Das menschliche Gehirn - ein Wunderwerk
Prof. Dr. med. Georg Kreutzberg referierte
Bad Neuenahr. Der bekannte Neuropathologe und Ururenkel des Gründers von Bad Neuenahr, Prof. Dr. Dr. h.c. Georg Kreutzberg, hielt einen Vortrag mit dem Titel „Das menschliche Gehirn, ein Wunderwerk mit vielen Wirklichkeiten“ im Kurhaus des Ortes. Über 150 wissbegierige Zuhörer fanden sich ein, um den emeritierten Direktor des Max Planck Instituts für Neuropathologie über seinen Fachbereich referieren zu hören. Der Abend, der von Barbara Knieps von der Heilbad-Gesellschaft organisiert wurde, begann mit einem Grußwort des pensionierten Chefarztes Dr. Gerhard Kreuter, der den Professor seit Jahren kennt.
Kreuter erwähnte in seiner Ansprache, dass Kreutzberg ein gebürtiger Bad Neuenahrer mit illustrer Ahnenreihe ist. Sein Ururgroßvater, der auch Georg Kreuzberg hieß (allerdings ohne „t“) war der Entdecker der Apollinaris-Quelle und Gründer des Heilbades vor 157 Jahren. Sein Vater, Dr. med. Josef Kreutzberg, vermittelte seinen beiden Söhnen die Liebe zur Medizin, die Georg Kreutzberg unter anderem in Bonn und Freiburg studierte. 1957 legte er die Staatsexamina in den Fächern Medizin und Psychologie ab und promovierte zum Dr. med. Nach klinischer Tätigkeit an mehreren Universitätskliniken folgte die Fachausbildung in Neuropathologie (Erforschung der Erkrankungen des Gehirns und des Nervensystems) in Bonn. Als sein dortiger Chef den Ruf nach München erhielt, lud er seinen Mitarbeiter ein, ihn dorthin als wissenschaftlicher Assistent zu begleiten. Ab 1961 war Kreutzberg am Max Planck Institut für Psychiatrie in München beschäftigt, mit Forschungstätigkeiten in Cambridge, Massachusetts (USA), und der Rockefeller University in New York. Er habilitierte an der TU München, wo er 1977 zum Professor für Neuropathologie ernannt wurde.
Seit 1978 Direktor am Max Planck Institut
1978 wurde er Direktor am Max Planck Institut, das er von 1985 bis 1995 leitete. Das Max Planck Institut für Neurobiologie in Martinsried bei München ist das älteste Hirnforschungs-Institut der Welt. Im Gespräch mit „Blick aktuell“ erklärte Kreutzberg, dass die Berufung an das Institut den Höhepunkt seiner Karriere darstellte, obwohl ihn der Schritt vom Arzt zum Wissenschaftler vor eine schwere Entscheidung stellte. „Ich habe den Beruf als Arzt, der Menschen hilft, sehr geliebt“, so der Professor. Seit seiner Emeritierung 2000 ist Kreutzberg mit Vorträgen, in Ehrenämtern und als Berater tätig.
International bekannte wissenschaftliche Arbeiten
Kreuter hob in seiner Rede hervor, dass Kreutzbergs experimentell-wissenschaftliche Arbeiten über Hirn- und Nervenkrankheiten international große Beachtung fanden und er der am meisten zitierte Forscher auf dem Gebiet der Neuropathologie ist. Im Jahre 2007 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, auch in Würdigung seiner ehrenamtlichen Tätigkeiten.
Kreuter begrüßte auch die in Bad Neuenahr lebende Schwester und die Ehefrau des Professors. Die Familie Kreutzberg hat zwei Söhne und lebt in München. Georg Kreutzbergs Bruder, der im Ahrtal bekannt war als der „Herzdoktor“, Professor Dr. Bernhard Kreutzberg, ist leider vor neun Jahren verstorben. Er war neben seiner medizinischen Tätigkeit auch ein großer Kunstliebhaber und Heimatforscher.
Zu Beginn seines Vortrags hob Kreutzberg seine Verbundenheit mit Bad Neuenahr hervor, einerseits durch die Verwandtschaft mit dem Gründer des Ortes und andererseits durch die Kindheit, die er hier verbrachte. Er habe, so der Professor, prägende Jahre in einem Ort verbringen dürfen, der das große Glück hatte, den Krieg fast unzerstört zu überstehen. So konnte 1946 die Bäderkultur wieder aufgenommen werden, ohne dass große Schäden repariert werden mussten.
„Wissenschaft bestimmt unser Leben“
In seinem Vortrag zum Thema menschliches Gehirn verglich Kreutzberg die Leistung des Gehirns mit der Datenkapazität eines Computers, wo mögliche 100 Millionen MIPS (Million Computer Instructions per Second) des Computers den möglichen 100 Billionen des Gehirns gegenüberstehen. In verständlicher Form erklärte der Wissenschaftler dem Publikum Aufbau und Funktionsweise von Hirnzellen. Es folgte ein Exkurs über die vielen verschiedenen Zentren im Gehirn, die zum Beispiel der Sprache dienen oder dem Sehen. Anhand von Beispielen zeigte Kreutzberg, dass das Gehirn physiologische Eindrücke in kognitive Strukturen umwandeln kann.
Am Ende seines Vortrags zeigte Kreutzberg eine kurze Drei-D-Visualisierung mit dem Titel „Flug durch ein gläsernes Gehirn“. Sie zeigte die Gehirnaktivität eines Menschen beim Lesen. Die verschiedenen Farben, die durch das transparente Gehirn blitzen, repräsentieren verschiedene Frequenzbänder und die dominanten goldenen Fibern zeigen anatomische Verbindungsleitungen.
Im Anschluss an den eindrucksvollen einstündigen Vortrag folgte eine halbstündige Periode für Fragen aus dem Publikum, die lebhaft genutzt wurde und zeigte, wie gut es dem Vortragenden gelungen war, den Zuhörern die fesselnde Materie der menschlichen Neurobiologie verständlich zu machen.
