Schreiner-Innung Ahrweiler zieht positive Bilanz
Lehrlingsaustausch erfolgreich gestartet
Kreis Ahrweiler. Entstanden war die Idee während einer Innungsversammlung 2012 bei den „Holzwürmern“, der Schreinerei Rönnefarth in Dernau. Geboren und erfolgreich umgesetzt wurde das gelungene Projekt nun im Juni. Die Rede ist vom ersten Lehrlingsaustausch der Schreiner-Innung Ahrweiler. Dabei hatten Auszubildende von sechs Betrieben aus verschiedenen Teilen des Kreises die Möglichkeit, vier Wochen lang in einer anderen Schreinerei zu arbeiten, Anregungen und andere Herangehensweisen an Herausforderungen zu erfahren und für sich mitzunehmen.
Teilgenommen an dem neuen Pilotprojekt haben Lehrlinge aus folgenden Schreinereibetrieben: Schreinerei Nelles aus Ahrweiler, Schreinerei Kreuzberg und Holzwerk Judith Cramer aus Gelsdorf, Schreinerei Kutzner & Ritzdorf aus Bad Breisig, Schreinerei Strebel aus Müsch und die Schreinerei Rönnefarth aus Dernau.
Vor dem Start standen allerdings ausgiebige Gespräche, in denen die Handwerksunternehmen gemeinsam Pro und Kontra abwägten. Dann nahm das Projekt langsam Formen an. Jeder der teilnehmenden Betriebe konnte in gemeinsamer Absprache einen seiner Lehrlinge in den Austausch schicken. Vorab durfte jede Firma den Wunsch bezüglich eines Austauschbetriebs äußern. Dementsprechend wurden die Lehrlinge anschließend verteilt. Den gesamten Monat Juni setzte der jeweilige Azubi dann anstatt in seinem Lehrbetrieb seine Ausbildung in dem Austauschbetrieb fort.
Einig waren sich alle Initiatoren, dass ihre Lehrlinge einen Weitblick für das Schreinerhandwerk bekommen sollten. Denn je mehr sie ihnen in den drei Jahren der Ausbildung vermitteln könnten, umso mehr könne der Ausbildungsauftrag als erfüllt angesehen werden, lautete die Devise und das wichtigste, einstimmige Ziel der Initiative.
Kurze Einarbeitungszeit
Natürlich bedeutete dies für die Betriebe, ihre Auszubildenden zeitweise gehen zu lassen - ein wesentlicher Grund, dass einige Firmen, die zunächst ihre Teilnahme zugesagt hatten, am Ende doch noch absprangen. Für Schreinermeister Maik Rönnefarth von den „Holzwürmern“ bestätigte sich diese Befürchtung jedoch nicht: „Die Einarbeitungszeit dauerte pro Lehrling in der Regel nur eine Woche. Danach hatten sie sich bereits gut im Betrieb integriert und arbeiteten voll mit. Katrin Schuster vom ,Holzwerk‘ in Gelsdorf hat bei uns beispielsweise einen Schrank dermaßen originell umgebaut, dass sogar unsere gut ausgebildeten und erfahrenen Mitarbeiter große Augen bekommen haben.“ Und er ergänzt: „Nicht nur den Azubis, auch mir hat das Ganze sehr viel Spaß gemacht“, und sprach damit auch den Inhabern anderer beteiligter Schreinereibetriebe aus dem Herzen, die zu einer Bilanz des Projekts in die Schreinerei Rönnefahrth gekommen waren, allen voran Thomas Nelles von der gleichnamigen Schreinerei in Bad Neuenahr-Ahrweiler und Judith Cramer vom Holzwerk.
Den großen Gewinn sehen alle darin, dass die Azubis Einblick in verschiedene Betriebe erhalten, die jeder für sich den Schwerpunkt im Schreinerhandwerk anders lagern. So sind einige Schreinerbetriebe eher im Montagesegment und andere eher im Möbelbau unterwegs. „Angst davor, sich von anderen Betrieben in die Karten schauen zu lassen, muss man deshalb nicht haben“, erklärt Rönnefarth.
Durch den Austausch hat der Nachwuchs die Möglichkeit, andere Arbeitstechniken und Ausführungen sowie andere Tätigkeitsbereiche kennen zu lernen. Auch die Firmenstrukturen sind, speziell im Handwerk, so vielfältig, dass es auch hier für den Nachwuchs äußerst interessant und spannend ist, sich einmal voll und ganz auf ein anderes Team einzulassen. Durch das Kennenlernen eines anderen Firmenprofils bekommen die Lehrlinge bereits einen ersten Eindruck von dem, was sie nach der Ausbildung erwarten könnte.
Positives Fazit
Das Fazit der vier Wochen fiel daher sowohl bei Betrieben als auch Azubis unisono absolut positiv aus. Beide Seiten waren mit unterschiedlichen Erwartungen an das Projekt herangegangen - und kamen mit der gleichen Erkenntnis heraus. Aus den Reihen des Nachwuchses heißt es nach Projektabschluss: „Der Austausch war bereichernd“, „Ich habe mit ganz anderen Materialien als gewohnt gearbeitet“ oder „Ich habe gelernt, eigenverantwortlich zu arbeiten“.
Ebenso zufrieden fällt die Bilanz der Initiatoren aus: „Was wir alle gemeinsam hatten, war eine Vision. Und zwar die eines Ausbildungsnetzwerks, in dem jeder von jedem lernt. Sowohl wir als Lehrbetriebe als auch unser Nachwuchs sind begeistert.“
Auch in anderen Gewerken stößt das Projekt bereits auf großes Interesse. „Es ist ein echtes Modell auch für andere Innungen“, ist Rönnefarth überzeugt. Und der stellvertretende Kreishandwerksmeister Thomas Nelles, der mit seinem Betrieb selber am Lehrlingsaustausch teilgenommen hat, berichtet. „Seit Beginn des Austauschs werden wir stetig darauf angesprochen. Man ist sehr interessiert, wie wir auf die Idee kamen, mit welchen Erwartungen wir an das Projekt herangegangen sind und vor allem, was wir daraus mitgenommen haben. Was gar nicht so einfach zu beantworten ist, denn jeder geht mit einer anderen Erwartung an Dinge heran.“
Nelles weist darauf hin, dass nicht nur im Kreis, sondern europaweit Lehrlinge temporär in anderen Betrieben arbeiten können - in der Regel für etwa drei Wochen. Adressen von teilnehmenden Unternehmen aus dem Ausland könne man über die Handwerkskammer Koblenz oder die Kreishandwerkerschaft Ahrweiler erhalten. „Diesbezüglich würden wir gerne mehr machen, freie Plätze sind in der Regel vorhanden“, wünscht sich Nelles noch mehr Engagement der Betriebe. Interessante Arbeitsorte wären beispielsweise Yachtbauer in Italien und den Niederlanden oder Handwerksbetriebe in Südfrankreich. Im Gespräch sei auch ein echter Lehrlingsaustausch wie jetzt beim Projekt im Kreis Ahrweiler, „denn ansonsten fehlt ja eine Arbeitskraft für drei Wochen“, betont der stellvertretende Kreishandwerksmeister, der in seinem Betrieb bereits Austausche mit der Handwerkerverbundgruppe „Meisterteam“ in Hamburg praktiziert.
Vorschläge beraten
Auch die Schreinerei Rönnefahrth hat bereits positive Erfahrungen mit dem „Auslandseinsatz“ ihrer Lehrlinge gemacht, die unter anderem bereits bei Unternehmen in London oder Wien gearbeitet haben. Für den Verlust von Arbeitszeit im eigenen Betrieb schlägt Maik Rönnefarth - auch hinsichtlich des Projekts im Kreis Ahrweiler - vor, diese durch Entfall von Berufsschulstunden im Projektzeitraum zu kompensieren, um den Anreiz für die Unternehmen zu erhöhen. Solche Vorschläge und die Erfahrungen aus dem Projekt möchten er und Thomas Nelles auf der nächsten Innungsversammlung vorstellen und mit den anderen Mitgliedern besprechen. So können sich beide als feste Institution eine Lehrlingsbörse auf der Internetseite der Handwerkerschaft vorstellen, mit deren Hilfe Azubis auf Zeit zwischen den Betrieben getauscht werden können.
Das Schlusswort gehört den Initiatoren des neuen Austauschprojekts im Kreis Ahrweiler: „Jeder einzelne Betrieb musste neidlos anerkennen, dass nicht ausschließlich die eigene Nachwuchskraft ein lieb gewonnenes Teammitglied mit unglaublichem handwerklichem und kreativem Potenzial ist, sondern dass da draußen eine wahre Talentschmiede existiert. Der Mut und die Offenheit, neue Wege im Bereich der Ausbildung zu gehen, war nur der Anfang. Wir sehen das Projekt als durch und durch gelungen an und sind uns sicher, dass das nicht unser letzter Austausch war. Im Gegenteil, die neu gewonnene Offenheit wird weiter praktiziert, und bestimmt werden wir künftig noch weitere innovative und zeitgemäße Projekte entwickelt und starten. Und eins ist klar - bei ,unserem‘ Handwerksnachwuchs und unseren vielfältigen Ausbildungsbetrieben sowie der Offenheit in der Gestaltung der Lehrzeit braucht sich das Handwerk um seine Zukunft keine Sorge machen.“
Durch den Einblick in verschiedene Bereiche und Arbeitstechniken der anderen Firmen erweiterten die beteiligten Lehrlinge ihre Vorstellung vom Schreinerhandwerk.
