Marienthaler Lichterabende 2013
Launiger Lichterabend bewegte das Publikum
„Die Feuersteins“ spielten zusammen mit Thomas Hecking „Lieblingslieder“
Marienthal. Es schienen Welten zu liegen zwischen den Liedern der Neuen Deutschen Welle aus den 80ern und den Folksongs, die beim ersten Marienthaler Lichterabend in diesem Jahr im offenen Kirchenschiff der alten Klosterruine erklangen. Doch die verbindende Größe war der Mann am Mikrofon sowie an diversen Saiteninstrumenten von Banjo bis Ukulele: Guntmar Feuerstein. Einst sang er Lieder von den „Beach Boys“ mit deutschem Text, dann auch Soul und seit mittlerweile vielen Jahren gilt seine Leidenschaft dem Folk. Aber auch dieser überschreitet Grenzen. So gehörte der noch vergleichsweise junge Hit „Little Talks“ der isländischen Band „Of Monsters and Men“ ebenso zum Programm wie die uralte Volksballade von den „Königskindern“, aber mit deutlich keltischem Einschlag. Einmal sang Guntmar Feuerstein im Duett mit seiner ältesten Tochter Carla (Gesang, Gitarre, Bodhran). Dann sang diese mit ihrer jüngeren Schwester Emily (Gesang, Piano, Autoharp). Aber auch das Gesangstrio der Feuersteins „funktionierte“, obwohl die drei und „der vierte Mann“, der in Marienthal dabei war, auf ihrer allerersten kleinen Tournee unterwegs waren. Gemeinsam singen „Die Feuersteins“ schon von Kindesbeinen an, und mit Thomas Hecking hatten sie sich einen Virtuosen am Akkordeon und ausgelassenen Spieler auf Spoons ausgesucht.
Ihre „Lieblingslieder“ präsentierten sie im offenen Kirchenschiff, und diese wollten so ganz in den stimmungsvollen, familiären Rahmen passen und entlockten dem Publikum nicht nur begeisterten Applaus, sondern bei den countrylastigeren Titeln auch ein bestätigendes „Yee-Haw“ in Cowboymanier oder nach den ruhigeren und traurigeren Stücken ein angerührtes Seufzen. Letzteres war der Fall, als der Bochumer Guntmar Feuerstein das Leben seines Vaters, der mit zwei Weltkriegen leben musste, musikalisch Revue passieren ließ: „Viel mehr geht nicht“. Oder als die 24-jährige Carla Feuerstein „Mein Vater war Bergmann und ich bin sein Sohn, mit Kummer und Sorgen, so wurde ich groß“ sang. Geradezu ausgelassen klang im Vergleich dazu Emily Feuersteins unerschrockener und leichtfüßiger Gute-Laune-Song „Wunderbar, es ist Sommer“. Auch „Oh Susanna“, ebenfalls neu arrangier im Louisiana-Stil, „Cindy, Cindy“, „Blowin‘ in the wind“, Gospelsongs und zwischendurch mal ein „Set of Tunes“ fehlten nicht.
Auch die Moderation rief gute Laune hervor
Deutsche und amerikanische Volkslieder, irische Jigs und Reels, Stücke aus eigener Feder sowie solche von Bob Dylan bis John Fogerty kamen zu Gehör.
Neu hinhören ließen die ungewohnten Versionen bekannter Titel.
Dazu kamen die launigen Moderationen von Guntmar Feuerstein, der nicht nur als Sänger, Texter und Musik-Kabarettist Wert auf die richtigen Worte legt, sondern als Autor bereits für bekannte Comedians wie Atze Schröder, Rüdiger Hoffmann oder Mario Barth gearbeitet hat.
In Marienthal war er bereits vor drei Jahren mit der Formation „L.Bow Grease“ ohne seine Töchter oder Thomas Hecking aufgetreten. „Damals haben wir uns als Regenmacher einen Namen gemacht“, bekannte er. Denn gleich nach Verklingen des Songs „Precipitation“, zu Deutsch: „Niederschlag“, sei eine „Wand aus Wasser vom Himmel heruntergekommen“. Eine solche Wirkung blieb diesmal aus. Sonst hätte man die Gruppe auch gut bei einer längeren Trockenzeit einladen können, fand Lichterabend-Organisator Friedhelm Pankowski ganz pragmatisch. Locker war der Ton, so generationenübergreifend wie das Alter der Akteure und die Musik, die sie spielten, und überschwänglich der Applaus der Zuhörer am Ende des ersten Marienthaler Lichterabends in diesem Jahr. Nur ein Schlaflied konnte das Publikum nach mehreren Zugaben dazu bewegen, nach Hause zu gehen: „Der Mond ist aufgegangen“.
Das offene Kirchenschiff passte zum stimmungsvollen, familiären Rahmen des Konzertes. Foto: SI
