Rambazamba in der Festhalle
Prinz Marcus I. regiert das närrische Heimersheim
Heimersheim. Die Session ist noch gar nicht offiziell eröffnet, da präsentieren sich die Heimersheimer Jecken schon in närrischer Topform: Ein neues Zugpferd haben sie auch. Mit Prinz Marcus I. (Robrecht) regiert wieder ein Heimersheimer Urgewächs im kleinen Weinort. Seine Proklamation war der Höhepunkt einer stimmungsvollen Sitzung in der Landskroner Festhalle. Er ist damit der 62. Prinz der Karnevalsgesellschaft Närrische Landskroner.
Ihm zur Seite steht Adjutant Frank Heimermann. Lange hatte die örtliche Gerüchteküche gebrodelt, ehe die Katze aus dem Sack war: Mit viel Tamtam wurde der noch unbekannte Prinz in einem roten Sack verhüllt in den Saal geführt. Auf Kommando des erfahrenen Sitzungspräsidenten Rainer Groß, musikalisch umrahmt vom Spielsmannszug der KG und begleitet vom Jubel der zahlreichen Jecken lüftete sich dann das gut behütete Geheimnis. Der rote Sack fiel, und es strahlte Prinz Marcus I. im purpurroten Ornat. Mit Prinz Marcus hat die KG wieder ein echtes Heimersheimer Urgestein gefunden. Geboren, aufgewachsen und geblieben ist er in Heimersheim und arbeitet als selbstständiger Gas- und Wasserinstallateur. Mit Unterstützung seines Adjutanten Frank Heimermann, seiner Frau Bianca und den drei Kindern Christin sowie den Zwillingen Marc und Denis freut er sich auf die närrische Zeit. Im Dorf ist „d’r Prinz“ bekannt: Als Mitglied des Stammtisches Herrlicher Fernblick, des Schützenvereins, bei den Kellerkindern, im Backesverein und als Coach im Sportverein pflegt er viele Hobbys. Der Karnevalsgesellschaft war er bisher durch die Mitgliedschaft im Corps à la Suite verbunden, jetzt somit auch als Prinz.
Wie es sich für einen Prinzen gehört, ließ die närrische Regierungserklärung nicht lange auf sich warten: Unter dem Motto „Loss me all blieve wie me sen, on ich fiere met euch mittendrin“ stimmte der neue Prinz seine Untertanen mit viel Witz und guter Laune beim Verlesen seiner närrischen Regeln auf die Regentschaft ein. Noch ein bisschen ungewohnt in der roten Zunft forderte der 43-jährige Regent seine Vereine auf, „ene riesige, bonte Fastelovendzoch“ auf die Beine zu stellen. Aufgaben gibt es auch für seine Mitarbeiter: Zwei Mal die Woche sollen sie ihren neuen Prinzen mit Karnevalsmusik unterhalten – am liebsten live gesungen. „Ruut un weiß“ – so soll nach Wunsch des Prinzen seine Heimatstraße erstrahlen, wenn sich alle zu einem Straßenfest treffen. Und im Karnevalszug braucht sich die neue Heimersheimer Tollität keine Sorgen um seine Person zu machen: Der Stammtisch Herrlicher Fernblick wurde kurzerhand zur „Schweizer Garde“ ernannt. Privataudienzen gibt es nach Aussagen des Prinzen nur „an de Thek.“ Zu Ehren des neuen Regenten tanzten das Funkentanzpaar Vanessa Sion und Marcel Hübinger den Mariechentanz. Zahlreiche Heimersheimer Honoratioren sowie die noch amtierenden Tollitäten aus dem Stadtgebiet wünschten dem neuen Prinz einen erfolgreichen Sessionsverlauf. Bereits vor der eigentlichen Proklamation sorgte ein kurzweiliges Programm unter Leitung von Sitzungspräsident Rainer Groß für beste Stimmung unter den närrischen Gästen. Nach dem Einzug der Konsorten stimmte das Panikorchester Remagen die Jecken im Saal auf die schönste Jahreszeit ein. Wie auf Knopfdruck tauchten die Heimersheimer ein in die jecke Zeit, schunkelten, skandierten die größten Karnevalsklassiker – so war das Eis schnell gebrochen. Sämtliche Lacher hatte „Dä Tuppes vum Land“ (alias Jörg Runge) auf seiner Seite. Mit lustigen Anekdoten und der geballten Routine eines Kölner Karnevalsurgesteins begeisterte er die Narren im rot-weiß geschmückten und illuminierten Saal. Samba de Janeiro versprühten derweil die „Heimesche Boore“, die mit ihrem „Booretanz“ eine gelungene Premiere feierten.
Ein tolles Programm hatten sich auch die beiden Heimersheimer Möhnen, Elke Prior und Rosi Nuhn, ausgedacht. „Die Klofrau“ war der Name ihres Beitrages – und die Rakete für eine Fülle an lustigen Anekdoten durfte nicht fehlen. Mit langem Applaus würdigte das Publikum die närrische Regierungszeit des scheidenden Prinzen Werner I., der sich mit einer ausführlichen Dankesrede verabschiedete. „Für mich geht ein unvergessliches und ereignisreiches Jahr zuende“, bemerkte er. So erinnerte er an den Umzug in seinem Heimatort Gimmigen – eine bislang einmalige Sache. Prinz Werner: „Damit hat die KG eine einmalige Visitenkarte abgegeben und neue Maßstäbe in Sachen Organisation gesetzt.“ Dabei schlängelte sich ein Karnevalszug durch den ganzen Ort. Die Bürger hatten Häuser und Garagen geschmückt. Die KG lobte er für ihr Engagement, Brauchtum zu wahren und Traditionen zu pflegen. „Ihr alle könnt stolz auf euch sein“, rief er in die Menge und sicherte zu, dem Verein weiterhin die Treue halten zu wollen.
Aber damit nicht genug: In Anlehnung an den Abba-Klassiker „I have a Dream“ bedankte er sich bei allen Weggefährten für eine „tolle Zeit.“ Gesanglich unterstützt wurde er von Sängerin Claudia Krahe. Gemeinsam sangen sie: „Es war mein Traum einmal im Leben in Heimersheim Prinz zu sein“, um dann noch festzustellen: „Ihr Närrischen Landskroner lasst mich nicht mehr los.“
Besondere Ehrungen zur 25-jährigen KG-Mitgliedschaft erhielt Roswitha Marquardt, für das Jubiläum „Vor 11 Jahren Prinz“ Manfred Prior sowie für das 25-jährige Prinzenjubiläum Dieter Schaefer. In Heimersheim findet die närrische Zeit am 24. Januar mit dem Prinzenball, am 25. Januar mit der Kindersitzung und der großen Prunksitzung am 31. Januar seine Fortsetzung. rere
Musikalisch verabschiedete sich Ex-Prinz Werner.
Zackig marschierten die Garden auf der Bühne.
