„MusAcrylics“ erobern die Stadtbibliothek
Die Bilder von Manfred Pusch gründen auf Farbharmonien und musikalische Inspiration
Bad Neuenahr. Die Besucher der Stadtbibliothek können Kultur im Doppelpack tanken, sich in Bücher vertiefen und Bilder betrachten. Dazu bietet die neue Ausstellung einmal mehr Gelegenheit. Allerdings sind die Darstellungen keineswegs selbsterklärend. Daran rütteln auch poetische Titel wie „Phrygische Tonskala“ oder „Abhängigkeiten starrer Schwingung“ nicht.
Farbharmonie mit Musik
Noch mehr als die Bezeichnungen verwundern die Bilder selbst: Bleiche Riesenknorpel im rot-grünen Farb-Bett, Menschen und Monolith zwischen hellgrauem Gewässer und Land, ein Gletscher mit grüner Kuppe und eine Windhose über roter Woge: Mit etwas Fantasie kann der Betrachter vielerlei sehen, spürt aber dennoch, dass etwas ganz anderes gemeint ist. Was Manfred Pusch, neues Mitglied der Are-Gilde, in der Stadtbibliothek zeigt, ist keine Abbildung der sichtbaren Realität. „MusAcrylics“ nennt der 1938 im Ruhrgebiet geborene und in Wachtberg lebende Maler seine Arbeiten. Damit meint er „Musik-Assoziationen in farbharmonischen Quadraten“. Denn wenn er mit Acrylfarbe sein Lieblingsbildformat von 80 mal 80 Zentimetern gestaltet, verfolgt er zwei Ziele, wie er beim Treffen mit der Gilde-Vorsitzenden Eva-Maria Kreuter und Bibliotheksleiterin Elisabeth Feuser-Schwickert ausführte.
Farbharmonien
Er will Farbharmonien erzeugen und lässt sich gleichzeitig von musikalischen Eindrücken inspirieren, die geografisch von Europa über den Orient und Fernost bis Südamerika reichen und zeitlich vom Mittelalter bis zum Jazz. Der weite Horizont geht auf Puschs Berufstätigkeit zurück. Bis 2003 war er Betreuer natur- und kulturwissenschaftlicher Projekte der Bundesregierung in Europa, Orient, Ostasien und Übersee (bis 2003). Außerdem spielt er als aktiver Renaissancemusikant den Dulzian (Holzblasinstrument).
Landschaft, Zeichen und malerische Gesten
Höchst unterschiedlich geraten die malerisch hergestellten Verbindungen von farblichem Eigenleben, Musik und ihren Orten. Staunen lässt sich beispielsweise über „Ghazal auf Zuleikas Nase“, ein raumgreifendes grünes Riechorgan, das eine kleine rötliche Stelle aufweist. Sie verkörpert offensichtlich das Ghasal, eine melancholisch sehnsuchtsvolle Liedform, verbreitet im Iran, Afghanistan, Pakistan und Indien.
Festgelegte Melodie
Im Bild „Cantus firmus firmus“, Begriff für eine festgelegte Melodie, die von den anderen Stimmen umspielt wird, schwebt dagegen ein helles Oval, umrahmt von einer Art düsterem Gebirge. „Fado Castelejo“, benannt nach dem portugiesischem Musikstil und der Westküste des Landes, beschwört eine Meeresimpression mit halbierter Sonne und baufälliger Architektur herauf. Und „Hinter den Schreinen des Schweigens“ treiben im gelbgetönten Szenario mit japanischem rotem Tor drei merkwürdige Wesen umher. Anklänge an Landschaft scheinen häufig auf in den „MusAcrylics“, so auch im frühlingshaft wirkenden „Mittagsraga“. Doch werden sie von Zeichen, Symbolen und rein malerischen Gesten durchbrochen. Unmöglich, alle Rätsel zu lösen. Trotzdem lohnt es, den Hinweisen zu folgen und/oder Puschs Bilder einfach als Kompositionen zwischen gegenständlich und abstrakt auf sich wirken zu lassen. Den Bildern begegnet der Besucher im Treppenhaus, im Leseraum auf der ersten Etage und im Leseraum des Erdgeschosses. Dort sind hinter Glas auch Keramikarbeiten zu entdecken, darunter Figuren, die Manfred Pusch modelliert und glasiert hat. Bei den ebenfalls von ihm bemalten Kugeln aber handelt es sich um Gemeinschaftsarbeiten, denn Puschs Ehefrau Christa, mit der er vor 15 Jahren zu töpfern begonnen hat, gab ihnen die Form.
Bis 30. April
Die Ausstellung „MusAcrylics“ ist bis 30. April geöffnet: montags bis freitags, 15 bis 19 Uhr, dienstags und donnerstags auch von 10 bis 12 Uhr.
Erstaunlich, wie viele andere Bilder ist „Ghazal auf Zuleikas Nase“.
