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Bischof Samson besuchte das Klarissenkloster Bad Neuenahr

Interreligiöser Dialog als Lebensprogramm

27.02.2018 - 16:00

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Samson Shukardin OFM, seit 2015 Bischof in Hyderabad/Pakistan, besuchte vor Kurzem das Klarissenkloster in Bad Neuenahr. Im Anschluss an die Eucharistiefeier in der Klosterkapelle fand ein Vortrag zum Thema „Begegnung mit den Muslimen auf der Ebene des sozialen Einsatzes“ statt.

Die Stadt Hyderabad liegt in der Provinz Sindh, im Süden Pakistans, am Fluss Indus. Die Diözese Hyderabad erstreckt sich über ein riesiges Gebiet von mehr als 137.000 Quadratkilometern, beinahe doppelt so groß wie Bayern. Unter 28 Millionen Muslimen leben weit verstreut 50.000 Katholiken. Die meisten der katholischen Christen gehören ethnischen Minderheiten an, die zuvor Hindus waren.


Aus der Katastrophenhilfe entstanden


Im Sommer 2010 wurde Pakistan von einer gewaltigen Flutkatastrophe heimgesucht. Die Diözese Hyderabad war besonders betroffen. Br. Peter Amendt OFM von vision:teilen, einer franziskanischen Initiative gegen Armut und Not, erinnert sich: „Dies war die Stunde für den Franziskanerpater Samson Shukardin und seine Elisabeth-Pfarrei. Gemeinsam mit vision:teilen in Deutschland begann ein einzigartiges Sozialwerk, ohne je diesen Namen zu haben. Einfach da sein und anpacken, aber mit Organisation, Verstand und Herz.“

Aus der Katastrophenhilfe mit Zelten, Nahrungsmitteln und ersten Medikamenten sowie improvisiertem Schulunterricht für die Kinder entstand ein mobiles Gesundheitscamp, bestehend aus Dr. Hussain, einem muslimischen Arzt, dazu eine christliche Krankenschwester für die Frauen, ein Fahrer, ein Helfer, und ein durch deutsche Hilfe (Lazaruswerk) gesponserter Krankenwagen. Das Ziel: Nach den Flutopfern kam das abgelegene Hinterland, in dem bis heute Kleinbauern in permanenter Schuldsklaverei gegenüber dem Großgrundbesitzer leben und niemals einen Arzt, geschweige denn eine Schule von innen gesehen haben.

Die Arbeit weitete sich aus, denn mit den sich wiederholenden El Niño-Regenkatastrophen der Folgejahre – nur nicht ganz so groß wie 2010 – kamen neue Opfer und Gruppen hinzu, und wo der Regen nicht alles zuschüttete, tat die Dürre ihr Werk.


Armuts- und Hungerdistrikt


In der wüstenähnlichen Region entlang der indisch-pakistanischen Grenze im Einzugsgebiet der Diözese Hyderabad dehnt sich der Tharparkar-Distrikt aus, bekannt als Armuts- und Hungerdistrikt, bewohnt von ethnischen und religiösen Minderheiten, vor allem Hindus aus der Zeit der Trennung von Indien und Pakistan. Noch in den vergangenen Monaten forderte die Dürre ihren Tribut: Mehr als 140 Kinder starben nach Krankenhausangaben, weil die Mütter sie nicht mehr ernähren konnten – und wie viele mehr, die nicht registriert wurden. Auch hier wird der Krankenwagen zum Lebensretter und die Hilfe der Lebensmittelpakete bis zum nächsten Regen zur Überlebenshilfe.

Gleichzeitig konnte Pater Samson seine Augen nicht vor den Nöten der Jugendlichen, vor allem christlichen Jugendlichen, verschließen, die wegen fehlender Geldmittel (Schulgeld) die Schule hatten abbrechen müssen und ohne Ausbildung und Beruf dastanden. Für sie, soweit sie Jungen sind, hat er in Lahore eine Berufsausbildung in handwerklichen Berufen im Don Bosco-Institut organisiert, und für Mädchen gibt es durch ihn die Möglichkeit einer Nähausbildung an einer manuellen Nähmaschine, die sie nach erfolgreichem Abschluss als Leihgabe mit nach Hause nehmen dürfen, um sich so etwas für ihr Leben zu verdienen.


Kaum Mittel für Erziehung und Bildung


Dies ist einmalig in einem Land, das zu 96 Prozent muslimisch ist und dessen Politik weder für die nichtmuslimischen Minderheiten noch für Erziehung und Bildung des eigenen Volkes sowie für Volksgesundheit etwas tut, das vom Finanzaufwand diesen Namen verdient. Ein Staatsbudget, das zu nahezu zwei Dritteln in den Militärhaushalt fließt, hat für die Grundbedürfnisse des eigenen Volkes keine nennenswerten Mittel mehr übrig.

Dies weiß und wusste auch Pater Samson, und deshalb gilt seine Sorge allen, die in dieser Situation sind, unterstützt von alten Schulfreunden aus Hyderabad, wo er aufgewachsen ist – Schulfreunde, die er unter Muslimen, Hindus und Christen bis heute hat.

Von daher war es auch ein muslimischer Schulfreund, der im Januar 2015 die wichtigste Rede im Rahmen von Samsons Weihe zum Bischof von Hyderabad hielt – und das getreu dem Bischofswappen, das im Symbol den interreligiösen Dialog als Programm seines Wirkens enthält. Dasein für alle, die Hände über die Gräben reichen, Versöhnung und Toleranz leben – wer könnte es besser als jemand, der es wie er zeitlebens getan hat. Sein Programm braucht keine Worte: Das Wirken bezeugt es. Denn es geht um Gottes Liebe zu allen Menschen, über die Gräben und Brüche einer hochexplosiven Gesellschaft hinweg.

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Kommentare
Uwe Klasen:
Zitat Andreas Biebricher:"Die ... Grünen ... maßen sich an, alleine zu definieren, was richtig ist, was man sagen darf und was nicht, kurz: was politisch und moralisch korrekt ist. Andersdenkende werden in die Ecke gestellt und stigmatisiert. Das ist intolerant und undemokratisch." --- Wie Recht Herr Biebricher damit hat! Und meine Anerkennung, den Mut zu haben dies so klar zu formulieren!
juergen mueller:
Dieses Thema geht uns ALLE an und ich stelle einfach mal in den Raum, dass die überwiegende Mehrheit der Ratsmitglieder, u.damit meine ich in erster Linie diejenigen der CDU,Freie Wähler sowie natürlich die AfD, die sich in Sachen Integration ja bereits einen Negativ-Namen gemacht hat u.macht im Aufsuchen einer Badeanstalt eine Minderheit ausmacht.Deshalb wäre eine Bürgerbefragung das Ziel gewesen.Das was hier mal wieder "im kleinen Rahmen" beschlossen wurde nenne ich intolerant u.undemokratisch.Die Aufklärungsarbeit von CDU-Biebricher ist widersprüchlich u.spiegelt seine alleinige Auffassung/Meinung dar,die zumindest mich nicht im geringsten interessiert,da sie kein Maßstab für die der Bürgerschaft darstellt.Politisch wurde sich (auch) mal wieder selbst übertroffen,indem Bade- u.Schulordnung Gegensätze aufzeigen,die inakzeptabel sind.Das was Sie,Herr Biebricher, hier predigen hat mit Offenheit,Respekt,Toleranz u.Aufeinanderzugehen nicht das Geringste zu tun.Das ist pure Polemik.
Uwe Klasen:
Mit den Worten einer (berühmten) Zeitgenossin: "Nun sind sie halt da! - Wir schaffen das!"

„Verschwunden – Letzte Spur Lahnstein“

JAHN, SABIENE :
Danke der Redakteurin für diesen guten Beitrag, der detailverliebt die Stimmung des Abends wiedergibt. Eine schöne Sprache hat sie. Ein kleiner Fehler ist leider unterlaufen. Nicht in Lahnstein fließen Rhein und Mosel zusammen, sondern in Koblenz. Das aber schmälert nicht den ansonsten gut recherchierten Beitrag. Glückwunsch Lahnstein, es war ein schöner Anlass in dieser tollen Stadt zu gastieren. Feiert froh durch das neue Jahr, Euerm Jubiläumsjahr! Beste Grüsse, Sabiene Jahn
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