14. Dernauer Martinsmarkt vor allem am Samstag gut besucht
Traditionen, Handwerkskunst und kulinarische Genüsse
Dernau. Zur offiziellen Eröffnung des 14. Dernauer Martinsmarkts vor unzähligen Besuchern bei schönem Herbstwetter hatten Ingrid Näkel-Surges und Elke Surges vom Verkehrsverein, die seit dem ersten Markt im Jahr 2000 das bewährte Leitungsteam der Veranstaltung bilden, zuerst einmal eine gute Botschaft: „Wir werden auch in Zukunft unseren Markt zu Ehren des heiligen Martin benennen. Wir werden es nicht Sonne-, Mond- und Sternefest nennen“, sagte Ingrid Näkel-Surges. Damit nahm sie Bezug auf einen Fall im saarländischen Homburg, wo allerdings wohl eine falsch kolportierte Gegebenheit für bundesweite Proteste gesorgt hatte. Und ihre Kollegin Elke Surges ergänzte: „Eine Besonderheit und Schwerpunkt unseres Marktes ist die Pflege des Brauchtums. Denn unser Martinsmarkt wäre nicht denkbar ohne unsere fünf Rotten, die Ende des 19. Jahrhunderst entstanden sind und schon seit Wochen Vorbereitungen treffen, um heute Abend pünktlich zum Umzug die Feuer anzuzünden.“
Friedhelm Hess neuer St. Martin
Im Mittelpunkt der Eröffnung wie auch beim abendlichen Umzug stand natürlich der neue St. Martin Friedhelm Hess, der in die großen Fußstapfen des unvergessenen Günther Müller tritt. Dass er seines Amtes würdig ist, zeigte er gerade bei der Spielszene der legendären Mantelteilung am Spielplatz während des Martinszugs. Hier bat Karl Hubert Kreuzberg, der in dieser Rolle ebenfalls Premiere feierte, als „Armer Mann“ den St. Martin Friedhelm Hess symbolisch um ein Stück vom wärmenden Mantel. Beide sind übrigens Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Dernau, die den Umzug wie auch die Prämierung der von Dernauer Kindern geschaffenen Fackeln organisiert. Dafür dankte Elke Surges vor allem Wehrleiter Jo Marner.
Der Martinsmarkt habe mit 94 teilnehmenden Ausstellern in diesem Jahr erneut einen Rekord aufgestellt, berichtete Surges. „Der Markt hat sich ausgeweitet bis zum Dorfplatz, über den Pfarrgarten und zur Kirche. Wir bedanken uns bei allen Dernauern, die wie jedes Jahr ihre Hofflächen und ihre Pkw-Stellplätze für Marktstände zur Verfügung stellen, denn nur gemeinsam können wir unser Dorf touristisch weiterentwickeln.“
Weinkönigin Nora Heimermann mit ihren beiden Prinzessinnen Jennifer und Larissa Schäfer an der Seite lobte vor allem die Rotten für ihre Arbeit, mit der sie während des Martinsumzugs für das ganz besondere Flair sorgen, wenn nämlich die fünf Feuer auflodern und die Höhen romantisch illuminieren. Als „pattnöcke Mädche“ grüßte sie vor allem die in ihren Augen „beste Rotte“.
Wer das schönste Feuer hat, ob Haardte, Kiere, Ortesse, Baache oder eben Pattnöcke, da gehen die Meinungen von Ortsteil zu Ortsteil natürlich jedes Jahr weit auseinander, doch eines lässt sich eindeutig sagen: Wie immer hatten es alle Rotten geschafft, an diesem Samstag die mächtigen, wunderschönen Feuer pünktlich ab 18 Uhr in Brand zu setzen.
Landtagsabgeordneter Horst Gies in Vertretung von Landrat Dr. Jürgen Pföhler wies die Gäste der Eröffnung besonders auf die delikaten „Wildprodukte und hervorragenden Rotweine“ der Region hin. „Ein kleiner Werbeblock für den Rotwein“, fuhr er unter großem Gelächter fort, „aber man muss Sie da sicher nicht großartig überzeugen.“ Unklar war ihm allerdings, wie „es der Pastor mit dem guten Draht nach oben macht“, und er spielte damit auf das meist gute Wetter bei Dernauer Festivitäten an - wie eben an diesem Tag. Damit stehe einem guten Gelingen des diesjährigen Martinsmarkts nichts mehr entgegen.
Für Gäste und Einheimische
In der Tat ist der Dernauer Martinsmarkt mittlerweile etabliert und heute mehr als nur der kleine Bruder des Winzerfests. Es ist ein Markt mit einem ganz besonderen Flair, mit Handwerk, Kunstgewerbe, kulinarischem Angebot und Wein etwas für die ganze Familie. Tausende Besucher drängten sich zwei Tage lang in den Gassen des Weinorts. Gut kam bei den Gästen auch die Fackelwanderung am Freitagabend an. Die leuchtenden Fackeln in den ansonsten dunklen Weinbergen gaben dieser Wanderung eine ganz besonders urige Atmosphäre.
Doch bei allem Trubel und den auf die Gäste ausgerichteten Angeboten kommen auch die Dernauer, allen voran die Kindergarten- und Grundschulkinder, nicht zu kurz. Der Martinszug ist für sie wunderschönes Erlebnis, wenn die Häuser und Straßen dekoriert und gesäumt sind von unzähligen Kerzen und Lichtern. Nicht lange bitten mussten die Kleinen dann zum Abschluss des Zugs an der Schule, um eine Tüte mit Spielzeug und Naschereien sowie einen Martinswecken zu erhalten. Dafür war in den Wochen zuvor im Dorf gesammelt worden.
Wer Glück hatte, erhielt am Sonntag einen weiteren Weckmann vom Sankt Martin, der an diesem Tag zu Fuß in den Gassen unterwegs war. Wenn auch Petrus den Dernauern an diesem Tag nicht so hold wie am Vortag war, konnten Gäste wie Einheimische an beiden Tagen nach Herzenslust an den vielen Ständen stöbern, sich kulinarisch verpflegen oder bei einem Glas Wein die urige Atmosphäre in einem der liebevoll gestalteten Winzerhöfe genießen und dort verweilen.
Dazu zeigten Handwerker ihre Kunst. Im Hof der Weinmanufaktur Dagernova schmiedete Lukas Schäfer vom Betrieb des Metallbauers und -designers Alfons Wolber aus Grafschaft-Esch aus Eisenstücken rotglühende Deko-Herzen und gewann dabei nicht nur die Herzen der vielen kleinen Besucher.
Hammerschläge und heiße Rhythmen
Auch Kunsthandwerker und Künstler Felix Weller aus Steinebach an der Sieg hatte die Kohlen-Esse zum Glühen gebracht und formte, assistiert von kleinen Freiwilligen, mit Hammer und Amboss Kleinode aus Metall.
Anderswo erklangen keine Hammerschläge, sondern heiße Rhythmen. Im Weingut H. J. Kreuzberg spielte am Sonntagabend das „Ahrkustik Duo“ auf. Für stimmungsvolle Musik an den beiden Martinsmarkttagen sorgten zudem die Kirchdauner Musikanten, die wie schon in den vergangenen Dutzend Jahren Markt und Umzug musikalisch begleiteten. Daneben ließ das Jagdhornbläser Corps Ahrtal zur Eröffnung seine Blasinstrumente erklingen.
Wer es noch besinnlicher mochte, besuchte das Orgelkonzert in der Pfarrkirche St. Johannes. Den Kontrast dazu bot dazu der Abschluss des Martinsmarkts, als das letzte Stündlein des Kirmesmanns Zachäus schlug. Die fröhliche Zeremonie unter Federführung der Junggesellen endete, wie konnte es auch anders sein, mit der Verurteilung des lumpigen Gesellen zum Flammentod.
Premiere feierte Friedhelm Hess als neuer Sankt Martin von Dernau.
Die vielen schön dekorierten Stände sind ein Besuchermagnet beim Martinsmarkt.
