Traditioneller Fassanstich auf der Neuenahrer Kirmes mit Ehrengästen
Nach dem zweiten Schlag floss das Bier
Fünf Tage lang wurde in der Kurstadt an der Ahr eines der größten Volksfeste der Region gefeiert
Bad Neuenahr. Was wäre eine zünftige Kirmes ohne den traditionellen Fassanstich? Ganz klar: Es würde etwas fehlen bei der größten Kirmes im Ahrtal, der Bad Neuenahrer Oktober-Kirmes. Direkt nach dem traditionellen Schaustellerempfang im Rathaus (siehe separaten Bericht) eilte die Gästeschar hinüber zum Kirmesplatz. Hier wurde das Fass diesmal in der Hauptstraße zum Bahnhof hin, gegenüber dem Kino, angeschlagen. Treffsicherheit legte dabei der städtische Beigeordneter Rudi Frick in Vertretung für den urlaubenden Bürgermeister Guido Orthen an den Tag. Lediglich zweimal donnerte er mit reichlich Schmackes den Holzhammer gegen den Zapfhahn. Und dann endlich floss das Kölsch für die ersten Besucher des fünftägigen Volksfestes. Die standen wie immer schon in Reihe. Großzügig verteilte der Beigeordnete aus Gimmigen den kühlen Kirmesumtrunk. Erfrischung brauchte hingegen keiner der Gäste aus Politik, Gesellschaft, und auch die Schausteller samt der Gäste nicht: Am gesamten Wochenende zeigte sich der Oktober nicht von seiner goldensten Seite. Irgendwie hat das Tradition.
Zum klassischen Rundgang machten sich anschließend die Vertreter der Stadt, Polizei und Feuerwehr sowie Kommunalpolitiker und Schausteller auf. Die Abnahme der größten Kirmes an der Ahr mit den beiden Marktmeistern Dieter Krohn und Reiner Drüke erfolgte bereits am Feiertag (3. Oktober). Kreis, Bauamt und TÜV ließen sich vom ordnungsgemäßen Zustand der Fahrgeschäfte überzeugen, während das Veterinäramt die Imbiss- und Getränkestände unter die Lupe genommen hatte. Auch hierbei keine Beanstandungen.
Danach stand der Spaß im Vordergrund: Polizeichef Peter Krämer hatte beim Kamelrennen die Nase vorn, und SPD-Stadtratsmitglied Elisabeth Graff startete zu einer Fahrt auf dem Hexentanz, wo ihr gehörig der Wind um die Nase wehte. Rudi Frick ging es da gemächlicher an: Er freute sich über ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift „Mein Prinz“. Überall duftete es nach Süßwaren und herzhaften Snacks. Kirmes heute ist eben ein großes Schlemmen. Vorsicht war auf den waghalsigen Fahrgeschäften geboten, wo so mancher nach einer rasanten Fahrt die Gesichtsfarbe gewechselt hatte. Tradition haben Autoscooter und Musikexpress - sowohl für Jung, wie für Alt. An den Losständen versuchte man sein Glück, anderswo klackerten Dosen um die Wette. Beim Hexentanz bewegten sich 24 Gondeln wie kleine fliegende Hexen um eine Flammensäule. Eine rasante Fahrt, aber ohne Überkopfkapriolen - ein Spaß für die ganze Familie. Nichts für schwache Nerven war das Fahrgeschäft „High Impress“, bei dem die Gondeln frei auf einer beweglichen Scheibe schwingen. Die Scheibe stellt sich während der Fahrt bis auf zwölf Meter hoch. Bei den Jugendlichen ein Hit: Die Beschleunigung von bis zu vier G war der reinste Nervenkitzel. Inhaber Frank Oberschlep war der Herr über Regler und Tempo. „Jede Fahrt ist anders, je nachdem wie die Gondeln besetzt sind“, erklärte er. Den ultimativen Kick bot auch das Überkopffahrgeschäft „Avenger“. In einer Flughöhe von 24 Metern dreht sich der Gondelarm mit einer rasanten Geschwindigkeit, während sich die Sitze noch um die eigene Achse bewegen. Abgerundet wurde das Angebot durch das Hochfahrgeschäft „Jump Street“, ein echter Klassiker für alle Altersgruppen auf allen Veranstaltungen, sowie durch die „Euro Rutsche“. Die Besucher erlebten aus einer Höhe von 13 Metern eine Berg- und Talfahrt. Im Unterwasserirrgarten „Aqua-Labyrinth“ gab es spiegelnde Ver(w)irrung hinter sprudelnden Wassersäulen zu bewundern.
Besonders zu Abend bot der Kirmesplatz mit seinen vielen kleinen Lichtern ein atemberaubendes Farbenspiel. Und wie immer hielten auch Regen und Wind die eingefleischten Kirmesgänge nicht von einem Besuch ab. Manch einer kommt schon seit mehreren Jahrzehnten. Die Faszination Rummel lebt weiter.
