Drei ehrenamtliche Kräfte erhielten Ernennungsurkunden und Ausweise
Sicherheit für Senioren verbessern
Kreisstadt. Aus den Händen des Ersten Beigeordneten Detlev Koch erhielten kürzlich in der Stadtverwaltung Helmi und Rainer Stuckenschmidt sowie Peter Fischbach ihre Ernennungsurkunden zu Seniorensicherheitsberatern für Bad Neuenahr-Ahrweiler. Sie sollen künftig in persönlichen Gesprächen mit Interessenten über Kriminalität gegen und Gefahren für Senioren informieren, Vorträge beispielsweise in Altenheimen oder anderen Einrichtungen halten und als Ansprechpartner für sicherheitsrelevante Fragen von älteren Menschen in der Kreisstadt fungieren. Dafür sind sie künftig über das Mehrgenerationenhaus in Bad Neuenahr erreichbar, auch über regelmäßige Beratungsstunden.
„Mit dem heutigen Tag wird ein neues ehrenamtliches Kapitel der Stadt aufgeschlagen“, zeigte sich Detlev Koch glücklich über das freiwillige Engagement der drei neuen Seniorensicherheitsberater, die relativ schnell gefunden werden konnten. Auch Manfred Berg vom Zentrum Polizeiliche Prävention des Polizeipräsidiums Koblenz betonte die Wichtigkeit dieses Schritts: „Wir sind froh, dass sie sich gemeldet haben. Damit löschen wir in Sachen Seniorensicherheitsberatung den letzten weißen Fleck von der Karte unseres Dienstgebiets.“ Ins Leben gerufen wurde das Konzept der Seniorensicherheitsberatung bereits 1995 von der Polizeidirektion im hessischen Friedberg. 1998 übernahm es das Polizeipräsidium Koblenz, das als größte Polizeibehörde in Rheinland-Pfalz mit rund 2.600 Mitarbeitern ca. 1,21 Millionen Einwohner betreut. Vorreiter war damals der Rhein-Lahn-Kreis mit 18 Seniorensicherheitsberatern. Mittlerweile sind im Bereich des Polizeipräsidiums 300 Kräfte ausgebildet worden, von denen aktuell noch rund 200 aktiv sind. Die Fluktuation ist mitunter hoch, da die meist älteren Berater die Arbeit nur einige Jahre ausüben können.
Multiplikatoren statt Hilfssheriffs
„Die Seniorensicherheitsberater sind keine Hilfssheriffs“, betonte Manfred Berg. „Sie stellen aber wichtige Multiplikatoren für die Polizei dar und sind zentrale Bindeglieder zwischen Kommunen, Polizei und Bürgern.“ Im Vorfeld wurden die ersten drei Berater in der Kreisstadt in einer zweitägigen Schulung in Altenkirchen und Koblenz für ihre Aufgaben fit gemacht. „Fachkräfte des Polizeipräsidiums Koblenz unterrichteten Themen wie subjektives Sicherheitsgefühl, Verhalten in Notsituationen, Straßen- und Haustürkriminalität, die Absicherung von Gebäuden und natürlich Verkehrssicherheit“, erklärte Manfred Berg. Ein Schwerpunkt lag dabei auf dem auch in Bad Neuenahr-Ahrweiler brisanten Thema der Trickbetrügereien. Aber auch Opferschutz und Zivilcourage bildeten wichtige Inhalte.
Ein Dienstausweis wird die drei Seniorensicherheitsberater künftig legitimieren. Er ist auf zunächst zwei Jahre befristet und verlängert sich automatisch, wenn die Arbeit des jeweiligen Beraters den Vorstellungen von Stadt und Polizeibehörde entspricht und dieser weiterarbeiten möchte. Das ist für die ersten Seniorensicherheitsberater der Kreisstadt aber keine Frage. Alle drei engagieren sich bereits seit Jahren ehrenamtlich.
Aufgrund seiner langjährigen beruflichen Tätigkeit am erfahrensten in Sicherheits- und sonstigen polizeilichen Fragen innerhalb des Trios ist Peter Fischbach. Der pensionierte Kriminalbeamte im Bundeskriminalamt, zuletzt in Meckenheim tätig, wohnt seit 1987 in der Kreisstadt, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Ihm gefällt an seiner neuen ehrenamtlichen Tätigkeit, dass es „ein niederschwelliges Angebot“ ist, das gerade für Senioren die Hemmschwelle eines Behördengangs senke.
Der ehemalige Bundeswehroffizier Rainer Stuckenschmidt hat schon früher andere Menschen auf Sicherheitsfragen angesprochen, etwa im Ehemaligenverein der Bundeswehr. „Allerdings hatte das ein Geschmäckle“, sagt der 67-jährige gebürtige Hesse. „Denn leicht kann gefragt werden: ,Warum mischt der sich ein?‘ Jetzt ist es mir im Rahmen meiner ehrenamtlichen Tätigkeit auch ganz offiziell möglich, Sicherheitsfragen anzusprechen.“ In Sachen Sicherheit sehe er Bad Neuenahr-Ahrweiler im Vergleich zu anderen Kommunen gut aufgestellt, doch wolle er gerade deshalb dafür sorgen, dass dies so bleibe. Helmi Stuckenschmidt ist seit 2006 mit Ehemann Rainer verheiratet und hat zwei Kinder aus einer früheren Beziehung. Die ausgebildete Paramentenstickerin, Hausfrau und nach einem Kunststudium als freie Künstlerin tätige gebürtige Wuppertalerin möchte Senioren sensibilisieren für Sicherheitsthemen. „Oftmals sehe ich ältere Menschen mit Rollatoren, auf denen Wertgegenstände offen zu sehen sind. Bislang habe ich diese dann auf das Problem angesprochen.“ Und sie ergänzt: „Auch Jüngere sollten in solchen Fällen auf die Senioren Acht geben.“
Tätigkeitsfeld ausdehnen?
Das ist auch der Grund für Polizist Manfred Berg, Sicherheitsthemen und -beratung weiter zu fassen und nicht nur auf die Gruppe der Senioren zu beschränken. Schon heute gäbe es für alle Bürger der Kreisstadt die kostenlose Beratung zum Einbruchschutz. Man könne sich auch vorstellen, dass Mitarbeiter Mängelkarten verteilen könnten, auf denen sie Mitbürger auf offenstehende Fenster oder überquellende Briefkästen aufmerksam machten, die für Einbrecher Hinweise auf mögliche Ziele seien. Auch das Verhalten an Bankautomaten bedürfe selbst bei jüngeren Menschen eingehendere Kenntnisse, als bislang vorhanden seien. „Solche Themen betreffen alle“, betont Manfred Berg daher. Er könne sich daher durchaus vorstellen, das Tätigkeitsfeld der Sicherheitsberater künftig auf alle Gesellschaftsgruppen zu erweitern und den heutigen Begriff des Seniorensicherheitsberaters dahingehend zu verändern. Das ist aber noch Zukunftsmusik. Gegenwärtig ist es Ziel der Verantwortlichen, weitere Seniorensicherheitsberater zu gewinnen. Zehn bis 20 Personen sollen es mittelfristig in der Kreisstadt sein, konkrete Termine für die nächste Ausbildung sind jedoch noch nicht gesetzt. Begrüßt wird von allen, dass die Zuverlässigkeitsüberprüfungen der Berater nach der Reklamation einer Andernacher Juristin künftig reduziert werden. „Wir hatten schon Bedenken, dass ansonsten einige abspringen könnten“, ist auch Manfred Berg über die Änderung erleichtert. Jährliche Gespräche, Fortbildungen und Unterstützung von Vorträgen sollen die Qualität der Seniorensicherheitsberatung gewährleisten. Eine der ersten Chancen, die Arbeit der Seniorensicherheitsberater kennenzulernen, bietet am 21. August ab 17 Uhr eine dreistündige Moderation zum Thema Zivilcourage im Mehrgenerationenhaus. Dieses wird, wie erwähnt, künftig auch Anlaufstelle für Interessenten zum Thema Seniorensicherheit sein. Kontakt: Westendstraße 6, Bad Neuenahr, Tel. (0 26 41) 8 71 65, marion.surrey@bad-neuenahr-ahrweiler.de. Informationen zum Beratungsangebot können in Kürze auch über die Internetseiten des Mehrgenerationenhauses (www.mehrgenerationenhaus-bnaw.de) und der Stadt (www.bad-neuenahr-ahrweiler.de) abgerufen werden.
