Politik | 21.07.2013

Der SC07 kämpft um seine Zukunft

Neuaufbau in der Zweiten Liga ist das Ziel

Insolvenzverfahren zwingt den SC07 zu tief greifenden Einschnitten

Neuaufbau in der Zweiten Liga ist das Ziel

BAD NEUENAHR. Jetzt ist es amtlich: Nachdem das Insolvenzverfahren des SC 07 Bad Neuenahr zum 30. Juni eröffnet wurde, steht fest, dass der Traditionsverein in der kommenden Saison in der 2. Bundesliga Süd starten wird. Angesichts der erdrückenden Schuldenlast - die Rede ist von rund 500.000 Euro - hatte sich diese Lösung frühzeitig abgezeichnet. Ungeachtet dessen hatten die Verantwortlichen des SC 07 offenbar bis zuletzt gehofft, den Zwangsabstieg in die Zweitklassigkeit doch noch vermeiden zu können. Diese Hoffnung gründete sich wohl auf einen potenziellen Sponsor, der zumindest in Aussicht gestellt haben soll, die Bundesligazugehörigkeit zu finanzieren. Die endgültige, sprich verbindliche Zusage war letztendlich jedoch ausgeblieben, sodass sich der Traditionsverein, der zu den Gründungsmitgliedern der 1990 gegründeten Frauenfußball-Bundesliga zählt, der wirtschaftlichen Schieflage beugen muss und sich zu einem Neuaufbau in der Zweiten Liga gezwungen sieht.

Nachdem das Präsidium des SC 07 Bad Neuenahr beim Amtsgericht Bad Neuenahr-Ahrweiler die Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen des Vereins beantragt hatte, wurde der Steuerberater Thomas Steger aus Sankt Augustin vom Insolvenzgericht zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Gleichzeitig hat der Verein das vom Gericht angeforderte Gutachten vorgelegt, auf dessen Grundlage das Insolvenzgericht fristgerecht zum 30. Juni das Insolvenzverfahren eröffnet hat. Im Zentrum der Bemühungen aller Beteiligten steht nunmehr der Erhalt des Spitzen- und Breitensports sowie der Jugendarbeit, heißt es in einer Pressemeldung. Dass das gelingt, ist wohl wahrscheinlich, aber noch längst nicht sicher.

Ob und wie es mit dem SC 07 weitergeht, ist noch völlig offen

Durch den Abstieg in die Zweite Liga hat der benötigte Finanzbedarf zwar drastisch gesenkt werden können. Und durch eine kritische Überprüfung sämtlicher Kostenpositionen seien weitere „signifikante Einsparungen“ erzielt worden. Nicht zuletzt hätten die ehrenamtlich Tätigen im Verein „durch ihr ehrenamtliches Engagement beträchtliche Kosteneinsparungen ermöglicht und damit einen ganz erheblichen Beitrag zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebes in allen Bereichen“ geleistet. Und dennoch: Ob und wie es mit dem SC 07 Bad Neuenahr weitergeht, ist indes noch völlig offen. So weist der Insolvenzverwalter in einer Pressemitteilung darauf hin, dass bis Ende August noch ein Betrag von 40.000 Euro benötigt wird, um „die nicht mehr zu reduzierenden Kosten zu decken und den Spielbetrieb im Jugend-, Breiten-, und Spitzensport zu sichern“. Sofern dieser Betrag durch weitere Zusagen von einem oder mehreren Sponsoren nicht gedeckt werden könne, könne der Spielbetrieb der anstehenden Saison nicht finanziert werden. In der Konsequenz sähen die Verantwortlichen keine andere Möglichkeit, als „die auch für das Gemeinwesen wichtige Arbeit des Vereins einzustellen“. Im Klartext: Der Verein würde sich im Zweifel nur noch auf den Breitensport beschränken können. Schlimmstenfalls drohte gar dessen Auflösung. Aus diesem Grund haben Präsidium und Insolvenzverwalter einen gemeinsamen Appell an „alte und möglicherweise künftige Freunde und Förderer des Vereins“ veröffentlicht. Sie werden gebeten, „eine mögliche Unterstützung kurzfristig zu überdenken“ und sich mit dem Präsidium des Vereins oder dem Insolvenzverwalter in Verbindung zu setzen. Nach aktuellem Stand hat sich an dem Fehlbetrag von 40.000 Euro noch nichts geändert. „Es liegen Absichtserklärungen vor, aber noch keine verbindlichen Zusagen“, sagt Thomas Steger.

Gläubigerversammlung am30. Juli

Unabhängig davon ist für den 30. Juli eine Gläubigerversammlung am Amtsgericht Ahrweiler anberaumt worden. Ziel ist es, einen Insolvenzplan auf die Beine zu stellen. Mit diesem auch als Vergleich bezeichneten Verfahren wird eine außergerichtliche Einigung zwischen Schuldnern und Gläubigern angestrebt. So wird in einem Insolvenzplan, dem die Gläubiger mehrheitlich zustimmen müssen, festgelegt, inwieweit die ausstehenden Forderungen der Gläubiger erfüllt werden können.

Ein Insolvenzplan ist laut Steger jedoch nur eine Möglichkeit, um den Fortbestand des Vereins zu sichern. Für den Fall, dass ein Insolvenzplan scheitern sollte, werde etwa auch eine sogenannte „übertragende Sanierung“ ernsthaft diskutiert.

„Übertragende Sanierung“ als eine Option

Das bedeute, dass ein neuer Verein gegründet würde, der schuldenfrei wäre und - unter neuem Namen - den Spielbetrieb fortsetzen könne. Das könnte, so Steger weiter, auch in der Winterpause noch geschehen. In der Konsequenz würden die Gläubiger leer ausgehen. Aber: Auch der „neue“ Verein muss über ausreichende Finanzmittel verfügen, um den Spielbetrieb aufrecht erhalten zu können. Eine weitere Baustelle will der Verein durch Einberufung einer Mitgliederversammlung ebenfalls möglichst zeitnah schließen. Denn nach dem Tod des Präsidenten Bernd Stemmeler sowie den Rücktritten der Vize-Präsidenten Jens Flüchter und dem vor zwei Wochen überraschend verstorbenen Herbert Kommer ist die Wahl eines neuen Präsidiums notwendig geworden.

Präsidium muss neu gewählt werden

Parallel zum Insolvenzverfahren treiben die Verantwortlichen die sportlichen Planungen voran. So gilt es, die Kaderplanungen für das Zweitliga-, das Regionalliga- und das U17-Juniorinnen-Bundesligateam voranzutreiben. Dabei setzt das Präsidium vor allem auf die Erfahrung von Vanessa Baudzus. Die 35-Jährige absolvierte für den SC 07 von 2001 bis 2008 insgesamt 64 Bundesligapartien, war in den vergangenen drei Jahren Spielerin und Co-Trainerin der „Zweiten“ und fungierte zuletzt als Frauenfußball-Abteilungsleiterin. Außerdem kann der Club auf die Unterstützung seiner Jugendtrainer bauen. So steigt der bisherige U17-Coach Sijamak Sauer zum Jugendkoordinator auf, und kümmert sich als Co-Trainer weiterhin um das Juniorinnen-Bundesligateam.

Die Erstligastars haben den SC07 verlassen

Dass die erste Mannschaft mit dem Bundesligateam des vergangenen Jahres nicht mehr viel zu tun haben wird, steht fest. So hat ein Großteil des letztjährigen Bundesligakaders dem Verein bereits den Rücken gekehrt. Nach Nicole Rolser und Corina Schröder, die sich bereits in der Winterpause dem FC Liverpool angeschlossen hatten, haben mittlerweile auch Celia Okoyino da Mbabi (1. FFC Frankfurt), Leonie Maier (Bayern München), Almuth Schult, Peggy Kuznik (beide VfL Wolfsburg), Laura Störzel (SC Freiburg), Aylin Yaren (BV Cloppenburg), Nadine Rolser (FC Basel), Marie Pyko, Antonia Hornberg (beide Avaldsnes IF), Jessica Bade, Sofia Nati (beide Ziel unbekannt) und Rebecca Knaak (Bayer 04 Leverkusen) den Verein verlassen. Fest steht zudem, dass die als Neuzugang für die kommende Saison vorgesehene Patricia Hanebeck vom 1. FFC Turbine Potsdam infolge der aktuellen Entwicklung nun doch nicht die Fußballschuhe für den SC 07 schnüren wird. Die gebürtige Siegburgerin wird künftig für den Zweitligakonkurrenten SC Sand auflaufen. Nachdem sich die Hoffnungen, die ein oder andere Bundesligakickerin zu einem Verbleib bewegen zu können, in den letzten Tagen und Wochen also weitgehend in Luft aufgelöst haben, konzentrieren sich die Verantwortlichen beim Aufbau des Zweitligateams in erster Linie auf den eigenen Nachwuchs. „Spielerinnen und Trainer sind vorhanden“, betont Thomas Steger.

Der SC07 baut auf den eigenen Nachwuchs

Unklar ist, wer die erste Mannschaft nach dem Weggang von Colin Bell zum 1. FFC Frankfurt trainieren wird. SC 07-Ikone Sandra Minnert, die bislang als Geschäftsstellenleiterin tätig war, wird man in der kommenden Saison jedenfalls nicht an der Seitenlinie sehen. Denn mit der zweifachen Weltmeisterin hat man sich offensichtlich nicht einigen können. Dass der SC 07 Bad Neuenahr in der kommenden Saison in der 2. Bundesliga Süd starten wird, geht auch aus den offiziellen Spielplänen hervor. Demnach werden die Ahrtalerinnen die Saison am 8. September mit einem Heimspiel gegen den FC Bayern München II eröffnen, bevor eine Woche später das Derby gegen den 1. FC Köln auf dem Programm steht. Auch im DFB-Pokal wird der SC 07 mitmischen. Am Wochenende 31. August/1. September wird das Team zum Erstrundenmatch bei Wacker München antreten. Die zweite Mannschaft trifft am 18. August in ihrem ersten Spiel in der Regionalliga Südwest im Apollinarisstadion auf Rheinlandmeister FC Bitburg. Ebenfalls mit einem Heimspiel eröffnet die U17 ihre zweite Spielzeit in der Juniorinnen-Bundesliga. Das Team empfängt am 31. August Bayer 04 Leverkusen, bevor eine Woche später das Südwestderby gegen den 1. FC Saarbrücken steigt.

Spiele des SC07 -Damenteams in der Ersten Bundesliga - wie hier mit der Nationalspielerin Celia Okoyino da Mbabi - gehören der Vergangenheit an. Der SC 07 will mit dem eigenen NachwuchsFoto: FIX

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