Bad Neuenahrerin macht in ihren Gedichten Mut
Mit ganz viel Gefühl
Illa Manzius gibt Hoffnung, klagt an, zeigt die Schönheiten der Natur
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Es sprudelt nur so aus ihr heraus. Illa Manzius ist kaum zu bremsen, wenn sie vom Leben spricht, von schweren Zeiten, aber auch von schönen Momenten. Von dem Erleben der Natur, von Freunden, von dem Vogel in ihrem Garten, mit dem sie spricht, von „ihrer Muse“ Semino Rossi, von Königsberg und der Flucht ihrer Familie aus dem Osten, von vielen Begegnungen und Erlebnissen. „Jeder Tag ist wertvoll“, hat die Seniorin aus Bad Neuenahr für sich herausgefunden. Und diese Erkenntnis gibt sie ihren Lesern weiter.
Bereits das dritte Buch mit Gedichten ist von der Autorin im „August von Goethe Literaturverlag“ herausgekommen. Sie verdient damit keine Reichtümer, doch sie hofft, viele Menschen damit zu erreichen: „Ich habe viel zu sagen, will anderen Mut machen, sie in schwierigen Situationen mit meinen Gedichten an die Hand nehmen, will auf der einen Seite auch kritisch auf Politik reagieren, in erster Linie aber die Schönheiten dieses Lebens, dieser Welt ansprechen, will meine Gefühle weitergeben.“ Das ist in jedem Gedicht zu spüren. Nun hofft die Autorin, auch in ihrer Heimat zu Lesungen eingeladen zu werden und hier ihre Bücher vorstellen zu können.
Bei der Frankfurter Buchmesse war sie schon einige Male, doch diese anonyme Großveranstaltung ist nicht so sehr ihre Sache. Eine intime Lesung in einer Bibliothek, in einem Seniorenheim, das strebt sie an. Gerade den Älteren hat sie viel zu sagen, beschäftigt sich mit Alter und Tod. Doch bei allem sieht sie Hoffnung, ruft zum Durchhalten auf, verweist auf die Schönheiten der Rose, ist geradezu verliebt in die Natur. Umso mehr schmerzt sie, wie die Menschheit mit der Umwelt umgeht: „Hilferuf der Eisberge: Wir tauen ab“ ist nur ein Beispiel, Illa Manzius geht mit der Gastronomie ins Gericht, die zu viele Fette verarbeitet und die Menschen krankmacht, sie spricht über die ungerechten Nullrunden bei den Renten.
„Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“, diese Beurteilung von Johann Wolfgang von Goethe trifft auf die Autorin hundertprozentig zu. Sie kann tieftraurig und verzweifelt sein, und im nächsten Moment ist sie euphorisch und aufgekratzt. Ihre Lebenserfahrung könnte das nächste Buch füllen, sie ist geprägt von unverschuldeten Wanderungen kreuz und quer durch Holland und Deutschland, an einigen Stationen wirkte sie auch im sozialen Bereich. Sie war Verkäuferin, auf der Haushaltsschule, Jugend und Kindheit vermisst sie noch heute. „Ich musste gleich erwachsen werden“, sagt sie, durch viele Umzüge war sie zu einigen Neuanfängen gezwungen, auch privat durchlebte sie ein hartes Auf und Ab. Immer fand sie Trost und Hoffnung bei Freunden, in der Natur. Und eben durch das Malen und Schreiben. Den Sänger Semino Rossi bezeichnet sie als „meine Muse“, durch eine Begegnung mit ihm fand sie zum Schreiben und Malen. Inzwischen greift sie nur noch sehr selten zum Pinsel, auf ihrem Schreibtisch türmen sich aber neue Manuskripte für Gedichte, teils schon fast fertig, viele lediglich als Idee festgehalten.
„Im Herzen bin ich ein Rebell“, sagt Illa Manzius von sich selbst. Doch da liegt die Betonung auf „im Herzen“. Denn nach außen ist sie eher ruhig und angepasst. Die fröhliche, aber auch bescheidene und zurückhaltende Seniorin lebt in Einklang mit ihrer Umwelt, beobachtet die Vögel, liebt Blumen, hat einen netten Freundeskreis, ist aber dennoch viel allein. Da hilft ihr das Schreiben, ist das Theaterspiel bei den „Spickern“ eine willkommene Abwechslung und Aufgabe, sie arbeitet voller Elan in ihrem Garten. Drei Lyrikbände sind nun auf ihrer Schreibmaschine und ihrem Computer entstanden. In Prosa und Lyrik, als kleine Geschichten oder Fabeln erzählt sie ihr Leben, ruft zum Optimismus auf, zu Freundschaft und Liebe, zum Frieden in der Welt. Wer niedergeschlagen ist, findet in den Reimen Hoffnung und Durchhalten, entdeckt Harmonie und Verständnis, träumt mit Illa Manzius von der perfekten Welt. Die es zwar nie geben wird, aber träumen kann man ja.
