Allgemeine Berichte | 29.04.2013

Typisierungsaktion in Ringen war ein voller Erfolg

Mehr als 500 Menschen möchten möglicherweise zum Lebensretter werden

Über 100 Helfer waren rund um das Bürgerhaus im Einsatz - Geldspenden werden weiterhin angenommen

Bei der Endkontrolle wurde jedes Röhrchen mit Spenderblut noch einmal genau kontrolliert. VJ

Ringen. Mit so einem Ansturm hatten selbst die kühnsten Optimisten nicht gerechnet: Die Organisatoren der Typisierungsaktion für künftige Stammzellenspender wurden schon zu Beginn der Veranstaltung förmlich überrannt, die Schlange der Menschen, die sich als Stammzellenspender in der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren lassen wollten, reichte vom Bürgerhaus bis auf den Parkplatz. Unter dem Motto „Helft zu helfen“ konnte dort jeder zum potenziellen Lebensretter werden - und über 500 Menschen nutzen diese Gelegenheit.

„In den ersten 50 Minuten hatten wir schon genau 100 Spender zur Ader gelassen“, freute sich Schirmherr Bürgermeister Achim Juchem über den unerwarteten Erfolg der Hilfsaktion, die von der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Grafschaft in Zusammenarbeit mit der Volksbank Rhein-Ahr-Eifel und der DKMS vorbereitet worden war. Die ursprünglich eingerichteten sieben Blutabnahmestellen hätten bei Weitem nicht ausgereicht, so habe man blitzschnell improvisiert und vier weitere Plätze eingerichtet. Ein vielköpfiges Ärzte- und Krankenschwestern-Team nahm stundenlang ununterbrochen in elf abgetrennten Kabinen den Spendern jeweils ein „Schnapsglas“ Blut für die Typisierung ab.

Genaue Kontrolle war wichtig

Wie viele andere auch durchlief auch Kai Orth aus Lantershofen die Prozedur, die mit der Datenerfassung begann, wo mehr als ein Dutzend Helfer die persönlichen Daten der Spendenwilligen aufnahmen und in ein spezielles Formular übertrugen, das die Spendenwilligen anschließend zusammen mit ihren jeweiligen Probenröhrchen mit sich führten. Schließlich müsse man ja die Blutröhrchen ganz sicher dem jeweiligen Spender zuordnen können, so Nicola Wenderoth von der DKMS. Bei der Zwischenkontrolle wurde dies noch einmal überprüft, bevor es „zur Sache“ ging. Das war allerdings nur eine Angelegenheit von einer Minute: Ein kleiner Pikser ließ ein paar Milliliter Blut ins Röhrchen fließen, Pflaster drauf - fertig. Damit ging es dann zur Endkontrolle, wo noch einmal alles auf seine Richtigkeit überprüft wurde.

„Genau wie bei einer ganz normalen Blutabnahme beim Hausarzt“, wusste Dr. Inge Manheller, die sich ebenso wie ihre beiden Kollegen Dr. Thomas Kemkes und Dr. Ulrich Michels aus der Ringener Gemeinschaftspraxis für den guten Zweck zur Verfügung stellte und dazu noch praktisch das gesamte Praxisteam mitbrachte. Insgesamt waren mehr als 100 Unterstützer im Einsatz, freute sich Schirmherr Achim Juchem auch darüber, dass viele der Spender sich spontan angeboten hätten, als Helfer mitzuwirken. Onkologe Dr. Alex Nacke mit seinem Praxisteam und auch das Deutsche Rote Kreuz kümmern sich ebenfalls um den medizinischen Teil, doch das Gros des Organisationsteams wurde von der Freiwilligen Feuerwehr Grafschaft und Mitarbeitern der Volksbank gestellt, die so ihrem Kollegen Stefan helfen wollten.

Schließlich kann es jeden treffen

„So einen kleinen Piks kann man ruhig in Kauf nehmen, um seinem Kollegen möglicherweise das Leben zu retten“, sah etwa Volksbank-Mitarbeiterin Andrea Kurthmüller aus Löhndorf es als selbstverständlich an, dabei mitzumachen. Krankenschwester Andrea Martino (Bonn) hatte über die lokale Presse und über Facebook von der Aktion erfahren und nutzte die Gelegenheit, über ihren Beruf hinaus auch in ihrer Freizeit anderen Menschen zu helfen. Sie brachte auch einige Freunde mit, damit möglichst viele potenzielle Spender getestet werden können. „Schließlich kann es jeden treffen“, meinte auch Thomas Gerharz (Gelsdorf) und sah es fast schon als Pflicht an, sich registrieren zu lassen, wenn man sich für seine Mitmenschen und für das Zusammenleben in einer Gemeinde interessiere. Stefan leidet an einem Myelodysplastischen Syndrom (MDS), einer schweren Erkrankung des blutbildenden Systems. Vor 30 Jahren noch hätte die Diagnose MDS das Todesurteil für Stefan bedeutet, doch heutzutage kann er hoffen, dass eine Knochenmarkspende ihm die Chance auf ein zweites Leben gibt. Damit diese Hoffnung Wirklichkeit werden und Stefan tatsächlich ein zweites Leben bekommen kann, organisierten seine Feuerwehrkameraden, allen voran seine Freunde Johannes Jung und Christian Fuchs von der Löschgruppe Eckerndorf, gestern die Typisierungsaktion im Ringener Bürgerhaus. Dabei kreuzten ganze Löschgruppen, Fußballmannschaften und Junggesellenvereine auf, um als Team zum Gelingen der Aktion beizutragen.

Allerdings kostet jede einzelne Typisierung 50 Euro, die von der DKMS getragen werden müssen. Geldspenden waren daher ebenfalls sehr willkommen und wurden auch in großem Umfang getätigt. Mittlerweile seien bereits mehr als 15.000 Euro an Spenden für die Typisierungsaktion in Ringen eingegangen, hieß es gestern. Wer im Nachhinein noch spenden möchte, kann dies tun auf das DKMS Spendenkonto 498 733 200 bei der Volksbank Bad Neuenahr-Ahrweiler, BLZ 577 615 91.

Weitere Informationen über die Aktion gibt es im Internet unter www.helft-zu-helfen.de.

Dr. Inge Manheller aus Ringen nahm bei der Typisierungsaktion im Ringener Bürgerhaus gemeinsam mit ihren Kollegen über 500 Menschen Blut ab, um es zu typisieren. Darunter war auch Kai Orth aus Lantershofen.

Dr. Inge Manheller aus Ringen nahm bei der Typisierungsaktion im Ringener Bürgerhaus gemeinsam mit ihren Kollegen über 500 Menschen Blut ab, um es zu typisieren. Darunter war auch Kai Orth aus Lantershofen.

Auch Geldspenden gingen in großer Zahl ein bei der Typisierungsaktion gegen Blutkrebs im Ringener Bürgerhaus.

Auch Geldspenden gingen in großer Zahl ein bei der Typisierungsaktion gegen Blutkrebs im Ringener Bürgerhaus.

Bei der Endkontrolle wurde jedes Röhrchen mit Spenderblut noch einmal genau kontrolliert. Fotos: VJ

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