90 Jahre Spielmannszug Ahrweiler
Musikalisches Fest zum Jubiläum
Aktive und Ehemalige feierten mit befreundeten Vereinen - drei neue Ehrenmitglieder
Ahrweiler. Die Jubiläumsdichte unter den Ahrweiler Traditionsvereinen ist im Moment hoch. Nach der AKG Ahrweiler Karnevals-Gesellschaft (150 Jahre) und der Aloisius-Jugend (200 Jahre) folgte nun der Spielmannszug Ahrweiler mit dem 90. Jubelfest. Zu beiden genannten Gesellschaften ist die Verbindung übrigens eng: Erstere unterstützt der Spielmannszug bei Veranstaltungen musikalisch, aus Letzterer rekrutiert er immer wieder neue Mitglieder.
Die Festlichkeiten zum 90-jährigen Bestehen starteten am Samstagnachmittag mit einer lockeren Zusammenkunft im Festzelt auf einem Privatparkplatz nahe des Niedertors, zu der sich rund 100 Gäste einfanden. Nicht ohne Grund war dieser Ort gewählt worden: Denn hier an der Wilhelmstraße stand früher das Café Bell, das viele Jahre lang das Vereinslokal des Spielmannszugs war. „Unser Dank gilt Winfried Ley und Werner Kelter, die als Hausherren uns die Möglichkeit gegeben haben, hier zu feiern“, bedankte sich Vorsitzender Markus Sebastian. „Diesen Ort zu wählen, kam auch bei vielen Ehemaligen sehr gut an.“
Neben gemütlichen Beisammensein, Klönen und die Erinnerung an vergangene Zeiten im Spielmannszug stand auch eine offizielle Ehrung auf dem Programm. Denn mit Irmgard und Manfred Friedrich sowie Burkhard Hoffmann wurden drei neue Ehrenmitglieder ernannt. Letzterer gehört dem Verein seit bereits 44 Jahren an und hat diverse Vorstandsposten bekleidet, darunter das Amt des Tambourmajors und gleichzeitig 2. Vorsitzenden. Das Ehepaar Irmgard und Manfred Friedrich hat sich im Spielmannszug sogar kennen gelernt. Während Manfred Friedrich zum 60. Jubiläum 1983 eintrat und über viele Jahre als 1. Vorsitzender sowie Kassierer wirkte, ist seine Frau bereits seit 1982 dabei und war als Schriftführerin ebenfalls langjähriges Vorstandsmitglied. Mit den drei jetzt Ernannten und Josef Heinen hat der Spielmannszug nunmehr vier Ehrenmitglieder.
Hochamt und Festzug
Wurde am Samstagabend noch bis in die späte Nacht gefeiert, ging das Jubiläumsfest bereits am Sonntagvormittag um 11 Uhr mit dem Festhochamt in der St. Laurentiuskirche weiter. Zelebriert wurde diese von Pastor Jörg Meyrer, unterstützt bei Vorbereitung, Lesung und Fürbitten von Mitgliedern des Spielmannszugs. Organist Klaus-Dieter Holzberger sorgte mit zünftigen Marschrhythmen auf der Orgel bei Ein- und Ausmarsch für einen ungewöhnlichen, aber dem Anlass entsprechend natürlich absolut passenden musikalischen Rahmen. Es folgte der Trauermarsch zum Ahrtor, wo am Ehrenmal ein Kranz niedergelegt wurde. Daran schloss sich der Festzug an von Spielmannszug, den Vertretern der drei Schützengesellschaften der Stadt mit ihren Majestäten an der Spitze sowie weiteren Ehrengästen wie Stadtbeigeordnetem Rudi Frick, Ortsvorsteher Horst Gies, Burgundia Carolin Groß und Bacchus Rudolf Wolber. Mit von der Partie waren auch die Abordnungen von drei Karnevalsgesellschaften der Stadt, AKG, KG „Bunte Kuh“ Walporzheim und KG „Rot-Weiß“ Bachem, die mit dem Spielmannszug seit vielen Jahren in enger Verbindung stehen. Aber auch das befreundete Tambourcorps „Frisch Auf“ Flamersheim war mit einem starken Kontingent angereist und sorgte während der Feier im Festzelt wie auch der Spielmannszug selber für zünftige Melodien und gute Stimmung. Beigeordneter Frick gratulierte vor 150 Anwesenden in Worten und mit einem Präsent zum stolzen Jubiläum. Ortsvorsteher Horst Gies überreichte dem Vorsitzenden Markus Sebastian als Vertreter des Landrats die Ehrenurkunde des Kreises.Gisbert Stenz dankte für die musikalische Umsetzung des von ihm komponierten „Ahrweiler-Stadtgarde-Marsch“, der erstmals zum AKG-Jubiläum im April zu hören war. Es folgten weitere Redebeiträge der Burgundia und von einem Vertreter des Tambourcorps Flamersheim, bevor auch die Karnevals- und Schützengesellschaften ihre Geschenke überreichen konnten und der gemütliche Teil mit viel Musik der Ahrweiler und Flamersheimer eingeläutet wurde.
Bewegte Geschichte
Dass überhaupt das 90. Jubiläum gefeiert werden konnte, ist das Verdienst vieler engagierter Mitglieder des Spielmannszugs in mitunter wechselhaften und schwierigen Zeiten. 1922 beschloss der Abschlussjahrgang der Ahrweiler Aloisiusschule unter seinem Tambourmajor Johannes Rheindorf, auch außerhalb der Schulzeit und des Schützenfests Spielmannsmusik zu machen. Bis dahin spielte man nur im Rahmen der Auftritte der Aloisius-Jugend. Hier wie auch bei den beiden anderen Schützengesellschaften bestand das Tambourcorps aus Traditionsgründen nur aus zwei Trommlern und zwei Flötisten, was nur wenigen Jungen die Mitwirkung ermöglichte.
Im folgenden Jahr bildeten die Spielleute im Jugendverein von Ahrweiler ein Tambourcorps, das später in den DJK-Verein (Deutsche Jugendkraft) überging, einem noch heute bestehenden katholischen Sportverband mit derzeit einer halben Million Mitgliedern. Der heutige Spielmannszug Ahrweiler war damit geboren.
Man beteiligte sich fortan nicht nur an Heimatfesten, sondern fuhr auch zu Tambourwettstreite. Schwierigkeiten gab es allerdings mit der damaligen französischen Besatzungsmacht im Rheinland, da das Spielen in der Öffentlichkeit nur mit besonderer Genehmigung erlaubt war. Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ 1933 war es als ziviles Tambourcorps sehr schwer zu bestehen. Und so legte Tambourmajor Rheindorf nach zehnjähriger Tätigkeit seinen Stab nieder.
Nach dem Abzug der französischen Besatzungsmacht schlossen sich 1927 einige Spielleute aus Ahrweiler zusammen und gründeten unabhängig vom „Tambourcorps des DJK“ unter der Stabführung von Matthias Gies das „Tambourcorps Ahrweiler“. Auch dieser Verein errang auf Wettstreiten viele Meisterschaften. Er erreichte auch, dass ab 1920 die St. Laurentius Junggesellen-Schützen-Gesellschaft mit mehr als vier Spielleuten aufziehen konnte. Mit dem Ausbruch des Kriegs kam das Spielmannswesen in Ahrweiler vorerst endgültig zum Erliegen. Initiatoren der Wiedergründung eines Tambourcorps in Ahrweiler waren ab September 1947 Ferdi Becker und Albert Schäfer. Da die meisten Spielleute aus der Ahrhut kamen, schloss man sich dem Junggesellenverein „AhrhödeJonge“ an. Anfangs wurde im Ahrweiler Stadion geprobt, später dann im Weißen Turm. Die Ausbildung der Trommler übernahm Werner Dittmann. Somit konnte der Spielmannszug unter der Stabführung von Ferdi Becker beim Stiftungsfest der Junggesellen 1948 erstmals wieder auftreten. Auch beim ersten Schützenfest nach dem Krieg im Jahr 1949 bildeten Mitglieder des Spielmannszugs das Tambourcorps der Junggesellenschützen. Noch heute bestehen die Tambourcorps von Junggesellen- und Bürgerschützen teilweise aus ehemaligen oder aktiven Mitgliedern des Spielmannszugs. Nachdem man zeitweilig unter der Bezeichnung „Spielmannszug Kreisstadt Ahrweiler“ firmierte, ist man seit 1981 unter dem heute gültigen Namen im Vereinsregister eingetragen. Einen wichtigen Meilenstein brachte auch der Herbst 1975 mit sich, als man beschloss, auch Mädchen und Frauen in die eigenen Reihen aufzunehmen. So hat beispielsweise gegenwärtig Tambourmajorin Christina Müller die musikalische Leitung.
Nicht zuletzt deshalb ist der SpielmannszugAhrweiler heute ein lebendiger, aktiver Verein, der viele Feste in und um Ahrweiler musikalisch gestaltet und bereichert. Ein eindrucksvolles Zeugnis dafür legte er auch beim eigenen 90. Jubiläum am vergangenen Wochenende ab. Viele der Aktiven werden daher sicherlich auch noch in zehn Jahren dabei sein, wenn der große 100. Geburtstag gefeiert wird.
Ex-Tollitäten und Vorstand des Spielmannszuges Ahrweiler.
