Bad Neuenahr-Ahrweiler hat gewählt
Mechthild Heil gewinnt in der Kreisstadt
CDU-Kandidatin verzeichnet große Stimmenzuwächse - Auch Andrea Nahles (SPD) legt leicht zu
Kreisstadt. Deutschland hat gewählt - und lässt Raum für so manche politische Überraschung: Die CDU schrammt nur knapp an einer historischen absoluten Mehrheit vorbei, Angela Merkels einstiger Koalitionspartner - die FDP - scheitert an der Fünf-Prozent-Hürde und verpasst damit den Wiedereinzug in den Bundestag, aber eine euroskeptische Alternative für Deutschland (AfD) setzt mit aus dem Stand 4,7 Prozent Ausrufezeichen. Ergebnisse, die sich auch im Wahlkreis 199 (Ahrweiler/Altkreis Mayen) widerspiegeln, und speziell in der Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Eine Politikerin hatte am Sonntagabend besonderen Grund zum Feiern: Mechthild Heil (CDU). Bei den Erststimmen wie auch bei den Zweitstimmen katapultierte sie sich und ihre Partei in vor der Wahl ungeahnte Höhen. Souverän hat die Andernacherin das Direktmandat gewonnen und wird nun vier weitere Jahre die Menschen an Rhein und Ahr im Deutschen Bundestag in Berlin vertreten. Damit toppt sie mit einer Zustimmung von 55,5 Prozent bei den Erststimmen sogar das Ergebnis ihres Vorgängers Wilhelm-Josef Sebastian aus Dernau, der 2005 mit 49,6 Prozent der Stimmen die Reise in den Berliner Bundestag antreten konnte. Ihre Konkurrentin Andrea Nahles (SPD) zieht ebenfalls in den Bundestag ein - als Spitzenkandidatin ihrer Partei über die Landesliste. Möglicherweise wird sie im Fall einer großen Koalition sogar ein Ministeramt bekleiden. Blick aktuell fasst die Ergebnisse in der Kreisstadt zusammen.
Wahlbeteiligung höher als 2009
Zuerst die gute Nachricht: Mit einer Wahlbeteiligung von 76 Prozent übertrifft die Kreisstadt sogar den Bundesschnitt von rund 73 Prozent. 21.973 Bürger waren aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Im Vergleich zur letzten Bundestagswahl legte die Wahlbeteiligung um mehr als ein Prozent zu, während bei der letzten Landtagswahl 2011 gerade einmal 61,9 Prozent aller Stimmberechtigten in Bad Neuenahr-Ahrweiler ihr Votum über die Zusammensetzung eines neuen Landesparlaments abgegeben hatten und an die Urne gingen.
CDU - die neue und alte Nummer eins
In der Kreisstadt hatte Mechthild Heil mit 57,8 Prozent ein besonders gutes Erststimmenergebnis. Ihr Zugewinn bestand aus fast zwölf Prozentpunkten. Bei der Bundestagswahl 2009 sprachen ihr weniger Wähler das Vertrauen aus - damals zog sie mit 46 Prozent ins nationale Parlament ein. Die CDU erhielt in Bad Neuenahr-Ahrweiler 50,1 Prozent der Zweitstimmen. Mechthild Heil zum Wahlsieg: „Ich bin erstaunt über die Anzahl der Erststimmen für mich - das ist wirklich viel“, meinte sie in einer ersten Reaktion. Was für ein Erfolg, das war der Tag von Mechthild Heil. Sie konnte nicht nur das Direktmandat verteidigen, sondern ihren Vorsprung auf Andrea Nahles sogar noch ausbauen. Damit hatte sie offenkundig nicht gerechnet. Ihren Erfolg führt sie darauf zurück, dass es gelang, die CDU-Anhänger im Wahlkampf zu mobilisieren.
FDP - nach dem Absturz droht die Bedeutungslosigkeit
Eine wirkliche Katastrophe hat indes die FDP nicht nur bundesweit, sondern vor allem auch im Wahlkreis 199 zu verdauen. Bei den Erststimmen erlebte Kandidat Michael Salzmann ein Debakel, bei den Zweitstimmen rutschten die Liberalen um rund 13 Prozentpunkte in die Tiefe. Dabei war die FDP stets sehr stark - vor allem in Bad Neuenahr-Ahrweiler: 18,2 Prozent erlangte die Partei noch bei der letzten Bundestagswahl, sogar 21,4 Prozent aller Stimmberechtigten gaben da noch ihre Zweitstimme dem liberalen Lager. Dieses Jahr ein desaströses Bild: Um satte 14,6 Prozent krachten die Zweitstimmenwerte der FDP nach unten (6,8 Prozent). Den Einzug in den Bundestag hätte sie in der Kreisstadt jedoch geschafft. Ähnlich schlecht die FDP-Erststimmenergebnisse in der Kreisstadt: Gerade einmal drei Prozent der Wähler gaben FDP-Direktkandidat Michael Salzmann ihre Stimme. Er ist in die Bedeutungslosigkeit abgetaucht. Seine nüchterne Reaktion am Wahlabend: „Immerhin mehr als im Bund.“ Salzmann sieht in diesem Ergebnis die Quittung für die Fehler, die die FDP in der Regierungsverantwortung gemacht hat. Und FDP-Kreisvorsitzender Ulrich van Bebber zum Ergebnis: „Es ist kein tolles Ergebnis, aber immerhin besser als das auf Bundesebene. Dass wir nicht mehr im Bundestag sind, ist sehr bitter.“ Fazit: Was die FDP verlor, gewannen Mechthild Heil und zum Teil auch Andrea Nahles hinzu.
SPD - Andrea Nahles braucht die Landesliste
In Berlin wird es für Mechthild Heil in ihrer zweiten Legislaturperiode ein Wiedersehen mit Andrea Nahles von der SPD geben, die als Nummer eins der rheinland-pfälzischen Landesliste erneut Sitz und Stimme im deutschen Parlament an der Spree hat. Bei den Erststimmen hat die Sozialdemokratin aus Weiler in Bad Neuenahr-Ahrweiler zwar rund 24,5 Prozent erhalten, aber dennoch mit großem Abstand nur Platz zwei hinter Mechthild Heil belegt. Bei den Zweitstimmen gab es ein Plus von 4,1 Prozent zu vermelden: In der Kreisstadt kommt die SPD auf insgesamt 21,6 Prozent.
Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke - schwache Ergebnisse
Keinen Grund zum Feiern gab es in der Kreisstadt auch für Bündnis 90/Die Grünen und die Partei Die Linke. Mit 6,8 Prozent (Grüne) und 4,6 Prozent (Linke) gaben beide Parteien mehr als 2 Prozent ihrer Zweitstimmen im Vergleich zur letzten Wahl wieder ab. Klaus Meurer, Direktkandidat der Grünen: „Bundesweit hat sich das Ergebnis abgezeichnet. Wir hatten die Hoffnung, dass es sich noch dreht. Das war leider nicht der Fall.“ Zumindest die Linke Marion Morassi macht aus ihrer Enttäuschung keinen Hehl. „Ärgerlich ist vor allem, dass wir im Kreis Ahrweiler weniger Zweitstimmen als die marktradikale FDP bekommen haben.“
AfD - Euroskeptiker auch in der Kreisstadt gefragt
Ginge es nach den Wählern in der verbandsfreien Gemeinde Bad Neuenahr-Ahrweiler, hätte die Alternative für Deutschland (AfD) den Einzug ins Berliner Parlament geschafft. 6,2 Prozent der Bürger stimmten mit ihrem zweiten Kreuz für die neue Partei der Euro-Gegner.
Piraten - am Rande der Bedeutungslosigkeit
Die Piraten kentern in der Kreisstadt: Im vergangenen Jahr noch als sicherer Kandidat für den Bundestag gehandelt, enttäuschten die Piraten ebenso wie im Bund. Gerade einmal 1,8 Prozent der Bürger an der Ahr gaben der Piratenpartei ihre Stimme - nur ein halbes Prozent mehr als noch bei der Bundestagswahl 2009. Wie schnitt Direktkandidat Dr. Gernot Reipen ab? Mit 2,7 Prozent der Erststimmen spielt auch er keine große Rolle, bleibt aber kämpferisch: „Wir können mehr schaffen. Wir haben im Bund den großen Fehler gemacht, auf Netzpolitik gesetzt zu haben. Wir müssen nun die direkte Demokratie mehr in den Vordergrund rücken.“
Abschließend bleibt der Blick auf die einzelnen Wahlbezirke in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Erfolgreich ist die CDU hier wie da - doch es gibt Überraschungen: Ein sehr starkes Erststimmen-Ergebnis erhielt Mechthild Heil in Kirchdaun. 61,5 Prozent gingen für die CDU-Kandidatin an die Urne. Ohnehin lässt sich kein Bezirk feststellen, in dem die CDU nicht klare Gewinne im Vergleich zur letzten Wahl verzeichnen konnte. Die FDP hätte im kleinen Ort Kirchdaun den Einzug ins Parlament problemlos geschafft: 10,7 Prozent wählten am Ende liberal. In Gimmigen und Bachem hätte sich die FDP ebenfalls keine Sorgen machen müssen. In Lohrsdorf ist man derzeit nicht besonders gut auf die Politik zu sprechen. Ob sich der eine oder andere Wähler von den Entscheidungen der rot-grünen Landesregierung in Bezug auf die Ortsumgehung beeinflussen ließ, ist nicht zu belegen. Fest steht jedoch: Die Direktkandidatin der Linken, Marion Morassi, fuhr in dem lärmgeplagten Ort ein beachtliches Erststimmenergebnis ein - 11 Prozent der Wähler machten das Kreuz für sie; ihrer Partei gaben 7,9 Prozent der Stimmberechtigten ihr Votum. Schon bei der Bundestagswahl 2009 gaben viele Einwohner Lohrsdorfs der Linken ihre Stimme (13,6 Prozent der Zweitstimmen). Der Absturz der FDP zieht sich hingegen durch alle Wahlbezirke. Verluste von über 20 Prozent bei den Erststimmen müssen den Verantwortlichen, und vor allem Direktkandidat Michael Salzmann, zu Denken geben. Bei den Zweitstimmen sieht es unwesentlich besser aus: Zwar wäre die FDP in allen Ortsteilen in den Bundestag eingezogen, doch die Verluste von bis zu fünf Prozent sind immer noch erheblich. Gewinne bei Erst- und Zweitstimme auch bei der SPD - und das durch die Reihe hinweg. In Ramersbach konnte sie bei der Erststimme den größten Erfolg mit knapp über 30 Prozent feiern. Die AfD profitierte bis auf Gimmigen und Kirchdaun vom aktuellen Hype: In jedem anderen Bezirk lag sie über fünf Prozent.
