110. Jubiläum des Eifelvereins Ahrweiler
Stolze Zeitspanne gebührend gefeiert
Feier in der Lourdes-Hütte in Bachem mit zahlreichen Gästen - Rückblick auf die Vereinsgeschichte
Bachem. „Der Rheinländer feiert gerne, und 110 Jahre sind allemal Grund genug. Und darüber hinaus werden viele von uns nicht noch 15 Jahre bis zum 125-Jahr-Jubiläum warten wollen oder können.“ Heinz Ahrendt, ursprünglich aus Delmenhorst und seit 2011 Vorsitzender des Eifelvereins Ahrweiler, hatte sich zunächst gewundert, als seine Vorstandskollegen den 110. Geburtstag der Ortsgruppe und damit ein „kleines Jubiläum“ feiern wollten, „für mich als zugewanderter Norddeutscher war es ja kein besonderer Anlass zum Feiern“. Aber dann ließ er sich überzeugen - und tat gut daran, denn sonst hätten die rund 60 Anwesenden einen wunderschönen Sonntag in der Lourdes-Hütte im Bachemer Wiesental nahe der Lourdes-Kapelle verpasst. Zwei fehlten allerdings leider: Ehrenvorsitzender Albert Kirfel und seine Ehefrau Magdalena hatten kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen abgesagt, waren aber sicher im Herzen vieler Anwesender dabei.
Für den Vorsitzenden Heinz Ahrendt „sind 110 Jahre schon eine stolze Zeitspanne. Die Gründung liegt in einer Zeit, als das Heimatgefühl und das Wandern großen Aufschwung in Deutschland nahmen. Und so ist es bis heute geblieben“, betonte er in seiner Begrüßung. „Auch die dazwischenliegenden zwei großen Kriege konnten die regelmäßige Wandertätigkeit nicht lahmlegen. Und schon bald nach Kriegsende begann man wieder, sich um die Neugründung des Vereins zu kümmern. Im Eifelverein hat es in den mehr als 100 Jahren naturgemäß einigen Wandel gegeben, sowohl hinsichtlich des Vereinszwecks als auch bei der Mitgliederstruktur. Eines hat sich nicht gewandelt: die Freude am Wandern und an den Natur- und Kulturschönheiten unserer Heimat und die nette Gemeinschaft sowie das gute menschliche Miteinander. Und so soll es auch weiterhin bleiben.“
Die Naturverbundenheit und das Miteinander lobten auch die anderen Redner. Stadtbeigeordneter Rudi Frick informierte zudem die Anwesenden, dass die Stadt derzeit das heimische Wandernetz überprüfe und dabei sei, einen Wanderführer zu gestalten. Für die Eifelvereinortsgruppe hatte er zudem einen „Jubiläumsbetrag“ der Verwaltung mitgebracht, wofür sich der Vorsitzende Heinz Ahrendt erkenntlich zeigte: „Die Stadt war uns gegenüber immer sehr großzügig - wie auch bei den anderen Vereinen in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Das ist eine echte Seltenheit für eine Kommune, selbst für Rheinland-Pfalz gesehen, wo die ehrenamtliche Vereinsarbeit noch verhältnismäßig gut unterstützt wird. Wir wissen das zu schätzen und nehmen das Geschenk gerne an.“
Beitrittserklärung mitgebracht
„Sie werden sagen, der freut sich noch, dabei zu sein, weil er gerade erst neu dabei ist“, scherzte Ahrweilers neuer Ortsvorsteher Peter Diewald. „Aber ich selber bin zusammen mit meiner Frau sehr wanderfreudig, auch wenn ich sicher nicht an Ihre Kilometerleistung herankomme. Daher freue ich mich wahnsinnig, hier zu sein.“ Freude müsse auch die Arbeit als Vorsitzender bei der Ortsgruppe bereiten, da erst der Fünfte in 110 Jahren seit Gründung im Jahr 1894 amtierte.
An den 73-jährigen Heinz Ahrendt gewandt sagte er: „Ich wünsche Ihnen, dass Sie noch ein paar Jahre aufsatteln und auch beim 125. Jubiläum den Verein führen. Dann wären Sie in der Tat der Methusalem des Eifelvereins“, sagte Peter Diewald in die lachende Runde.
Der Ortsvorsteher lobte den Verein, der modern geblieben sei, was sich beispielsweise am „wunderbaren Internetauftritt“ erkennen lässt, und wünschte, „dass Sie auf der Höhe der Zeit bleiben“. Als Geschenk zum Jubiläum hatte er zwei gute Tropfen von der Ahr („Mein Etat ist eben geringer als der des Bürgermeisters“) und noch wichtiger eine Beitrittserklärung mitgebracht.
Die kann die Ortsgruppe sicherlich gebrauchen, denn das Gros der aktuell 167 Mitglieder, nämlich 108, sind älter als 70 Jahre, nur 22 sind unter 60 Jahre, davon nur drei unter 50 Jahre. Vorsitzender Heinz Ahrendt würde sich daher mehr jüngeres Blut wünschen und blickt ein wenig neidisch auf die Ortsgruppe Altenahr, die eine Kindergärtnerin im Vorstand hat, die bereits die Kleinsten für das Wandern begeistert. Zudem besäße der Verein dort eine eigene Hütte, die der Ortsgruppe Ahrweiler einfach fehle. Nur nach dem Bau und Einweihung der Adenbachhütte im Jahr 1979 wurde diese für fünf Jahre bewirtet, was aus personellen Gründen aber aufgegeben worden sei.
„Leider ist die Lücke zu den Jüngeren zu groß geworden. Zwar bleibt die Mitgliederzahl in der Vergangenheit dank Eintritten relativ konstant, jedoch sind die Neuen meist Frührentner“, bedauerte Heinz Ahrendt die fehlenden Jungen im Verein. Zwei Drittel der Mitglieder seien heute Frauen, oft alleinstehende, sodass die Ortsgruppe auch positive gesellschaftliche Aufgaben erfülle. Neu sei aber eine Kooperation mit dem TuS Ahrweiler im Rahmen von Mitwanderangeboten, die eventuell neue Interessenten anlocken könnten.
Hochmoderne Vereinsziele
Trotz eines Auftritts bei der 125-Jahr-Feier der Eifelverein-Ortsgruppe Adenau hatte sich auch der Vorsitzende der Bezirksgruppe Ahrweiler im Eifelverein, Landrat Dr. Jürgen Pföhler, sein Kommen nicht nehmen lassen, denn: „Ahrweiler ist die Stadt der Jubiläen - unter 100 Jahre geht anscheinend nichts“, lachte der Landrat. Die Ziele des Eifelvereins seien weiterhin „hochmodern“. „Wandern, die schöne Natur bewahren, Landschaftspflege, heute würde man diesbezüglich von einem nachhaltigen ökologischen Wirtschaften sprechen“, so Jürgen Pföhler. Außerdem würde der Eifelverein einen Beitrag zur Gesundheits- und Fitnessregion leisten, die für den Kreis enorm wichtig sei.
„So unternahm der Ahrweiler Verein beispielsweise im vergangenen Jahr 49 Mittwochswanderungen, brachte dabei rund 400 Wanderkilometer hinter sich und setzte 831 Personen in Bewegung. Die 26 größeren Planwanderungen hatten ebenfalls eine Gesamtstrecke von rund 400 Kilometern, und insgesamt 540 Wanderfreunde waren dabei. Das alles zeigt die Leistungsfähigkeit des Vereins.“
Jürgen Pföhler schloss: „Ohne ein solches ehrenamtliches Engagement, wie es hier in Ahrweiler an den Tag gelegt wird, wäre das Überleben der Ortsgruppe nicht möglich. Bitte bleiben Sie so, wie Sie sind.“
Auch der Landrat hatte noch einen Scheck für den Vorsitzenden Heinz Ahrendt dabei. Nach dem Mittagessen und einer Gelegenheit zu kurzen Spaziergängen folgte eine Präsentation des Ortsgruppenvorsitzenden. Dabei gab er einen Abriss über die Geschichte des Eifelvereins Ahrweiler - der für die ersten 40 Jahre schwierig war, da die Quellenlage äußerst dünn ist, weil die Vereinsunterlagen bis in den Zweiten Weltkrieg hinein am 4. Dezember 1944 durch Bombardierungen verloren gingen.
Neugründung 1949
Am 22. April 1946 wurde die erste Wanderung nach dem Zweiten Weltkrieg durchgeführt. Doch erst im Juni 1949 erteilt die Besatzungsbehörde die Genehmigung zur Neugründung der Ortsgruppe. Neuer Vorsitzender wurde Wilhelm Dahm. In der Jahreshauptversammlung 1975 wurde Albert Kirfel zum Nachfolger von Wilhelm Dahm als Vorsitzender gewählt. Das 100. Jubiläum feierte die Ortsgruppe im März 2004 im Bürgerzentrum. Ab 1976 wurden die Aktivitäten durch wöchentliche Halbtagswanderungen erweitert. Nach längerer Anlaufzeit wurde 1996 auch das Radwandern in den Jahresplan aufgenommen; im Sommerhalbjahr wird monatlich vornehmlich in der weiteren Umgebung von Ahrweiler geradelt. Seit 1997 werden zudem jährliche Wanderwochen innerhalb Deutschlands organisiert.
Wenn es ums Wandern geht, wird der Eifelverein Ahrweiler heute gerne gefragt und seine Expertise in Anspruch genommen. Für die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler markiert die Ortsgruppe Rundwanderwege neu und erweitert auch das Wandernetz, aktuelles Stichwort Traubenpfade. Für den Ahrtal Tourismus organisiert sie Wanderprogramme für Gäste, organisiert, beschildert und führt beim Ahrtaler Gipfelfest, hat den Premiumweg AhrSteig erstmarkiert und die Wegepatenschaft übernommen, bietet den AhrSteig Erlebnistag an und hat eine neue Wanderbroschüre mit Rundwanderwegen entworfen. Für die Heilbad Gesellschaft hat die Ortsgruppe die Medizinischen Kurwege neu bearbeitet, die Wanderwege für eine neue Broschüre beschrieben und die Aufnahme der GPS-Tracks für Neue Medien (Navigation) durchgeführt.
(Von links) Günter Frömbgen, Reiner Jakobs und der Vorsitzende Heinz Ahrendt schmökerten im alten Wander- und Fotobuch.
