Allgemeine Berichte | 02.03.2015

Nachruf

Marien-Kapelle in Pützfeld und Rudolf Michael Thomi gehörten zusammen

Rudolf Michael Thomi und seine geliebte Marien-Wallfahrtskapelle Pützfeld gehörten untrennbar zusammen.UM

Pützfeld. Am Donnerstag, 26. Februar, verstarb Rudolf Michael Thomi im Alter von 85 Jahren. Am 12. Oktober 1929 erblickte Thomi in Pützfeld das Licht der Welt, wo er nach einem erfüllten und vom Ehrenamt geprägten Leben verstarb. Aufgewachsen in Pützfeld, wo der Vater dem Beruf des Schreiners nachging, besuchte Thomi die Schule in Brück und begann danach eine Lehre zum Bürokaufmann.

Von 1947 bis zum Jahre 1956 war er in der damaligen Amtsverwaltung Altenahr tätig und wechselte dann für drei Jahre zum Verteidigungsministerium nach Bonn. Danach blieb er der Bundeswehrverwaltung treu und versah seinen Dienst von 1959 bis 1970 als Personalsachbearbeiter bei der Standortverwaltung in Bad Neuenahr. Danach erfolgte nochmals ein Wechsel zur Dienststelle Marienthal. Als Leiter des Innendienstes - und im Status eines Beamten. 1992 ging Thomi als Regierungsamtsrat in Pension.

Da er in seiner beruflichen Laufbahn stets in verantwortungsvollen Positionen für die jeweiligen Mitarbeiter stand, fiel die Entscheidung für Thomi nicht schwer, sich auch in seiner Heimatgemeinde für die Gemeinde und die dort lebenden Menschen zu engagieren. Die Weichen hierzu stellte Thomi bereits sehr früh: Er trat 1949 in die CDU ein, der er über 60 Jahre hinweg die Treue hielt. Die kommunalpolitische Karriere begann 1964, als Thomi in die damalige Amtsvertretung Altenahr (heute Verbandsgemeinderat) und gleichzeitig auch zum Mitglied in den Gemeinderat von Pützfeld gewählt wurde.

Die Gebietsreform schloss allerdings 1969 die Ortsteile Brück, Ahrbrück und Pützfeld zur Ortsgemeinde Ahrbrück zusammen, wo Thomi zum ersten Ortsbürgermeister dieser neuen Gemeinde gewählt wurde. Im gleichen Jahr gründete Thomi den CDU-Ortsverband Ahrbrück und wurde für 20 Jahre ihr Vorsitzender, genauso lange hatte er auch das wichtige Amt des Ortsbürgermeisters inne, ehe er 1989 ausschied.

Ebenso lange vertrat er als Jagdvorsteher der Jagdreviere Ahrbrück, Brück und Pützfeld die Interessen der Jagdgenossen. Ab 1970 saß Thomi auch für einige Jahre als Beisitzer im Kreisrechtsausschuss. In den 20 Jahren seiner Amtszeit als Ortsbürgermeister wurde in der neuen Gemeinde Ahrbrück viel bewegt, was heute noch seine Handschrift trägt. Den Bahnhof in Brück konnte Thomi in seiner Amtszeit für die Gemeinde ankaufen. Auch die Tatsache, dass es heute noch einen Arzt in der Gemeinde Ahrbrück gibt, war eine Initiative von Thomi. Dass auch der Pfarrer des Seelsorgebereichs Ahrbrück seinen Sitz in Ahrbrück gefunden hat, geht ebenso auf die Verhandlungsgeschicke des damaligen Ortsbürgermeisters Thomi zurück.

Bereits im Jahr 1948 entdeckte Thomi wohl seine musikalische Ader, als er in der ehemaligen Notkirche in Ahrbrück seine ersten Gehversuche auf dem Harmonium machte. Im Selbststudium fing so seine Laufbahn als Organist und Chorleiter an, so dass auch der Gemischte Chor Liederkranz Ahrbrück von Thomi wieder gegründet wurde, wobei er selbst den Taktstock in die Hand nahm. Seine eigene Stimme war als Zweiter Tenor im Landeschorverband Rheinland Pfalz unter dem damaligen Chorleiter Rudolf Desch zu hören. Der Gemischte Chor Ahrbrück hat Thomi den Titel des Ehrenvorstandsmitglieds verliehen.

Aber auch dem Wassersport hatte sich Thomi verschrieben. Da gehörte er der DLRG Adenau bis zu dessen Auflösung an. Seine ganz große Liebe gehörte allerdings der Pützfelder Marien-Wallfahrtskapelle, wo er, so lange es die Gesundheit zuließ, mehrmals in der Woche den steilen Weg ging, um seiner Pflicht als Kapellenverwalter nachzukommen. Bereits von 1955 bis ins Jahr 1966 hat Thomi die erste große Restaurierung in der Wallfahrtskapelle bestritten und geleitet. Es gibt kaum etwas, was nicht mit seinem Namen in Verbindung zu bringen wäre, wenn es darum geht, die Geschichte der Pützfelder Marien-Kapelle nachzuerzählen. Seien es die vielfältigsten Konzerte bis zum traditionellen Konzert des Mainzer Kammerorchesters oder auch die Orgelkonzerte, wobei auch die Anschaffung der Mayer-Orgel und auch der Glocken die Handschrift von Thomi trägt.

Es sind in all den Jahren unzählige Ereignisse, die zur Marien-Wallfahrtskapelle Pützfeld gehören, so die 300-Jahr-Feier der Weihe des Hochaltars, die herbstlichen Wallfahrtseröffnungen und viele Pontifikalämter. Immer wieder war es Thomi, der im Hintergrund alles regelte. Zu seinem letzten großen Werk gehört wohl die „schreitende Madonna“, geschaffen vom Kreuzberger Künstler Rudolf Schneider, die vom Portal die Pilger auf dem Weg in die Wallfahrtskapelle grüßt.

Bei den wöchentlichen Pilgermessen, jeweils dienstags, war Thomi, so lange es ging, als Organist an der Orgel zu hören. Wer so viele Verdienste in der Kommunalpolitik, dem kirchlichen Leben und der Chormusik hat, dem gehören auch Ehrungen. Auch davon konnte Thomi, von der Verdienstnadel des Landes Rheinland Pfalz bis hin zum Bundesverdienstkreuz, einiges aufweisen - allerdings ganz in der Bescheidenheit, wie ihn alle kannten. All das war aber nur zu schaffen mit dem Rückhalt und der Unterstützung in der Familie, die nun um den Ehemann, Vater, Großvater und Urgroßvater trauert.

Rudolf Michael Thomi und seine geliebte Marien-Wallfahrtskapelle Pützfeld gehörten untrennbar zusammen.Foto: UM

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