Politik | 08.06.2026, 09:20 Uhr

Wiederaufbau-Umfrage 2026

Wiederaufbau in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Auch fünf Jahre nach der Flutkatastrophe prägt der Wiederaufbau den Alltag der Menschen in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Groß-Baustellen bestimmen an vielen Stellen das Stadtbild und den Verkehr, zentrale Gebäude befinden sich in der Sanierung oder im Neubau, Straßen müssen erneuert werden. Vor diesem Hintergrund hat die Stadtverwaltung zum dritten Mal unter dem Motto #jetztmalehrlich nachgefragt: Wie nehmen die Menschen die Wiederaufbau-Maßnahmen inzwischen wahr? Welche Themen sind für sie besonders wichtig und wie ist ihr allgemeines Lebensgefühl in der Stadt?

Insgesamt 1.595 Personen haben sich in diesem Jahr an der Umfrage beteiligt, davon gut 90 Prozent Ortsansässige. „Die Umfrage zeigt deutlich, dass die Fortschritte im Wiederaufbau anerkannt werden“, sagt Peter Diewald, Erster Beigeordneter der Stadt. „Gleichzeitig erleben die Menschen die Einschränkungen durch die Baumaßnahmen nach wie vor sehr konkret – auf dem täglichen Weg durch die Stadt oder im direkten Wohnumfeld. Entsprechend wächst die Ungeduld und der Anspruch, dass Fortschritte noch schneller und umfassender sichtbar werden müssen.“

Viel geschafft, aber es dauert zu lange

Mit 63 Prozent sagen in diesem Jahr fast zwei Drittel der Befragten, dass beim Wiederaufbau bereits viel geschafft wurde. Damit liegt der Wert über dem Niveau von 2024 (58 %), aber auch leicht unter dem Vorjahreswert (69 %). Beim Umsetzungstempo ist die Erwartung immer noch hoch: Beinahe vier von fünf Befragten (79 %) sind nach wie vor der Meinung, dass der Wiederaufbau zu lange dauert (Vorjahr: 82 %). Begrüßten es im vergangenen Jahr mit 75 % noch drei Viertel der Menschen, dass an vielen Stellen gleichzeitig gebaut und gearbeitet wird, stimmten dieser Aussage allerdings in diesem Jahr nur noch 67 % zu.

Positives Lebensgefühl auf stabilem Niveau

Gut sieben von zehn Befragten geben bei der Umfrage an, dass sie sich in Bad Neuenahr-Ahrweiler wohlfühlen. Damit bleibt das positive Lebensgefühl insgesamt stabil, auch wenn die Zustimmungs-Quote leicht unter dem Vorjahr liegt. Als wichtigste Gründe für ihr Wohlbefinden nennen die Befragten die Natur (51 %), Einkaufsmöglichkeiten (44 %) und die persönliche Wohnsituation (41 %, Mehrfachnennungen möglich).

Informationsbedürfnis nach wie vor hoch

Die Umfrage ist Teil der Kampagne #wiederbunt, in der die Kommunikations- und Dialogmaßnahmen der Stadt rund um den Wiederaufbau gebündelt sind. „Wir sehen, dass diese Kampagne von Jahr zu Jahr mehr Früchte trägt“, betont Hannah Schneider, Sachgebietsleiterin Kommunikation bei der Stadt. Denn 2026 gaben vier von zehn Befragten (41 %) an, dass sie sich ausreichend über den Wiederaufbau informiert fühlen – ein spürbarer Anstieg gegenüber dem Vorjahr (35 %). „Gleichzeitig ist hier noch Luft nach oben. Besonders die jüngere Zielgruppe der unter 30-Jährigen fühlt sich bislang vergleichsweise uninformiert und manche unserer Informationskanäle werden deutlich weniger genutzt als andere, hier möchten wir ansetzen und unser Angebot entsprechend anpassen,“ erklärt Hannah Schneider. Als Informationskanäle werden am häufigsten die Stadtzeitung (62 %), Facebook (33 %) und Instagram (31 %) sowie das Aufbau-Magazin (28 %) genutzt.

Bevorzugt mit dem Auto und zu Fuß

Im Rahmen der #jetztmalehrlich-Umfrage wurden in diesem Jahr erstmals Fragen zur Verkehrsmittel-Nutzung innerhalb der Stadt gestellt: Demnach bewegen sich mehr als 70 % vorzugsweise mit dem Auto, 69 % zu Fuß, 42 % fahren mit dem Fahrrad/Roller und 13 % nutzen Busse und Bahnen (Mehrfachnennungen möglich).

Mobilität für alle Verkehrsteilnehmer verbessern

Mehr als die Hälfte der Befragten spricht sich für einen Ausbau der innerstädtischen Radwege aus, 45 Prozent wünschen sich bessere Fußwege und Fußgängerüberwege. Gleichzeitig zeigt die Umfrage, wie unterschiedlich die Erwartungen an die Mobilität der Zukunft sind: Mehr als ein Drittel fordert zusätzliche Parkmöglichkeiten und 41 Prozent finden, dass Verbesserungen für Radfahrer nur umgesetzt werden sollten, wenn dafür keine Parkplätze wegfallen. „Der Wiederaufbau geht auch in den nächsten Jahren weiter mit umfassenden Verkehrsplanungen, Baumaßnahmen im Straßenverkehr und damit verbundenen Beeinträchtigungen einher – umso wichtiger ist es, dass wir hierzu kontinuierlich und auf unterschiedlichen Wegen mit unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern im Austausch bleiben. Auch die Umfrage-Ergebnisse liefern uns hier hilfreiche Hinweise und Rückmeldungen.“

Besorgt um Verkehr, Schulen und Kitas

Die Verkehrssituation in Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde auch im Rahmen der offenen Fragen am häufigsten thematisiert. „Dieser Teil der Auswertung ist für uns besonders aufschlussreich“, sagt Hannah Schneider. „In den offenen, zum Teil sehr emotional formulierten Hinweisen zeigt sich besonders deutlich, was die Menschen beschäftigt“. So würden viele Bürgerinnen und Bürger das fehlende Hallenbad und die weiterhin geschlossenen Ahr-Thermen als großen Mangel empfinden. Diese und alle weiteren Ergebnisse der Umfrage liefern der Stadt auch in diesem Jahr wieder wertvollen Input für die nächsten Schritte im Wiederaufbau und die begleitende Kommunikation. „Wir nehmen die Rückmeldungen aus der Umfrage sehr ernst und verstehen die Ergebnisse als konstruktiven Beitrag zur Frage, was wir im Wiederaufbau künftig noch besser machen können“, so Peter Diewald.

Auch in den nächsten Monaten wird die Stadt im Rahmen der #wiederbunt-Kampagne mit verschiedenen Kommunikationsformaten und Veranstaltungen für Transparenz, Information und Austausch rund um den Wiederaufbau sorgen. Weitere Informationen auch zu den Umfrage-Ergebnissen gibt es auf wiederbunt.de.

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