Allgemeine Berichte | 26.02.2018

Bischof Samson besuchte das Klarissenkloster Bad Neuenahr

Interreligiöser Dialog als Lebensprogramm

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Samson Shukardin OFM, seit 2015 Bischof in Hyderabad/Pakistan, besuchte vor Kurzem das Klarissenkloster in Bad Neuenahr. Im Anschluss an die Eucharistiefeier in der Klosterkapelle fand ein Vortrag zum Thema „Begegnung mit den Muslimen auf der Ebene des sozialen Einsatzes“ statt.

Die Stadt Hyderabad liegt in der Provinz Sindh, im Süden Pakistans, am Fluss Indus. Die Diözese Hyderabad erstreckt sich über ein riesiges Gebiet von mehr als 137.000 Quadratkilometern, beinahe doppelt so groß wie Bayern. Unter 28 Millionen Muslimen leben weit verstreut 50.000 Katholiken. Die meisten der katholischen Christen gehören ethnischen Minderheiten an, die zuvor Hindus waren.

Aus der Katastrophenhilfe entstanden

Im Sommer 2010 wurde Pakistan von einer gewaltigen Flutkatastrophe heimgesucht. Die Diözese Hyderabad war besonders betroffen. Br. Peter Amendt OFM von vision:teilen, einer franziskanischen Initiative gegen Armut und Not, erinnert sich: „Dies war die Stunde für den Franziskanerpater Samson Shukardin und seine Elisabeth-Pfarrei. Gemeinsam mit vision:teilen in Deutschland begann ein einzigartiges Sozialwerk, ohne je diesen Namen zu haben. Einfach da sein und anpacken, aber mit Organisation, Verstand und Herz.“

Aus der Katastrophenhilfe mit Zelten, Nahrungsmitteln und ersten Medikamenten sowie improvisiertem Schulunterricht für die Kinder entstand ein mobiles Gesundheitscamp, bestehend aus Dr. Hussain, einem muslimischen Arzt, dazu eine christliche Krankenschwester für die Frauen, ein Fahrer, ein Helfer, und ein durch deutsche Hilfe (Lazaruswerk) gesponserter Krankenwagen. Das Ziel: Nach den Flutopfern kam das abgelegene Hinterland, in dem bis heute Kleinbauern in permanenter Schuldsklaverei gegenüber dem Großgrundbesitzer leben und niemals einen Arzt, geschweige denn eine Schule von innen gesehen haben.

Die Arbeit weitete sich aus, denn mit den sich wiederholenden El Niño-Regenkatastrophen der Folgejahre – nur nicht ganz so groß wie 2010 – kamen neue Opfer und Gruppen hinzu, und wo der Regen nicht alles zuschüttete, tat die Dürre ihr Werk.

Armuts- und Hungerdistrikt

In der wüstenähnlichen Region entlang der indisch-pakistanischen Grenze im Einzugsgebiet der Diözese Hyderabad dehnt sich der Tharparkar-Distrikt aus, bekannt als Armuts- und Hungerdistrikt, bewohnt von ethnischen und religiösen Minderheiten, vor allem Hindus aus der Zeit der Trennung von Indien und Pakistan. Noch in den vergangenen Monaten forderte die Dürre ihren Tribut: Mehr als 140 Kinder starben nach Krankenhausangaben, weil die Mütter sie nicht mehr ernähren konnten – und wie viele mehr, die nicht registriert wurden. Auch hier wird der Krankenwagen zum Lebensretter und die Hilfe der Lebensmittelpakete bis zum nächsten Regen zur Überlebenshilfe.

Gleichzeitig konnte Pater Samson seine Augen nicht vor den Nöten der Jugendlichen, vor allem christlichen Jugendlichen, verschließen, die wegen fehlender Geldmittel (Schulgeld) die Schule hatten abbrechen müssen und ohne Ausbildung und Beruf dastanden. Für sie, soweit sie Jungen sind, hat er in Lahore eine Berufsausbildung in handwerklichen Berufen im Don Bosco-Institut organisiert, und für Mädchen gibt es durch ihn die Möglichkeit einer Nähausbildung an einer manuellen Nähmaschine, die sie nach erfolgreichem Abschluss als Leihgabe mit nach Hause nehmen dürfen, um sich so etwas für ihr Leben zu verdienen.

Kaum Mittel für Erziehung und Bildung

Dies ist einmalig in einem Land, das zu 96 Prozent muslimisch ist und dessen Politik weder für die nichtmuslimischen Minderheiten noch für Erziehung und Bildung des eigenen Volkes sowie für Volksgesundheit etwas tut, das vom Finanzaufwand diesen Namen verdient. Ein Staatsbudget, das zu nahezu zwei Dritteln in den Militärhaushalt fließt, hat für die Grundbedürfnisse des eigenen Volkes keine nennenswerten Mittel mehr übrig.

Dies weiß und wusste auch Pater Samson, und deshalb gilt seine Sorge allen, die in dieser Situation sind, unterstützt von alten Schulfreunden aus Hyderabad, wo er aufgewachsen ist – Schulfreunde, die er unter Muslimen, Hindus und Christen bis heute hat.

Von daher war es auch ein muslimischer Schulfreund, der im Januar 2015 die wichtigste Rede im Rahmen von Samsons Weihe zum Bischof von Hyderabad hielt – und das getreu dem Bischofswappen, das im Symbol den interreligiösen Dialog als Programm seines Wirkens enthält. Dasein für alle, die Hände über die Gräben reichen, Versöhnung und Toleranz leben – wer könnte es besser als jemand, der es wie er zeitlebens getan hat. Sein Programm braucht keine Worte: Das Wirken bezeugt es. Denn es geht um Gottes Liebe zu allen Menschen, über die Gräben und Brüche einer hochexplosiven Gesellschaft hinweg.

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