Gemeinderat und Ortsbürgermeister fühlen sich von DB überrumpelt
Kritik am der geplanten Zerschneidung des Weinbrunnenplatzes
Dernau/Ahrtal. Trotz Bedenken und zunehmender Widerstände vor Ort betreibt die Deutsche Bahn (DB) Netze ihre Planungen für ein neues Zugleitsystem auf der Ahrtalbahnstrecke zwischen Walporzheim und Ahrbrück unverdrossen fort. Auch in Dernau sorgt dies für Wirbel: Ortsgemeinderat und Bürgermeister Alfred Sebastian fühlen sich von der DB-Planung für die Schrankenanlage in der Ortsmitte (am Festplatz) schlichtweg übergangen. Im Zuge dieser Planungen soll der Festplatz zerschnitten werden. Hierbei gehe es, so Dernaus Ortsbürgermeister Alfred Sebastian auf Anfrage von "Blick aktuell", noch nicht einmal gegen das TuZ-System selbst, sondern vielmehr die Art und Weise, wie Deutsche Bahn Netze dieses Vorhaben betreibt. Die Bedeutung der Ahrtalbahn für die gesamte Region steht für Sebastian hierbei außer Frage. Für ihn ist es untragbar, dass die Deutsche Bahn über die Verbandsgemeinde Altenahr eine „Anordnung“ erreichen will. Dabei sei die Gemeinde zuvor weder an diesen Vorplanungen noch den bestehenden Planungen beteiligt worden. Sebastian ist selbst langjähriger und erfahrener Behördenleiter. Für ihn sind diese Abläufe ein Unding und schlichtweg nicht hinnehmbar. Dabei sind die ersten Planungen, den Verkehr auf der Bundesstraße 267 in der Ortslage Dernau bei Zugbetrieb auf dem Bahnübergang in beide Richtungen per Ampelanlage voll zu sperren, mittlerweile vom Tisch.
Unmögliches Vorgehen
Jedoch betreibt die DB nun - offenbar hinter dem Rücken der Ortsgemeinde Dernau - etwas ganz anderes: An der Ein- und Ausfahrt zwischen Bahnübergang und Bundesstraße ist eine Mittelinsel geplant. Hierbei wurde der vordere Bereich des Weinbrunnenplatzes überplant und auf einer Tiefe von bis zu sieben Metern beidseitig abgeschnitten. Bereits im November 2014 hat die Deutsche Bahn AG in diesem Bereich umfangreiche „technische Vorprüfungen“ durchgeführt. Die Ortsgemeinde Dernau hingegen hat erst vor wenigen Tagen von der offensichtlich abgeschlossenen Planung, mit dem so genannten „Markierungs- und Beschilderungsplan“ Kenntnis erlangt. Sebastian stellt fest: „Diesen Plan - ohne weiteren Kommentar - der Straßenverkehrsbehörde in Altenahr zur Anordnung zu schicken, und das ohne vorherige Abstimmung und Einvernehmen mit dem zuständigen Straßenbaulastträger, der Ortsgemeinde Dernau, ist ein unmögliches Vorgehen. Mit welchen Recht überplant die Bahn bzw. das Ingenieurbüro unseren Weinbrunnenplatz? Es handelt sich dabei um nicht gewidmete Verkehrsflächen. Dieser Planung wird die Ortsgemeinde in keinem Fall zustimmen“. Mit einer Längenbegrenzung für Fahrzeuge bis zehn Metern können auch zum Beispiel die Müllfahrzeuge diesen Bereich wie bislang weiter nutzen. Alfred Sebastian versteht diesen Riesenaufwand daher nicht. Denn in Fahrtrichtung B 257 wird die Brücke durch längere Sattelkraftfahrzeuge nur ganz selten benutzt. Hierfür lasse sich jedoch eine andere Lösung finden, ist Sebastian überzeugt.
Umstellung des Betriebssystems wird kritisch gesehen
Um ein Einvernehmen mit der Deutschen Bahn zu erreichen, ist für ihn eine Information und Diskussion des Gemeinderates unerlässlich. An den anfallenden Kosten muss sich die Ortsgemeinde Dernau aus seiner Sicht ohnehin nicht beteiligen: „Bei der Umrüstung auf neue technische Systeme der Bahn gilt hier das Veranlassungsprinzip nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz“, so Sebastian abschließend. Noch in dieser Woche soll nun ein Erörterungstermin vor Ort stattfinden. Auch der Zweckverband SchienenPersonenNahVerkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV Nord) sieht die Planungen für die Umstellung des Betriebssystems auf der oberen Ahrtalbahn kritisch. „Gemeinsam mit DB Regio stehen wir dem Vorhaben grundsätzlich skeptisch gegenüber“, erklärte der SPNV Nord auf Anfrage von "Blick aktuell". Gründe und weitere Einzelheiten wollte Dr. Thomas Geyer, Verbandsdirektor des SPNV Nord, derzeit jedoch nicht nennen. Auch der SPNV Nord wurde von DB Netze spät beteiligt, die ersten Gespräche fanden erst im März dieses Jahres statt.
Was ist TuZ?
TuZ klingt zunächst harmlos: Im vorliegenden Fall die Einführung eines „Technisch unterstützten Zugleitbetriebs“ (TuZ) zwischen Ahrweiler und Ahrbrück auf der Ahrtalbahnstrecke ab 13. Dezember 2016. Auf der Strecke der Ahrtalbahn zwischen Walporzheim und Ahrbrück soll zu diesem Termin die bisherige, bewährte Signaltechnik abgebaut und durch „TuZ“ ersetzt werden: Das „Betriebsverfahren nach RiL 438 NE“. Ein altes, auf schwach frequentierenden Nebenstrecken in früheren Zeiten angewendetes Betriebsverfahren soll auf der oberen Ahrstrecke zum Einsatz kommen. Ein Ziel dabei: Personal wird reduziert, ohne jedoch technisch Ersatz durch moderne Stellwerke zu schaffen. Züge sollen künftig bei diesem Verfahren ohne örtliches Personal auf den Bahnhöfen in Dernau und Kreuzberg verkehren, Signale werden zurückgebaut. Der Lokführer muss dann mehr Aufgaben in Eigenregie regeln, unter anderem die Gewährleistung der Reisenden-Sicherheit an den Bahnsteigen sowie das Umstellen der Weichen beim Rangieren. Die bislang ferngestellten Weichen durch Fahrdienstleiter vor Ort werden bei diesem System nämlich auf sogenannte „Rückfallweichen“ umgestellt. Und diese Rückfallweichen können nur mit geringer Geschwindigkeit befahren werden. Und ein Ausweichen von Zügen in Kreuzberg, ist nur mit hohem zeitlichem Aufwand möglich. Eben weil kein stationäres Personal mehr vorhanden ist.
Abbau von Signalanlagen
Dies hat nicht nur zur Folge, dass die alten Signalanlagen abgebaut werden. Gleichzeitig nämlich sollen mit dieser Maßnahme auch die Fahrdienstleiter an den Bahnhöfen Kreuzberg und Dernau eingespart werden. Hierzu hatte die Deutsche Bahn Ende 2014 auf Rückfrage von "Blick aktuell" bereits mitgeteilt: „Durch diese Einrichtung technisch unterstützter Zugleitbetrieb (TuZ) auf der DB-Strecke 3000 im Abschnitt Walporzheim - Ahrbrück sind etliche technische Vorprüfungen und Vorarbeiten erforderlich. So beispielsweise die Erneuerung sicherungstechnischer Anlagen auf dem Streckenabschnitt Walporzheim-Ahrbrück.“ Dies betrifft beispielsweise auch Bahnübergänge, so die in Dernau. Wegen des angrenzenden Festplatzes ist dort für die Sicherheit des Personen-, Straßen- und Schienenverkehrs auch zukünftig eine Vollschrankenanlage erforderlich. Nach Einrichtung des „TuZ“ steht der Fahrdienstleiter des Bahnhofs Dernau nicht mehr für die Freiprüfung des Bahnüberganges (BÜ) zur Verfügung. Dieser wird deshalb mit einer zugbedienten Sicherungsanlage und einer automatischen Gefahrenraumfreimeldeanlage (GFR) ausgerüstet. Mit dieser Anlage soll sichergestellt werden, dass eine Zugfahrt nur nach Schließung der Schranken und Freimeldung des BÜ-Bereichs zugelassen wird. Die Durchführung dieser Maßnahme ist für das zweite Halbjahr 2016 vorgesehen. Dabei sind die Signal-Zugseile an den Bahnhöfen Kreuzberg vor rund fünf Jahren und in Dernau vor einem Jahr vollständig und mit einem hohen Kostenaufwand vollständig erneuert worden.
