Nach vier Jahrzehnten geht eine Ära zu Ende
Oskar Hauger leitete die Große Prunksitzung des SC 07 Bad Neuenahr zum letzten Mal
Bad Neuenahr. Niemals geht man so ganz. Auch einem Karnevalsurgestein wie Oskar Hauger läge es fern, von jetzt auf gleich dem Karneval den Rücken zu kehren. Dem närrischen Treiben in Bad Neuenahr wird er weiterhin treu bleiben. Nur eben nicht mehr als Sitzungspräsident der Großen Prunksitzung des Fördervereins SC 07 Bad Neuenahr. Nach vier Jahrzehnten verabschiedete sich Hauger von der großen Bühne. Mit fast 80 Jahren geht er in den wohl verdienten karnevalistischen Ruhestand und gibt die Leitung der jährlichen „Wohltätigkeitssitzung“, deren Erlös der Förderung des Jugendsports zugute kommt, in jüngere Hände ab. In der zweiten Reihe wird er weiterhin aktiv bleiben. Seine unverwechselbare Art und Weise, Programmpunkte anzukündigen, karnevalistische Raketen abzufeuern und das stets leicht von den Lippen gehende „Alaaf!“ sind und bleiben sein Markenzeichen. Und so präsentierte sich Oskar Hauger bei seiner letzten Sitzung noch einmal in Höchstform. Der gebürtige Kölner konnte wieder ausgesuchte Spitzenkräfte des Kölner Karnevals im großen Saal des Steigenberger Kurhauses begrüßen. Die Stimmung war kaum zu toppen. Die letzte „Hauger-Sitzung“ war keine One-Man-Show, sondern ein Feuerwerk der kölschen Narretei.
Rosen für Oskar Haugers
Symbolisch war der Einmarsch des Sitzungspräsidenten: Der Saal erhob sich, bei Oskar Haugers letztem Gang auf die Bühne regnete es Rosen, Wehmut lag in der Luft. Wie eh und je forderte er seine rund 800 närrischen Gäste im Neuenahrer „Gürzenich“ dazu auf, „ein fröhliches Lächeln“ aufzusetzen und stets die Bereitschaft zu zeigen, mitzumachen. Das dauerte wahrhaftig nicht lange, denn als die Bläck Fööss kurz darauf die Bühne betraten, ging es gleich mächtig in die Vollen. Tanzen und Schunkeln standen auf dem Programm. Die „Fööss“ brachten die Stimmung regelrecht zum Kochen, denn die Kölner Kultband ließ ihre größten Ohrwürmer erklingen. Mit viel Tamtam und ohne Verzögerung zogen die 30 „Kammerkätzchen & Kammerdiener“ der Kölner Karnevalsgesellschaft „Schnüsse Tring“ in den Saal ein. Sie zeigten Akrobatik in Perfektion, begleitet von fetziger kölscher Musik. Die eindrucksvollen Hebefiguren sorgten für reichlich Staunen unter den jecken Gästen.
„De kölsche Schutzmann“ sorgte für reichlich Lacher
Mit Trompete, „Quetschbüggel“ und Trommeln heizten die „Klüngelköpp“ dem Publikum ein. Sie sangen von der „Kölschen Fiesta“, vom Verliebtsein und der unbändigen Feierkultur „in unserem Veedel“. Im Saal wurde getanzt, geschunkelt und mitgesungen, was das Zeug hielt. Zur Belohnung gab’s eine Zugabe, bevor sich der erste Redner des Abends, „De kölsche Schutzmann“ alias Jupp Menth, ankündigte. Politiker, Sportler und andere Prominente bekamen mächtig ihr Fett weg. Und auch ein gewisser Fußballverein aus Köln blieb vom Schutzmann nicht verschont. Froh darüber, auf Kölsch sprechen zu dürfen, lief der Redner zur Höchstform auf. Spitzzüngig ging er auf aktuelle Diskussionen ein. Sehr zur Unterhaltung der jecken Gäste im Saal, wozu unter anderem auch Bürgermeister Guido Orthen sowie die beiden Landstagsabgeordneten Horst Gies und Guido Ernst gehörten. Nach diesem kurzen politischen Ausflug enterten die „Domstürmer“ die große Bühne im Kurhaussaal. Bei den Liedern „Mach dein Ding“ oder der Hommage an die Domstadt Köln, „Meine Liebe, meine Stadt, mein Verein“ stieg das Stimmungsbarometer schlagartig in die Höhe. Aus dem Leben eines Lehrers in Köln gab Martin Shopps lustige Anekdoten zum Besten. Er berichtete von eklatanten Allgemeinwissenslücken, die sich zuletzt bei Stadt-Land-Fluss offenbart hätten, als nach einer Stadt mit „K“ gesucht worden sei und die Antwort „Karstadt“ fiel.
Eine Traumsitzung
Nach reichlich Klamauk in der Bütt bot sich ein buntes Bild, als die Bürgergarde „Blau Gold“ von 1904 aus Köln als eines der neun Traditionscorps der Domstadt den Saal mit Tanzpaar und einem nicht enden wollenden Spielmannszug betrat. Der Gardetanz „der absolut schönsten Männer Kölns“, wie es Oskar Hauger formulierte, war spitze. Doch der Mariechentanz setzte nochmals neue Akzente. Und als sich dann auch noch das Ahrweiler Jubiläumsdreigestirn hinzugesellte, platzte die Bühne fast aus allen Nähten. „Das ist eine Traumsitzung“, brachte es Ahrweilers Sitzungspräsident Udo Groß auf den Punkt. Das Dreigestirn nutzte die Gunst der Stunde, um Oskar Hauger für die vielen Jahre als Sitzungspräsident zu danken. Sie - das sind Prinz Andy I. (Andreas Behrens, geb. Elster), Bauer Alex I. (Alexander Klein) und Jungfrau Steffi I. (Stefan Heinzen) - seien stolz, mit allen zusammen auf der Bühne zu stehen, doch nicht ohne auf die großen Jubiläumsfeierlichkeiten anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Ahrweiler Karnevalsgesellschaft im April hinzuweisen.
Mit Klaus Rupprecht als Bauchredner „Klaus & Willi“ ging es schlagartig weiter, bevor „Blom un Blömche“ Lieder vom Hühnerhof präsentierten und dabei an Willi Ostermann erinnerten. Einen fulminanten Abschluss legte Fritz Schoops als Rumpelstilzchen hin. Seine Reime sind sein Markenzeichen.
Dann war es soweit. Oskars letzte Sitzung neigte sich dem Ende entgegen. Manch Tränen kullerten, als die „Botzedresse“ zu einem kleinen Feuerwerk auf der Bühne „Goodbye my love“ und ihr „Halleluja“ sangen. Wieder hat das Urgestein Oskar Hauger - Markenzeichen Zigarre - mit viel Witz und Charme durch das geballte Programm geführt. Wie es mit der SC 07-Sitzung weitergehen wird? „Der nächste Termin steht schon fest“, sagt Hauger. Demnächst werde er sich mit dem Organisationsteam zusammensetzen, um zu besprechen, unter wessen Leitung die Sitzung dann am 14. Februar 2014 stehen wird. RERE
Mit viel Applaus wurden die Kätzchen und Kammerdiener im Saal begrüßt.
