Wanderung zu den Kapellen der mittleren Grafschaft
Kleine Gotteshäuser beeindruckten
Pastor Alexander Burg und den Pfarrgemeinderäten Leimersdorf und Ringen hatten eingeladen
Grafschaft. Am Mittwoch vergangener Woche war eine Gruppe der Einladung von Pastor Alexander Burg und den Pfarrgemeinderäten Leimersdorf und Ringen gefolgt, um eine Wanderung über die mittlere Grafschaft zu machen und dabei die Kapellen zu besuchen. Der Nachmittag begann um 13.30 Uhr in der Oevericher St.-Urbanus-Kapelle. Ottmar Prothmann erzählte unter anderem, dass die jetzige Kapelle 1936 eingeweiht wurde und auf dem gleichen Platz steht wie die alte Vorgängerkapelle. Erwähnenswert sind die farbenfrohen Fenster, die Szenen aus dem damaligen dörflichen Leben zeigen. Das Chorgemälde zeigt Christus als „Priester-König“ am Kreuz, eine ungewöhnliche Kreuzigungsdarstellung. Die Kapelle besitzt eine alte Bronzeglocke von 1472, die kürzlich renoviert wurde. Bei hochsommerlichen Temperaturen machte sich die Gruppe, angeführt von Maria Sontag, der Initiatorin der Kapellenwanderung, auf den Weg zur nächsten Station, dem „Eckendorfer Heiligenhäuschen“. Dieses liegt inmitten von Feldern westlich von Beller. Es ist eine Gedenkstätte an die im Jahre 1856 verstorbene Sophia Willems, errichtet von ihrer Familie. Das Bauwerk erinnert mit seinen dicken Säulen an einen römischen Tempel. Herbert Glath erzählte von der aufwendigen Renovierung des Denkmals. Ein idyllischer, schattiger, stiller Ort, mit einer Rundbank um einem Baum. Gern wird dieser Platz von Wanderern besucht, die dort einen Ort der inneren Einkehr finden. Der Weg führte die Gruppe weiter zur Bölinger St.-Hubertus-Kapelle. Dort wurden die durstigen Teilnehmer von Anton Palm und der Küsterin mit frischen Getränken empfangen. Die St.-Hubertus-Kapelle ist die jüngste Kapelle der Grafschaft. Palm erzählte, dass sie am 4. Juli 1954 nach einer zweijährigen Bauzeit eingeweiht wurde. Auch in Bölingen gab es eine alte Vorgängerkapelle in der Rheinbacher Straße, sie musste wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Ein Marienbild und eine Isidorstatue stammen noch aus der alten Kapelle. Das Altarfresco „Sturmfahrt Christi über das Meer“ wirkte auf die Besucher sehr lebendig und fast dramatisch. Gerne hätte man noch den Ausführungen von Anton Palm zugehört, die Gruppe musste jedoch aufbrechen, da noch ein langer Weg bevorstand. Die nächste Station war die St.-Josef-Kapelle in Beller. Herbert Glath stellte dieses kleine schmucke Gotteshaus vor. Ursprünglich wurde die Kapelle von dem kinderlosen Ehepaar Johann Josef und Helena Kohlhaus aus Beller im Jahr 1868/69 gestiftet. Sie war vom Verfall bedroht und wurde von 2000 bis 2008 komplett vom Boden bis zum Dach mit großem ehrenamtlichen Aufwand renoviert. Sehr schön ist der blaue Sternenhimmel im Chorraum. Mit vielen neuen Eindrücken machte sich die Gruppe nun auf den Weg in Richtung Leimersdorf. Während einer kurzen Rast am „Hohen Kreuz“, Ahrweiler Weg, konnte man die schöne Aussicht über die Grafschaft bis zu den Eifelbergen und zum Siebengebirge genießen. Das nächste Ziel war die Birresdorfer Kapelle. Hubertine Thun informierte, dass die Hubertus-Kapelle in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtet wurde. Sie ist das älteste erhaltene Gebäude im Ort und die kleinste Kapelle der mittleren Grafschaft. In den Jahren 1953/54 wurde sie aufwendig renoviert. Da das Gebäude mit zunehmendem Straßenverkehr ein Hindernis wurde, wurde es im April 1982 in einer spektakulären Aktion an seinen heutigen Standort verschoben. Auf einem Balken über dem Altar ist die Hubertusjagd angebracht, ein Kleinod der Bauernkunst. Rechts neben dem Altar steht eine Pieta aus dem 17. Jahrhundert, eine Darstellung der Maria mit dem Leichnam Jesu. Bei allen besuchten Kapellen war man beeindruckt von der Schönheit der Ausstattung und dem guten Erhalt der Gebäude. Es ist dem großen Engagement einzelner Personen und vielen Spendern zu verdanken, dass auch diese kleinen Gotteshäuser der Nachwelt erhalten bleiben. Dankbar, aber auch ein wenig erschöpft von dem weiten Weg bei hohen Temperaturen feierten alle mit Pastor Burg zum Abschluss eine heilige Messe in der St.-Urbanus-Kapelle, Oeverich.
