Grafschafter Gemeinderat mit knapper Mehrheit
Tongrube Ringen darf vorerst nicht erweitert werden
Das Landesamt für Geologie und Bergbau hat das letzte Wort – Flächen müssen im Besitz des Betreibers sein
Grafschaft. Der Grafschafter Gemeinderat hat in der Vergangenheit immer wieder schlechte Erfahrungen gemacht mit dem Betreiber der Tongrube in Leimersdorf. Ein bisschen musste das jetzt der Betreiber des Tontagebaus „Rudolf“ bei Ringen, die Kettiger Thonwerke Schaaf & Cie. GmbH mit CDU-Fraktionschef Thomas Schaaf an der Spitze ausbaden, bei seinem Antrag, den Hauptbetriebsplan zu erweitern. Das lehnte eine knappe Mehrheit von 14 Ratsmitgliedern ab, nur zwölf wollten dem zustimmen und zwei enthielten sich. Das letzte Wort in der Sache hat allerdings das Landesamt für Geologie und Bergbau in Mainz, das der Empfehlung des Gemeinderates nicht folgen muss und der geplanten Erweiterung dennoch die Zustimmung erteilen kann. Vor allem die Bürger aus Karweiler hatten Bedenken gegen die Erweiterungsfläche „F“, die etwa 18,8 Hektar umfasst und bis auf knapp 100 Meter an den Ortsrand und noch näher an den Tonfelderhof heranreicht. So hatte der Ortsbeirat in seiner jüngsten Sitzung das Vorhaben einstimmig abgelehnt, und auch der Bau- und Planungsausschuss der Gemeinde war mehrheitlich dagegen.
Beeinträchtigte Wohn- und Lebensqualität
Eine ablehnende Haltung signalisierte auch SPD-Sprecher Udo Klein in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates und legte dar, er habe sich sehr detailliert nochmals die Gründe der Karweiler Kollegen erläutern lassen, die zu dieser eindeutigen Position geführt hätten. „Natürlich spielt hierbei auch die Angst der Bürger eine Rolle, dass der Abbau immer näher an die Wohnbebauung heranreicht und damit eine Beeinträchtigung der Wohn- und Lebensqualität der Anwohner darstellt.“ Das sei zwar eine sehr subjektive Bewertung der Situation, zumal der Ortsbeirat Ringen keine Probleme damit gehabt habe.
Entscheidung für die Menschen
Es sei aber immer auch eine Frage, wie betroffen das Thema mache. Die Sorgen und Ängste der Bürger in Karweiler gebe es schon seit Jahren. Dazu gehöre auch die Frage, was mit der Tongrube nach dem Tonabbau werde. „Wer sind dann die Betreiber, und werden diese dann noch genau so verantwortungsvoll mit der Rekultivierung umgehen wie der heutige Eigentümer?“, fragte er sich. Die Ablehnung seiner Fraktion sei allerdings keine Entscheidung gegen den Betreiber der Tongrube "Rudolf", machte Klein noch einmal ganz klar, „es ist eine Entscheidung für die Menschen, die nachvollziehbare Ängste und Bedenken angemeldet haben.“ Karweilers Ortsvorsteher Albert Mertens wies darauf hin, dass sein Dorf ohnehin schon von dem Flugplatz, dem Schießplatz, der Autobahnbrücke und dem Autobahnzubringer sowie dem Verkehrsübungsplatz umzingelt sei, das aber bisher klaglos mitgetragen habe. „Aber das Loch der Tongrube frisst sich immer näher an den Ort heran, und das macht den Bürgern Angst.“ Ganze Generationen werden mit einer Mondlandschaft leben müssen, sagte er voraus, und keiner wisse, was in Zukunft noch alles passieren könne. Außerdem werde der Lärm mittlerweile zu stark für die Karweiler Bevölkerung. Deshalb plädierte er, der Gemeinderat möge ein deutliches Zeichen an die Bürger geben, dass man mit dem nahen Heranrücken an die Ortslage nicht einverstanden sei. Richard Horn (FWG) konnte die Sorgen der Karweilerer ebenfalls nachvollziehen und war der Ansicht, „wenn die Zusicherung da wäre, dass ein gewisser Mindestabstand eingehalten würde, fiele uns die Entscheidung leichter.“
Antrag abgelehnt
Ton abgebaut werden könne an dieser Stelle ohnehin erst, wenn der Tongrubenbetreiber im Besitz der Grundstücke sei oder sie zumindest langfristig gepachtet habe – und das sei derzeit noch nicht absehbar. Die noch nicht vorhandene Einigung mit einem Landwirt, der einen Teil der Flächen besitzt, war auch für Hartmut Wüst (FDP) der Hauptgrund, den Antrag abzulehnen. Mathias Heeb (Grüne) schließlich fand es wichtig, dass es einen solchen Betrieb in der Grafschaft gebe, der ein sehr gutes und sehr gesuchtes Baumaterial abbaue. „Aber entscheidend ist, welche Auswirkungen es auf den einzelnen Bürger hat, und wir sind der Ansicht, dass die Erweiterung zu dicht an die Wohnbebauung heranrückt.“
