Abschlusskonzert der Klangwelten in der Synagoge Ahrweiler
Musikfestival verabschiedete sich mit weltlichen Klängen
Musikfestival soll 2015 weitergehen
Ahrweiler. Mit dem Konzert des Pilar-Trios in der ehemaligen Synagoge Ahrweiler ist das Musikfestival „Klangwelten“ zu Ende gegangen. Josephine Pilars de Pilar, Sopran, Julia van Kampen, Cello und Mollie Marcuson-Schiffer, Harfe, präsentierten Liebeslieder aus Bulgarien, Albanien, Ungarn, China, Spanien, Italien, Deutschland und Frankreich. Humorvolle, melancholische, leidenschaftliche und tänzerische Lieder führten über Länder und Kontinentalgrenzen hinaus. Das Thema der Liebe zog sich dabei wie ein roter Faden durch die verschiedenen Kulturen. Die Unmittelbarkeit und Spontanität der Volkslieder lassen eine große Vielfalt menschlicher Empfindungen erfahren. Immer steht der Mensch im Mittelpunkt, ob klagend oder hoffend, ängstlich und einsam, betend, fragend oder glückerfüllt. Die Lieder wurden eingeführt durch kurze Texte oder Gedichte. Und das Besondere: Sämtliche Stücke wurden in Originalsprache gesungen. Stellenweise experimentell, dann wieder voller Harmonien: So präsentierte sich das Trio dem Publikum, das zu rund 30 Personen die ehemalige Synagoge füllte. Für das Josephine Pilars de Pilar-Trio ist es spannend zu erfahren, dass menschliche Empfindungen trotz kultureller, geografischer und zeitgeschichtlicher Unterschiede durch die Musik so verständlich werden. Mit einer ungewöhnlichen Instrumentierung präsentierte sich das Trio zum Finalkonzert des Musikfestivals „Klangwelten“ in der ehemaligen Synagoge Ahrweiler. Ob kurze oder längere Stücke - der künstlerische Ausdruck der Musikerinnen war enorm. Das besondere Etwas waren die szenischen Einlagen von Frontfrau Josephine Pilars de Pilar oder das klirrende Spiel auf der singenden Säge - stellenweise ein wenig schräg.
Mit dem Gedicht „Liebeslied“ von Reiner Maria Rilke begann das zweistündige Konzert. Mit feurig-andalusischen Volksliedern, spanischen Weisen, bulgarischen Volksliedern und russischen Werken spannte das Trio einen länderübergreifenden Reigen ansprechender Lieder in ihrem Programm. Die Liedauswahl setzte sich aus traditionell überlieferten Melodien ab, die das Trio arrangiert hat sowie komponierte Volksmelodien von Brahms, Britten, de Falla, Ravel. Letzterer steuerte dabei gleich fünf griechische Melodien bei. Das Gedicht „Liebeslied“ von Mascha Kaleko erklang, bevor Paul Hindemiths Sonate für Harfe Solo, Satz 3, Mollie Marcuson-Schiffer es ermöglichte, ihr instrumentales Können an der Harfe zu zeigen. Zur singenden Säge griff die Cellistin Julia van Kampen im Stück „Meng Jiangnü“, einem chinesischen Volkslied. Werke von Carlos Salzedo, Hector Villa Lobos, Giulio Caccini, Manuel de Falla, Wolfgang Fortner, Benjamin Britton und Jules Massenet machten das wahrlich weltumspannende Programm des Josephine Pilars de Pilar-Trios zu einem musikalischen Erlebnis für alle Sinne.
Resümée
Mit dem Sommermusikfestival Klangwelten haben die Verantwortlichen einen richtigen Volltreffer gelandet. Umso zufriedener waren die Gesichter nach dem vorerst letzten Konzert bei Klaus Liewald und Gerd Weigl vom Bürgerverein Synagoge Ahrweiler. Die Premiere der Klangwelten bezeichneten sie als Erfolg auf ganzer Linie.
Die stadtteilübergreifende und genresprengende Veranstaltung mit ihren sechs Konzerten in der Seniorenresidenz Augustinum und in der ehemaligen Synagoge Ahrweiler war nicht nur ein Novum für die Kreisstadt, sondern auch ein Erfolg, der nach einer Wiederholung ruft. Bei der Auswahl der Musik machte man vor keinem Land der Welt Halt. Satt Mainstream gab es handgemachte Musik auf die Ohren. Brasilianisches Flair herrschte beim Auftritt von Menino in kleiner Besetzung, osteuropäisches Lebensgefühl versprühte eine ukrainische Pianistin, während ein Trio tolle Jazz-Hits zum Besten gab oder Boogie-Woogie-Künstler Thomas Scheytt den Theatersaal im Augustinum zum Beben brachte. Die Mischung von Cellokonzert, brasilianischem Pop-Rock, Blues und Boogie Woogie, Klassik-Jazz-Cross-Over, Liebeslieder aus aller Welt, musikalischen Reisen nach Osteuropa hat hunderte von Musikliebhabern bei den „Klangwelten“ begeistert. Wichtig für die Veranstalter war, während der Fußball-WM in Brasilien keine Konzerte anzusetzen. Gerd Weigl erklärt: „Wir haben schon im Vorfeld alle Eventualitäten geprüft, damit kein Konzert mit einem Fußballspiel kolliediert.“ Die umfangreiche Planung im Vorfeld hatte Erfolg: Bei allen Konzerten waren die Besucherzahlen beachtlich. Ebenso versuchte man, die Konzerte unter der Woche zu platzieren. Weigl: „Am Wochenende ist die Konkurrenz immer sehr groß.“
Und für die Mitglieder des Bürgervereins hat die Reihe noch etwas Gutes: „Viele Musikliebhaber haben zum ersten Male die Schwelle des Kulturtempels Synagoge Ahrweiler überschritten und den Theatersaal des Augustinums Bad Neuenahr schätzen gelernt“, erklärt Gerd Weigl gegenüber Blick Aktuell. Keine Frage, im nächsten Jahr soll es weitergehen. Eine Neuauflage des Sommer-Musikfestivals sei für 2015 bereits in Planung, erklärt Weigl. Der Zeitraum soll nach Plänen derselbe sein wie in diesem Jahr.
