege im BLICK
Im Zeichen des Miteinanders
Bürgergesellschaft Hemmessen prägt Brauchtum in der Kreisstadt auf besondere Art
Bad Neuenahr. Im Bad Neuenahrer Stadtteil Hemmessen leben die Bürger Traditionen und Brauchtum. Ob Kirmes oder Maibaumaufstellen, beim Seniorenkaffee oder zur Weihnachtszeit - die Bürgergesellschaft Hemmessen gibt den Feierlichkeiten zu jeder Jahreszeit den besonderen Rahmen. In diesem Jahr feiert sich die Gesellschaft zur Abwechslung einmal selbst - 50 Jahre hat der rührige Verein mittlerweile auf dem Buckel. Mit einer großen Festsause zelebrierte der Verein sei Bestehen bereits im Mai. Dabei galt natürlich auch der Blick zurück in eine bewegte Historie.
Im Januar 1964 schlug die Geburtsstunde der Bürgergesellschaft: Anlässlich der Hemmessener Kirmes hatten einige Bürgern die Initiative, in Hemmessen einen Verein zu gründen, der die alten und über Jahrhunderte gewachsenen Sitten und Gebräuche fortbestehen lassen und die Gemeinschaft im Ortsteil Hemmessen pflegen sollte - und das bis heute. Die Gründerväter ebneten mit dieser Idee den Weg für eine erlebnisreiche Vereinsgeschichte. Die Gründungsversammlung wurde am 23. Mai gehalten, im Rahmen derer sich die ersten Mitglieder dazu bereit erklärten, tatkräftig beim Aufbau des Vereinslebens mitzuwirken. Zum ersten Schultes wurde Albert Mick ernannt, der fortan die Geschicke des Vereins bis 1980 leiten sollte. Weitere Mitglieder des ersten Vorstandes waren Rudolf Kniel, Franz Creuzberg, Willi Ihl, Magda Gödecke, Peter Breuer und Hans Creuzberg. Die erste Mitgliederliste unterschrieben 53 Bürger von Hemmessen. Damit war die Bürgergesellschaft Hemmessen offiziell gegründet. Sie ist die älteste Bürgergesellschaft in der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler.
Der Verein hatte sich seinerzeit folgende Ziele satzungsmäßig vorgegeben: Er soll den Landschafts- und Denkmalschutz fördern, er soll das Kulturgut erhalten, die alten Sitten und das Volksbrauchtum hochhalten und er schrieb sich auf die Fahnen, bedürftige Personen zu unterstützen. Und das gilt bis heute: Aktuell zählt die Bürgergesellschaft 450 Mitglieder und ist in vielfältiger Weise aktiv. Der Verein kümmert sich etwa um den „Hemmesser Dom“, die alte Linde und den Domvorplatz. Im Jahr 2005 wurde das alte Mühlrad der ehemaligen „Hochgürtelmühle“ in der Teichstraße renoviert und läuft seitdem zur Freude der Hemmesser Bürger mehrmals täglich. In den vergangenen fast 40 Jahren seit der Gründung ist die Kapelle saniert und im Innern umgestaltet worden. Auch der Vorplatz ist freundlicher gestaltet worden. Die inzwischen über 430 Jahre alte Linde bedarf besonderer Pflege und muss von Zeit zu Zeit intensiv gepflegt werden.
Ein weiteres Schmuckstück des Vereins ist die Hemmessener Hütte. Sie wurde mithilfe des damaligen Bürgermeisters und heutigen Ehrenmiglieds Rudolf Weltken in den Jahren 1978/1979 gebaut und im August 1979 feierlich eingeweiht. Heute ist sie zu einem der beliebtesten Treffpunkte im Ahrtal avanciert. Die hier stattfindenden Veranstaltungen sind mittlerweile überregional bekannt, wie die mit dem Männer- und Frauenchor Bad Neuenahr organisierten offenen Singen in den Sommerferien, die Motivwochenenden im Oktober, der Almabtrieb sowie der Silvesterball. Seit ihrer Einweihung im August 1979 wird die Hemmessener Hütte auf dem „Licher Berg“ in 190 Metern Höhe von der Bürgergesellschaft bewirtet. Sie ist die „Gute Stube“ der Bürgergesellschaft und ein Besuch bei herrlichem Ahrwein oder kühlem Bier ist stets ein besonderes Erlebnis.
Die Bürgergesellschaft pflegt aber auch noch weitere Traditionen, indem sie beispielsweise im Januar die Kirmes zu Ehren der Schutzpatrone Antonius und Sebastianus zelebriert und darüber hinaus die Aufstellung des Maibaumes durchführt. Großen Raum nimmt seit etwa drei Jahren die soziale Komponente innerhalb der Gesellschaft ein.
Die Betreuung der älteren Mitglieder durch Besuche in Altenheimen, Alleinstehende zu Hause oder in Krankenhäusern wird durch eine Gruppe von Frauen unter Führung des jetzigen Schultes Hans-Werner Helmrich verstärkt durchgeführt. Einmal im Jahr werden eine alle Senioren aus Hemmessen über 70 Jahre zu einer kostenlosen Veranstaltung auf die Hemmessener Hütte eingeladen. Monatlich finden eigens eingerichtete Seniorenwanderungen statt. Ferner erhalten die Senioren des Ortsteils kleine Geschenke zum Weihnachtsfest. Auf den ständigen Kontakt zu den älteren Mitgliedern legen die Verantwortlichen der Bürgergesellschaft sehr viel wert.
Die Symbole in dem Wappen und der Fahne der Bürgergesellschaft sind so aussagekräftig, dass jedermann sie versteht. Was in der Satzung als Ziel und Zweck formuliert ist, konnte kein besseres Symbol finden als in der Darstellung der Hemmessener Kapelle. Das Ganze ruht auf der gebenden und nehmenden Hand, ein treffendes Bild für das Füreinander und die Nachbarschaftshilfe, ohne die alle Tradition und jegliches Brauchtum ihren Sinn verlöre. Gelebtes Brauchtum zelebrierten die Hemmessener dann anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens. Es wurde am letzten Mai-Wochenende auf der Hemmessener Hütte gefeiert.
Neben dem Jubiläumsfest lockte aber auch schon gleich zu Beginn des neuen Jahres die Kirmes zahlreiche Bürger. Der Festumzug zur Kirmes führte zum Umtrunk an gleich mehrere Stationen: Dabei fand man sich unter anderem an dem kürzlich erst fertiggestellten Bildstock in der Antoniusstraße ein. Die Tafel mit dem „Säutünn von Hemmessen“, so der Initiator Markus Hartmann, wurde erst kürzlich bei 1250 Grad in einem speziellen Holzofen gebrannt und wird in einem Edelstahlrahmen präsentiert, der die Eremitage andeutet. Der Bildstock steht vor der Antoniusstraße 3 und wurde im Rahmen der Kirmes offiziell von Kaplan Andreas Kern eingesegnet. Es zeigt den zweiten Schutzpatron dieses Ortsteils und gleichzeitig Namensgeber der Straße.
Gute Laune bei einer Seniorenfeier der Bürgergesellschaft.
