Pfarrfest in Ahrweiler
Talk am Markt bildete Abschluss des Pfarrfests
Rockkonzert am Freitag mit bekannten Bands - neue Beleuchtungsanlage vorgestellt
Ahrweiler. Auf Knopfdruck ist die St.- Laurentius-Pfarrkirche in Ahrweiler im Inneren erleuchtet und spart ganz nebenbei noch Energie. Gedimmt bei Morgenmessen, hell bei Festen – die neue Beleuchtungsanlage kann viel, kostete aber auch viel: rund 180.000 Euro. Um die Kosten zu decken – auch aufgrund immer geringerer Zuschüsse – begab sich die Pfarrei auf die Suche nach sogenannten Lampenpaten – und wurde in Ahrweiler bei 48 von 60 Lampen fündig. Privatleute und Vereine hatten sich daran beteiligt.
Eine Spezialfirma hatte die Anlage mit ihren 60 Leuchtquellen über vier Wochen installiert. Dafür musste die Pfarrkirche drei Wochen lang geschlossen werden. Geplant ist noch, besondere Stellen in der Kirche nach Zahlung eines kleinen Betrages in einem Münzautomaten anzuleuchten und so für Besuchergruppen interessant zu machen. Beim Ahrweiler Pfarrfest wurde die neue Anlage vorgestellt als ein Höhepunkt eines bunten Programms.
Das begann bereits am Donnerstag mit dem traditionellen Seniorengottesdienst und dem gemütlichen Beisammensein bei „Quetsch“-Musik und Klaaf in der Zehntscheuer. Am Freitag feierte dann die Jugend ihr Pfarrfest mit einem Rockkonzert und 300 Gästen bei „Rock am Markt“. Umsonst und draußen boten Bands mit Namen wie Kochkraft durch KMA und Lake Cisco harte Gitarrenriffs mit deutschen und englischen Texten auf der Festbühne.
Raphael Mausberg von der Katholischen Jugend freute sich über Besucher aller Generationen, die bis kurz vor Mitternacht feierten. „Das zeigt uns, dass wir weitermachen wollen“, sagte er. Denn im vergangenen Jahr war das Rockkonzert „personell bedingt“ ausgefallen. In diesem Jahr hat er gemeinsam mit drei weiteren Helfern das Konzert wieder auf die Beine stellen können.
Der Samstag ging ebenso modern weiter. Denn mit einem so genannten „Evesong“ wagte die Pfarrei ein Experiment. Aus einer Abendmesse wurde eine Andacht mit biblischen und meditativen Texten, die musikalisch vom Kirchenchor begleitet wurde. Gemeinsam mit Dechant Jörg Meyrer hatten sich Bärbel Knieps, Mildred Ruppert und Irmgard Friedrichs darum gekümmert. Ein Angebot, das im nächsten Jahr fortgesetzt werden soll. Beim Dämmerschoppen näherten sich die Besucher am Abend dem Kern des Pfarrfestes, das bereits zum 27. Mal gefeiert wurde: Begegnungen und Gelegenheit zum Austausch.
Der letzte Festtag begann mit einem Familiengottesdienst, der sich familiengerecht den drängenden Fragen der Kirche in diesen Tagen widmete: Wie können die Kritik und die personellen Probleme in neue Energie umgewandelt werden? Der Gottesdienst warb dafür, die Probleme als Chance für die Gemeinde zu verstehen. Neben Kinderschminken, Bücherbasar und Kirchenführungen war der Festtag vor allem musikalisch. Zum Frühschoppen bot der Ahrweiler Spielmannszug unter der Leitung von Marcus Sebastian traditionelles Liedgut, während Klaus-Dieter Holzberger am Nachmittag die Pfeifen der Orgel erklingen ließ. Der Spiel- und Spaßabend wurde in diesem Jahr abgesagt.
Stattdessen diskutierten Kirchenvertreter aus dem gesamten Bistum und der Pfarreiengemeinschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler über die Zukunft der katholischen Kirche – unter dem Namen Synodentalk. Dabei zeigte sich, dass die Ehrenamtlichen nicht nur Verantwortung übernehmen wollen, sondern auch aktiv mitentscheiden möchten.
Sie plädierten für weniger Dogmatismus und Formulare und wollen mehr Projekte und Aktionen vorantreiben. Das waren nur einige der Erkenntnisse des Talks auf der Bühne auf dem Ahrweiler Marktplatz. Mit Sachwissen führte Nicole Stockschläder durch die Diskussion zur Zukunft der Kirche, die von zahlreichen Zuhörern interessiert verfolgt wurde. Sie alle spüren, wie sich die katholische Kirche in der Region verändert. Die neu gegründete Pfarreiengemeinschaft ersetzt die örtlichen Pfarreien mit ihren eigenen Pfarrern.
Das Ziel: eine Pfarrei mit einer eigenen Identität. Die katholische Kirche leidet nicht nur unter Priestermangel, sondern auch unter rückläufigen Mitgliederzahlen. Antworten auf die Frage nach der Kirche der Zukunft versuchen seit rund einem Jahr Mitglieder der Synode zu geben, die auf Bistumsebene arbeiten. Die Mitglieder sind sowohl Priester und pastorale Mitarbeiter als auch Ehrenamtler. Die Ergebnisse dieser Synode waren Teil der abendlichen Diskussion.
„Die Pfarrei, wie wir sie kennen, ist an ihren Grenzen angekommen“, sagte der Gerolsteiner Pfarrer Ralf Pius Krämer. Die Kirche müsse wieder mehr im Leben der Menschen spielen, die Sorgen und Nöte aufgreifen und mit ihnen arbeiten. Dafür brauche es Ehrenamtler, die es begeistern gelte. „Das geht nicht ohne Strukturreformen“, so der Pfarrer. Man müsse ihnen die Möglichkeit zur umfassenden Mitarbeit und echten Beteiligung geben, die auch Positionen in der Leitung beinhalteten.
„Die Verantwortung ebenso wie die Macht sollte dabei auf mehrere Schultern verteilt sein“, so der Pfarrer weiter. Das Thema Ehrenamt war der rote Faden in dieser Diskussion. Der Tenor: Ohne die ehrenamtlichen Mitarbeiter ist kirchliches Leben nicht denkbar. „Wir müssen die Vielfalt der Charismen besser erkennen und nutzen“, erklärte etwa Silvia Groß. „Unbewegliche Strukturen“ seien immer wieder der Grund dafür, dass „Talente nicht entdeckt würden“.
Talente, die die Pfarreien gut gebrauchen könnten. Will heißen: weniger Formalitäten und weniger Dogmen. Es soll also auch möglich sein, mit Ungetauften und geschiedenen Menschen zu arbeiten.
Die dritte Runde des Talks bezog sich auf die lokalen Themen in Sachen Kirche. Konkret ging es um die Zukunft der Pfarreiengemeinschaft - und wie sie erfolgreich bestehen kann. Schon jetzt würden die Pfarreien der Stadt gut zusammenarbeiten, berichtete Rainer Ulrich, Vorsitzender des Pfarreienrates.
Aber es sei noch Luft nach oben, so Ulrich. Geplant sind weitere gemeinsame Projekte, wie etwa ein gemeinsamer Pfarrbrief, eine zentrale Internetseite und andere Projekte. Visionen und Ideen brachte auch Josef Maurer aus Heimersheim als Vorsitzender des Pfarrverwaltungsrates vor. „Der komplizierte Weg bei irgendwelchen Beschlüssen macht die Arbeit unnötig schwer“, sagte Maurer.
An allen Tagen machte die Pfarrgemeinde St. Laurentius aufmerksam auf die anstehenden Pfarrgemeinderatswahlen im November. Dafür fehlen nach eigenen Angaben noch immer Bewerber.
Dechant Jörg Meyrer, vorne, und der stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrates Paul Radermacher.
