Szenen aus dem grünen Paradies
Anmerkungen zum Beitrag „Erhaltungssatzung wird immer dringlicher"Blick aktuell" im BLICK aktuell 39, S. 15
Einer der von Herrn Schlagwein mehrfach beschworene Heimatkundler hat sich längst gefunden und das besagte Gebäude für Vorträge fotografisch archiviert. Dieser Heimatkundler wäre froh, hätte man alle die baufälligen, mit Lehm beworfenen und strohgedeckten windschiefen Bauernkaten, die im Verlaufe der Heilbadentwicklung abgerissen wurden, ebenso archiviert. Diese waren mit Sicherheit bauhistorisch wesentlich interessanter, als die nach 1860 begonnenen und immer wieder erweiterten und schlussendlich mit einer die Bauhistorie imitierenden Fassade aufgepäppelt wurden. Hier tobte sich dann der „Bad Neuenahrer Barock“ aus! Es lässt sich natürlich aus einem modernen Gebäude heraus leicht von anderen verlangen, schlechte Bausubstanz mit viel Eigenkapital notdürftig aufzupäppeln. Ich selber kann ein Lied davon singen, welche Summen dabei mit welchem Nutzungsergebnis verbraten werden!
Der grünen Logik zufolge, die lieber ganze Landschaften mit Windkraftanlagen verschandelt, müssten wir eigentlich noch mit ochsenbespannten Fuhrwerken und Pferdedroschken durch Bad Neuenahr fahren. Eine Kanalisation hätten wir dann auch noch nicht. Ich mag mir nicht ausdenken, wohin das geführt hätte, wenn sich ideologisch geprägter Sozialneid gegen den Fortschritt gestemmt hätte. Wir würden uns heute noch in einem grünen Paradies unter Baumwipfeln von Ast zu Ast schwingen und seltene Tierarten roh verspeisen.
Hans-Jürgen Ritter
Bad Neuenahr-Ahrweiler
