Vorstand der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr schreibt Brandbrief
„Provinzstreitereien schaden nur der Stadt“
Christoph Reinicke: Verlauf der Hauptversammlung könne nur als Armutszeugnis für die Kommune wahrgenommen werden
Bad Neuenahr. Die Hauptversammlung der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr (wir berichten in dieser Ausgabe) ist kaum vorbei, da gibt es schon die ersten Nachhutgefechte. Drei Tage nach der turbulenten achtstündigen Aktionärsversammlung macht AG-Vorstand Christoph Reinicke seinem Unmut in einem Brief Luft, den er an die zehn Mitglieder des Stadtrates von Bad Neuenahr-Ahrweiler schickt, die ebenfalls bei der Sitzung anwesend waren. Mit ihnen geht er hart ins Gericht und fordert ein Umdenken im Hinblick auf ihr Verhältnis zur Aktiengesellschaft.
In dem Brief, der „BLICK aktuell“ vorliegt, heißt es unter anderem: „Als gewählter Vertreter dieser Stadt, der einzig mit der Umsetzung aller Maßnahmen zum Wohle von Bad Neuenahr-Ahrweiler beauftragt ist, haben Sie in der Hauptversammlung am Freitag eine Rolle eingenommen, die an die eines willigen Büttels erinnert - wenn nicht sogar an die eines bestellten Claqueurs für diesen Rechtsbeistand Ihrer Stadt. Mein Verständnis von einem gewählten Stadtvertreter sieht sehr viel anders aus.“
Niveaulos und dilettantisch
Reinicke begründet diese Auffassung so: „Der Verlauf der Hauptversammlung kann nicht anders als ein Armutszeugnis für die Kommune wahrgenommen werden.“ Das sei doppelt schade, weil nicht nur die Teilnehmer das Fazit „Ich schäme, mich“ ziehen könnten, sondern Bad Neuenahr-Ahrweiler durch die überregionale Berichterstattung erneut zum Gespött der gesamten Region geworden sei. „Ist das Ihre persönliche Zielsetzung für diese wunderschöne Stadt?“, fragt der AG-Vorstand. Anders sei es für ihn nicht zu erklären, dass mit Billigung der Ratsmitglieder der Vertreter der Stadt, Anwalt Dr. Thomas Heidel aus Bonn, „in einer derart niveaulosen, unvorbereiteten und dilettantischen Art die Anliegen der Stadt vorträgt.“
Auch der von Heidel im Namen der Stadt angebotene „Deal“, den Prüfauftrag zur Spielbankmiete fallen zu lassen und dafür eine Tochtergesellschaft ausgerechnet des Beratungsunternehmens Pricewaterhouse Cooper als Prüfer einzusetzen, sei an Niveaulosigkeit nicht mehr zu überbieten und führe alle seitens der Stadt erhobenen Vorwürfe gegenüber der AG bezüglich undurchsichtiger Vorgehensweisen mehr als nur ad absurdum. „Offen bleibt, welche wahre Strategie hinter diesem Umgang der Stadt mit einem der großen Arbeitgeber Bad Neuenahr-Ahrweilers steht“, fragt Reinicke. Die Erklärungsansätze, die seitens der Wirtschaft und Politik an ihn herangetragen würden, seien allesamt nicht schmeichelhaft für das hiesige Selbstverständnis der Kommunalpolitik.
Inwieweit war die Stadt selbst involviert?
Glücklicherweise habe die Stadt die inhaltliche Frage als Prüfauftrag nicht zurückgenommen, und dank der besonnenen Haltung der Interessengemeinschaft der Aktionäre der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr GbR (IG) als Mehrheitsaktionärin sei dies auch als Auftrag angenommen worden, freut sich Reinicke. „So können nun mit unserer vollsten Unterstützung die schon lange im Raum stehenden Fragen geprüft und geklärt werden. Inwieweit natürlich auch die Stadt hier involviert war, die seit 1983 im Aufsichtsrat durch den Bürgermeister als stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden vertreten ist und demzufolge auch seitdem von allen sogenannten ‚Machenschaften‘ gewusst haben muss, wird in diesem Zuge dankenswerterweise ebenfalls geklärt.“
Dass der Bürgermeister während einer Hauptversammlung demonstrativ nicht am Tisch der Aufsichtsräte gesessen habe, sieht Reinicke als „Beleidigung des Souveräns Hauptversammlung und der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat.“ Diese Vorgehensweise spreche bedauerlicherweise dem Niveau der gesamten kommunalen Beiträge.
Die AG-Chefs bitten die Ratsmitglieder nun um konkrete Auskunft, ob diese auch die Interessen von hunderten Bewohnern und Mitarbeitern samt Familienangehöriger der „Villa Sibilla“ sowie hunderten Mitarbeitern einschließlich Familienangehöriger der AG vertreten wollten, „oder ausschließlich die auf niederen Beweggründen basierenden revanchistischen Interessen einiger weniger Vertreter der Stadt.“
Stadt und AG nur gemeinsam erfolgreich
Stadt und AG können jedoch nach seiner Ansicht nur gemeinsam erfolgreich sein, dies habe er auch immer wieder unterstrichen. „Die Provinzstreitereien schaden zurzeit ausschließlich der Stadt, die nicht zuletzt durch ihr Zutun bundesweit der Lächerlichkeit preisgegeben wird“, schreibt Reinicke weiter, und: „Welcher Erholungssuchende wird sich dieses Tollhaus für einen Aufenthalt auswählen?“ Die AG wünsche sich ungeachtet der aktuellen Meinungsverschiedenheiten einen konstruktiven Austausch mit der Stadt und wolle auch künftig zu einer positiven Außendarstellung beitragen.
