Oberhut und Adenbachhut stellten traditionell ihren Maibaum auf
Junggesellen trotzten der nassen und kühlen Witterung
Maibaumaufstellen bereits am Samstag
Ahrweiler. Für die meisten Mitglieder der Junggesellenvereine ist das Maibaumaufstellen einer der Höhepunkte im Jahr. Es beginnt mit dem Abholen der mehrere Tonnen schweren Fichtenstämme im Ramersbacher Forst und endet meist feuchtfröhlich und tief in der Nacht - entweder mit der Versteigerung der Mailehen oder dem Abschluss in einer gastronomischen Einrichtung oder bei einem der Junggesellen zu Hause mit dem traditionellen Eierbacken.
Unter dem Stichwort „feuchtfröhlich“ war in diesem Jahr aber zum Leidwesen der Junggesellen der Oberhut und der Adenbachhut etwas anders zu verstehen. Denn bei kühlem, regnerischem Wetter fiel gerade der erste Abschnitt des Tages ziemlich ins Wasser. Zwar hatte Petrus zum Nachmittag hin doch noch ein Einsehen mit den arbeitenden jungen Männern, doch war die Witterung weder einträglich für den gemeinsamen Spaß an der Sache noch am Geschäft.
Denn das Aufstellen der Maibäume hat sich eigentlich mittlerweile zu einem Event mit lukrativen Einnahmemöglichkeiten für die Vereinskasse entwickelt. Deswegen stellen einige Vereine aus Ahrweiler sowie die Bachemer und Walporzheimer nicht am traditionellen 30. April, sonders meistens samstags vor dem 1. Mai ihren Maibaum auf, weil dann der Publikumszuspruch einfach größer und damit der Gewinn aus Bier- und Würstchenverkauf höher ist. Natürlich ist es aber nicht nur der schnöde Mammon, der für den Samstag spricht. Denn am für viele freien Tag ist das interessante Maibaumaufstellen natürlich auch ein Treffpunkt, an dem sich Ehemalige und Bewohner der Hut treffen, um gesellige Stunden miteinander zu verbringen.
Traditionell ist eigentlich der 30. April dafür vorgesehen, mit anschließendem Maiansingen unter dem Baum, althergebrachtem Ersteigern oder Freikaufen der Mailehen, der im Stadtteil wohnenden unverheirateten Mädchen, und anschließendem Stellen der „kleinen“ Maibäume für diese. Womöglich könnte der Dienstag für die Junggesellen aus der Niederhut und der Ahrhut in diesem Jahr die bessere Wahl gewesen sein, da die Wetterprognosen auf schöneres Wetter schließen ließen.
Ahrhut hilft aus
Wie dem auch sei: Die Junggesellen aus der Oberhut und der Adenbachhut versuchten das Beste aus der Lage zu machen und hofften, dass der klamme Baum nicht von den Micken rutschen würde. Per Muskelkraft und mit Hilfe der drei gekreuzten und gebundenen Micken machten sich die Addemichshöde erst am späteren Nachmittag an die Arbeit, nachdem sie erst auf besseres Wetter gewartet hatten. Ursprünglich wollte man eigentlich etwas früher beginnen.
Alle sieben verbliebenen Junggesellen des Vereins waren anwesend, dazu eine Handvoll Ehemalige. Das reichte natürlich nicht, um den rund 23 m langen Stamm mit rund 5 m langer Spitze in die Höhe zu hieven. So hatte am sich Verstärkung von den Ahrhöde Jonge geholt, die wie gesagt erst am Dienstag ihren Baum stellten. Eher spärlich war zu Beginn auch die Zuschauerkulisse, da viele wegen des kühlen Wetters lieber zu Hause geblieben waren.
Schultes Dennis Wohlgefahrt teilte am Rande der Veranstaltung übrigens mit, dass der Junggesellenverein wie schon früher kolportiert aus Mitgliedermangel wohl keinen eigenen Zug beim diesjährigen Schützenfest stellen wird - das erste Mal seit Jahrzehnten.
Einen deutlich größeren Zuschauerspruch gab es bei den Ovvehöde Jonge. Viele ehemalige Vereinsmitglieder waren hier zu dem Event gekommen. Für die Kommandos an den Micken sorgte hier Schultes Christian Gemke. „Etwas kleiner“ sei der Baum als in den vorhergehenden Jahren, berichtete der 1. Vorsitzende des Vereins - angesichts des feuchten Holzes sicherlich nicht von Nachteil. Denn dieses bildet die größte Gefahr beim Stellen alleine mit Muskelkraft, da die drei Micken so leicht abrutschen und den Baum nicht mehr halten können - mit der Folge, dass er aus mitunter großer Höhe zu Boden stürzt und eine echte Gefahr für Leib und Leben darstellt. Vor vielen Jahren hat es dieses Szenario bei den Ovvehöde Jonge bereits einmal gegeben, ohne dass allerdings jemand verletzt wurde. Ein Malheur gab es an diesem Tag jedoch auch: So wurden beim Transport mit schwerem Gerät aus dem Ramersbacher Forst ein Verkehrsschild am Parkplatz Alveradisstraße/Altenbau demoliert, wo die Ovvehöde traditionell ihren Maibaum stellen, nachdem Gleiches schon zuvor in Höhe Godeneltern passiert war.
Je nach Witterung überlegen die Ovvehöde, die Mailehenversteigerung am 30. April im Backes oder aber unter dem mit einem Kranz geschmückten Baum durchzuführen. Da ist den Junggesellen sicherlich besseres Wetter zu wünschen als an eben diesem Samstag.
Bei der Aufstellung des Adenbachhut Maibaum wurden die Addemichshöde von den Ahrhöde Jonge unterstützt.
