Allgemeine Berichte | 22.09.2015

Festkommers am Kirmesmontag in Lantershofen

Tradition bewahren - Veränderung zulassen

Hans-Walter Bender als „Goldmajestät“ und Peter-Josef Schütz als „Silbermajestät“ geehrt

In Lantershofen ist auch am Kirmesmontag der Saal voll, wenn die Junggesellen-Schützen-Gesellschaft zum Festkommers ruft. JOST

Lantershofen. Festlich und fröhlich geht es stets zu, wenn die Lantershofener Junggesellen-Schützen zum Festkommers anlässlich der Lambertus-Kirmes einladen. Der ganze Saal des Winzervereins erstrahlt dann in traditioneller Herrlichkeit, wenn die grün-weiß uniformierten Mitglieder der Junggesellen-Schützen-Gesellschaft Sankt Lambertus und die gesetzteren Herrschaften der Bürgergesellschaft in schwarzem Anzug und Zylinder an den langen Tischreihen Platz nehmen, um gemeinsam die Tradition hochzuhalten. Wobei die Herren allerdings zugeben müssen, dass diese Festgesellschaft ohne die zwei Dutzend bezaubernden Lantershofener Brötchesmädchen, die sich an diesem Vormittag um die Bewirtung der Gäste kümmerten, noch nicht einmal halb so schön wäre.

Alljährlich ist der Festkommers einer der unumstrittenen Höhepunkte der Lambertus-Kirmes, steht hier doch der amtierende Schützenkönig noch einmal voll und ganz im Mittelpunkt des Geschehens. Beim Schützenfest eine Woche zuvor hatte der bisherige Kassierer der Junggesellen-Schützen-Gesellschaft, Marco Böhm, den Königsvogel abgeschossen. Er wurde von Hauptmann Robin Grießel gleich zu Beginn ganz besonders begrüßt, im Laufe des Vormittags wurde mehr als ein dutzendmal auf sein Wohl angestoßen.

Tradition braucht Leute, die sie am Leben erhalten

Robin Grießel beschäftigte sich in seiner Rede mit der Frage, was erforderlich sei, um Tradition und Brauchtum dauerhaft zu erhalten. „Müssen wir uns immer an Traditionen halten und alles so lassen, wie es ist?“, fragte er, um gleich darauf mit einem klaren „Nein“ zu antworten. Schließlich stünden Tradition und Brauchtum in einem immerwährenden Kampf mit der Moderne und der Veränderung. Wenn es die Junggesellen-Schützen in Lantershofen nicht gäbe und heute käme jemand auf die Idee, diese aus der Taufe heben zu wollen, so würde er wohl allerseits auf verständnisloses Kopfschütteln stoßen, vermutete Robin Grießel. Junge Männer in Uniform, die einem König huldigten - das sei heute schlichtweg undenkbar. Wenn es sie nicht eben schon seit 1492 geben würde. Er sah eine kontinuierliche und vorsichtige Anpassung an die jeweilige Zeit als beste Lösung, um Tradition dauerhaft erhalten zu können. So habe auch die Junggesellen-Schützen-Gesellschaft Sankt Lambertus Lantershofen in den vergangenen Jahren einige Änderungen initiiert, die allesamt gut angekommen seien und zum Fortbestand der Gesellschaft beitrügen. Denn die schönste Tradition nutze nichts, wenn es niemanden gebe, der bereit sei, mitzumachen und sie weiterzutragen. „Veränderungen sind wichtig, um Traditionen lebendig zu erhalten“, war der Hauptmann überzeugt.

Schon seit genau zehn Jahren Stammgast beim Festkommers ist Regens Dr. Michael Bollig vom Priesterseminar auf Burg Lantershofen. Schließlich sei er schon 48 Jahre alt und immer noch Junggeselle, schmunzelte er in Anspielung auf seinen Zölibat. Er blickte zurück auf 1492, das Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung der Lantershofener Junggesellen. Immerhin sei das Dorf damals ein reichsunmittelbarer Ort gewesen, der nur direkt dem Kaiser unterstanden habe, während das benachbarte Ahrweiler dem Abt des Klosters Prüm unterworfen war. Noch heute sei in Lantershofen eine Atmosphäre der Freiheit und der Ungebundenheit zu spüren, die das Lebensgefühl hier zu einem wesentlichen Teil ausmache.

„Im Wesentlichen kamen die Rotwein saufen“

Landrat Dr. Jürgen Pföhler gab humorvoll die Spitze gegen Ahrweiler zurück mit der Feststellung, die Lantershofener Junggesellen seien nur deshalb 1492 erwähnt worden, weil sie damals erstmals an der Ahrweiler Fronleichnamsprozession teilgenommen hätten. Er könne sich auch vorstellen, wie das damals abgelaufen sei: „Im Wesentlichen kamen die Rotwein saufen“, sagte er augenzwinkernd. Abgesehen davon habe die Prümer Regentschaft länger durchgehalten als die des Kaisers, nämlich bis heute. Jürgen Pföhler fand die Verankerung der Junggesellen im Dorf sehr imponierend, was nicht zuletzt der tatkräftigen Unterstützung durch die Bürgervereinigung, das Tambourcorps und die Brötchesmädchen zu verdanken sei. Und das alles auf Basis der Werte „Glaube, Sitte, Heimat“, die nicht nur auf der Fahne, sondern auch im Herzen getragen würden. Der Landrat nutzte die Gelegenheit, bei den Anwesenden um Unterstützung bei der Bewältigung der anstehenden Flüchtlingsproblematik zu werben: „Es werden viele Flüchtlinge kommen, das wird eine große Herausforderung werden. Doch entscheidend ist, wie wir damit umgehen.“ Er plädierte dafür, den ankommenden Flüchtlingen dauerhaft das zu geben, was sie verloren hätten und was wir hier immer noch besäßen, nämlich eine Heimat. Jeder könne etwas dafür tun, als leuchtendes Beispiel nannte er Regens Bollig, der im Studienhaus St. Lambert bis zu 20 Flüchtlinge aufnehmen werde. Das bestätigte auch Bürgermeister Achim Juchem: „Gemeinschaft macht stark“.

Werteorientierte Tradition in zunehmend unfreundlicher Welt

Die Landtagsabgeordnete Petra Elsner fand es bei ihrem letzten Auftritt nach 18 Jahren schön, in einer zunehmend unfreundlichen Welt eine werteorientierte Tradition zu erleben, die über einen langen Zeitraum Bestand habe. Im Gegensatz zu anderen Traditionsvereinen habe die Junggesellen-Schützen-Gesellschaft Lantershofen keine Nachwuchssorgen, und sie hoffe, dass dies auch künftig so bleibe. Sie sei ein bisschen stolz darauf, dank ihrer politischen Funktion fast zwei Jahrzehnte lang - neben den Brötchesmädchen - die einzige Frau im Saal gewesen zu sein und hoffte, den hohen Anforderungen gerecht geworden zu sein. Stürmischer Beifall der Festgemeinde bestätigte dies. Für den erkrankten Ortsvorsteher Leo Mattuscheck sprach sein Stellvertreter Stefan Dünker, seines Zeichens Erster Offizier der Junggesellen, allerdings kirmesbedingt mit etwas heiserer Stimme. „Wir können uns glücklich schätzen, dass es im Dorf jede Menge Menschen gibt, die sich für die Gemeinschaft engagieren“, sagte er mit Blick auf Junggesellen, Bürgervereinigung, Brötchesmädchen und Tambourcorps: „Da sind wir noch eine Insel der Glückseligen.“ Das funktioniere auch, weil es stets gelinge, die Jugend schon früh an die Tradition heranzuführen, beispielsweise durch das Musizieren im Tambourcorps. Eines der wichtigsten Themen der nächsten Zeit sei aber der Erhalt des Winzerverein-Saales, denn ohne den seien viele Feste in Lantershofen schlicht und einfach nicht denkbar. Bürgervereinigungs-Vorsitzender Erich Althammer stellte zunächst augenzwinkernd klar: „Lantershofen hat noch nie auf Kosten von Ahrweiler Rotwein getrunken." Er fügte seine eigene Definition von Tradition hinzu, die nicht nur von der Einigkeit lebe, sondern auch von Verantwortlichkeit, Ernsthaftigkeit und Begeisterung. All dies sei bei den Junggesellen in hohem Maß vorhanden. Aber auch bei der Bürgervereinigung, deren Mitglieder sich am Kirmesmontag immer gerne in Frack und Zylinder zwängten, um gemeinsam die Kirmes zu feiern und so die Tradition fortleben zu lassen. Tradition ist es in Lantershofen auch, dass die Gold- und Silberjubilare unter den Schützenmajestäten besonders geehrt werden. Hauptmann Robin Grießel zeichnete diesmal Hans-Walter Bender als „Goldmajestät“ und Peter-Josef Schütz als „Silbermajestät“ aus. Geehrt wurden außerdem die Jubiläums-Könige Bernd Knieps (zehn Jahre), Ralf Münch (20), Werner Assenmacher (30) und Reinhard Schütz (40) sowie Jubiläums-Hauptmann Uli Ley. Wobei Silberjubilar Peter-Josef Schütz in einer zu Herzen gehenden Ansprache noch einmal an längst vergangene Kirmes-Tage im Vereinslokal Görres mit der unvergessenen Wirtin Therese „Tresje“ Görres erinnerte. Das sei eine der schönsten Zeiten seines Lebens gewesen, auch wegen des Zusammenhalts innerhalb der Junggesellen-Gemeinschaft. Nach wie vor sei die Kirmes das schönste Fest im Dorf und sei es wert, gefeiert zu werden. Wenn alle sich einig seien und die Tradition am Leben erhielten, könne das auch in 100 Jahren noch der Fall sein, wünschte er sich.

In Lantershofen ist auch am Kirmesmontag der Saal voll, wenn die Junggesellen-Schützen-Gesellschaft zum Festkommers ruft. Foto: JOST

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