Allgemeine Berichte | 31.10.2013

St. Pius feiert Höhepunkt des Jubiläumsjahres mit einem Gala-Abend

Italienisches Flair mit Opera ViWa

Andrea Trovate an der Orgel, Sopranistin Silvia Martinelli und Querflötenvirtuose Fabio Taruschio bilden eine äußerst harmonische Einheit.RERE

Bad Neuenahr. Die Feiern zum 50-jährigen Bestehen der Pfarrei Sankt Pius in Bad Neuenahr-Ahrweiler sind fast beendet – aber eben nur fast: Denn zum Abschluss und Höhepunkt am Samstag in der Kirche und im Pfarrheim gaben sich Verdi, Donizetti und Bellini die Klinke in die Hand. Seltene italienische, musikalische Kostbarkeiten gepaart mit edlen Tropfen von der Ahr und dazu eine außergewöhnliche Jamsession – das Benefizkonzert „50 Jahre St. Pius Kirche“ zugunsten der Orgelrenovierung wartete mit vielen Überraschungen auf. Mit 50 Jahren ist die Pfarrei St. Pius zwar vergleichsweise noch jung, doch an der Kirchenorgel ist diese Zeit nicht spurlos vorbeigegangen. Aus Kostengründen ist die Orgel lange Zeit nur bei Bedarf und damit nicht regelmäßig gewartet worden.

„Der Reinerlös der Veranstaltung kommt der Renovierung und damit einem noch lang andauerndem Musikgenuss zugute“, verspricht Peter Dörrenbächer.

Italienisches Spitzen-Trio

Durch Kontakte nach Italien konnte das italienische Spitzen-Trio Opera ViWa aus der Toscana gewonnen werden. Andrea Trovate an der Orgel, Sopranistin Silvia Martinelli und Querflötenvirtuose Fabio Taruschio bilden eine äußerst harmonische Einheit. Seit 2007 begeistert das Trio Musikfreunde auf den großen Bühnen – und das in aller Welt. Mit dabei waren aber auch alte Bekannte. Die Inszenierung des Abends hat der in München lebende Regisseur Clemens Keiffenheim übernommen. Er hat Adenauer Wurzeln und fühlt sich dem Landkreis sehr verbunden.

Ein besonderes Konzept

Der Abend wurde nach einem besonderen Konzept gestaltet: Der erste Teil des Konzerts fand in der Pius-Kirche statt, während sich alle Beteiligten mitsamt allen Gästen anschließend im Pfarrheim zum gemeinsamen spontanen Intonieren musikalischer Klassiker um das Klavier von Hausorganist Matthias Gampe versammelten. Im Pfarrheim wurden edle Weine kredenzt, und die Katholische Frauengemeinschaft hatte zur Geschmacksabrundung Fingerfood vorbereitet. Mit Rudolf Deschs „Hymne“ leitete der Männerchor Bachem unter dem Dirigat von Chorleiter Bardo Becker den Abend prunkvoll ein.

Die 38 Sänger konstatierten inbrünstig „Groß sind, o Herr, die Werke deiner Hände“, bevor Silvia Martinelli mit ihrem edel-timbriertem, angenehm weichem Sopran „Quell’ usignuolo dall’ Oratio Sancta Ferma“ von Antonio Caldara aufhorchen ließ. Über eine Videoleinwand verfolgten die 200 Gäste das virtuose Zusammenspiel zwischen Orgel, Querflöte und Gesang auf der Empore.

Melancholie und Hingabe

Voller Melancholie und Hingabe grüßte die Sopranistin die Königin in Vincenzo Bellinis „Salve Regina“, während sich auch Flöte und Orgel bei Donizettis „Sonata in Do minore“ perfekt ergänzten. Immer wieder hagelte es Ovationen aus den Reihen, die durchaus noch Platz für mehr Gäste aufwiesen. Höchste Anerkennung gebührte dem blinden Kirchenorganist Matthias Gampe bei seiner Interpretation von Verdis „Padre Nostro“. Mal vorsichtig-leise in den Tiefen, mal klangvoll nur so über die Tasten fliegend in den Höhen entführte er in die Welt des italienischen Komponisten. Wenig später gab der Bachemer Männerchor Robert Papperts „Bewahret die Schöpfung“ zum Besten. Zwischen den Stücken spannte Pfarrer Peter Dörrenbächer einen Bogen zwischen Bibel und Wein, belegte, dass Wein schon immer eine besondere Bedeutung zugekommen sei, dass er Frohsinn und Wonne aber auch Zorn und Unbeherrschtheit mit sich bringen könne. „Wo Wein fehlt, fehlt auch Lebensqualität“, resümierte Dörrenbächer. Und wieder erklang Verdi, der in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag gefeiert hätte, in bemerkenswerter Klangfülle: Nicht nur Ahrweilers Ortsvorsteher Horst Gies staunte ob der musikalischen Klasse des Opern-Trios bei „Mercé dilette amiche“ oder der gemeinsamen Intonierung von Sopran und Orgel bei „Il Brindisi“. Zum Abschluss ließ das Trio Cesare Ciardis „L’usignolo“ erklingen. Fast zwei Stunden lang dauerte das Konzert, bei dem Pastor Dörrenbächer immer wieder die Verbindung von Wein und Kirche herstellte.

Entspannter Ausklang

Dem Konzert folgte der entspannte Ausklang im Pfarrheim, bei dem der Männerchor und Gampe, mitsamt des Trios Opera ViWa musikalische Leckerbissen mit freien Improvisationen vortrugen. Die „Künstler zum Anfassen“ brachten den Gästen viel Freude. Die örtlichen Weingüter Sonnenberg und Peter Lingen präsentierten bei einer Verkostung Produkte aus ihren Kellern. Pastor Peter Dörrenbächer dankte den Winzern ganz besonders für ihren Einsatz - trotz der aktuell stattfindenden Arbeit in Weinberg und Keller.

Andrea Trovate an der Orgel, Sopranistin Silvia Martinelli und Querflötenvirtuose Fabio Taruschio bilden eine äußerst harmonische Einheit.Foto: RERE

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