Allgemeine Berichte | 24.02.2015

Heimatforscher Andreas Schmickler restaurierte historische Kirchdauner Turmuhr

Uhr ist ein Stück Dorfgeschichte

Nach 131 Jahren Stillstand kann die Turmuhr in der Taufkapelle besichtigt werden

Andreas Schmickler präsentiert stolz sein Werk. RERE

Kirchdaun. Nach 131 Jahren ist sie wieder dort, wo sie hingehört: die Kirchdauner Kirchturmuhr. Zumindest fast. Denn am Kirchturm wird die Uhr wohl nie mehr zur vollen Stunde schlagen, wie sie es in alten Zeiten stetig tat. Dafür weilt sie nun im Kirchdauner Gotteshaus. Und das ist allein ihm zu verdanken: dem Heimatforscher Andreas Schmickler aus Kirchdaun. Der Zufall brachte Schmickler erst auf die Spur: „Damals hatte ich einen Bekannten zufällig auf der Straße getroffen“, erinnert sich der gelernte Grafiker. Er erzählte von der alten Kirchturmuhr, dass sie noch existiere. „Da klingelte bei mir natürlich direkt alles. Ich dachte immer, diese Uhr gäbe es gar nicht mehr“, so Schmickler, der schon immer ein Faible für „alte Sachen“ hatte, wie er sagt. Und schon setzte Schmickler alle Hebel in Bewegung, um die Uhr zurück in seinen Heimatort zu bringen. Dank größerer Spenden von Kirchdauner Bürgern und der Unterstützung des Fördervereins für Archäologie, Kunst und Museumskultur konnte der Ankauf im Sommer dieses Jahres getätigt, und die Uhr nach Kirchdaun zurückgebracht werden. Insgesamt 2.000 Euro verlangte der Besitzer aus Heimersheim für das gute Stück – Geld, das die Kirchdauner gerne selbst aufbrachten.

80 bis 100 Stunden Arbeit

Einige Wochen befand sich das aus Eisen geschmiedete Gestell mit Zahnrädern zur Restaurierung bei Andreas Schmickler. Zwischen 80 und 100 Stunden Arbeit investierte der Freiberufler nach eigenen Angaben, um die Uhr mit bewegter Geschichte wieder auf Vordermann zu bringen. Gelegentlich half sein Bruder bei der Restaurierung.

„Ich hatte mich zwischenzeitlich so in die Arbeit gestürzt, dass ich fast meinen eigentlichen Job vergessen habe“, berichtet Schmickler im Interview und kann sich ein Lächeln nicht verkneifen.

Gesamtes Dorfgeschehen richtete sich einst nach der Uhr

Es handelt sich bei der Uhr um das Werk einer vorindustriellen Turmuhr, die einst im alten Kirchturm untergebracht und gewiss den Rhythmus des Lebens in Kirchdaun bestimmte. Die Kraft kommt von zwei an Seilen befestigten schweren Steinen, die über zwei Walzen ihre Energie auf das Schlagwerk und das Uhrwerk mit einem Stundenzeiger übertragen. Einmal am Tag musste sie aufgezogen werden. Das war seinerzeit die Aufgabe des Dorflehrers, wie Erzählungen und Einträge in der Dorfchronik beweisen: Jeden Tag zog er die Turmuhr auf, nach ihr richtete sich das komplette Dorfleben in Kirchdaun.

„Vor der Uhr verließ man sich noch auf die Sonne“, weiß Andreas Schmickler. Die Männer auf dem Feld, die Hausfrauen daheim, die Kinder in der Schule – die Uhr hatte eine große Bedeutung für die gesamte Gesellschaft. Doch der Lehrer ließ sich seine Arbeit gerecht bezahlen – und das wurde der Gemeinde wohl irgendwann zu teuer, vermutet Schmickler.

Nachforschungen haben ergeben, dass die Uhr, nachdem Mitte des 17. Jahrhunderts das Pendel erfunden worden war, im 18. Jahrhundert umgebaut und modernisiert wurde. Warum das Ticken der Uhr plötzlich verstummte, kann sich Heimatforscher Andreas Schmickler wohl nur so erklären:

„Dass das tägliche Aufziehen der Uhr eingestellt wurde, kann nur damit zu tun haben, dass es tatsächlich zu teuer wurde.“ Im gleichen Jahr seien die dazugehörigen Gewichte verbaut worden. Ein weiterer Fakt. „Vielleicht wollte man so sicherstellen, dass die Uhr auch in Zukunft nicht wieder in Betrieb genommen würde“, vermutet Andreas Schmickler.

Restauration war eine Herausforderung

Zerlegt, gesäubert, geölt hat der Kirchdauner die historische Kirchturmuhr. Diese Uhr war für den ambitionierten Bastler nicht nur materiell eine Herausforderung. „Ich habe mich dadurch auch sehr intensiv mit derartigen Uhren beschäftigt und wieder mehr über die Geschichte meines Heimatortes erfahren können“, sagt Andreas Schmickler. Nach Reinigung und mühevoller Kleinarbeit, dem Ergänzen von Pendel, einem kleinen Glöckchen und Gewichten funktioniert die Uhr nach 131 Jahren Stillstand wieder tadellos. Auch das Zifferblatt mit dem originalen Zeiger und einigen ursprünglichen Ziffern glänzt wie in alten Zeiten. „Wichtig war, dass man es mit den Arbeiten nicht übertreibt. In solchen Fällen ist weniger manchmal mehr“, erklärt der Heimatforscher sein Vorgehen, der bei seinem Vorhaben auch die Denkmalpflege miteinbezogen hat.

Die Uhr wird in Zukunft in der Taufkapelle (dem alten Chor) der Pfarrkirche zu finden sein, wo sie jederzeit besichtigt werden kann. Interessierte können Kontakt mit Restaurator Schmickler aufnehmen.

Der möchte derweil eine Arbeit noch zu Ende bringen: „Es fehlt noch eine Plexiglasplatte, damit Staub und Schmutz die Uhr auf Dauer nicht gefährden.“ Er ist zuversichtlich, auch den dafür anfallenden Betrag schnell durch Spenden aufbringen zu können. Einige Hundert Euro soll solch eine Platte kosten.

Die Präsentation und Übergabe fand bereits im Dezember im Rahmen des sonntäglichen Gottesdienstes in der Pfarrkirche St. Lambertus in Kirchdaun statt. Das alles brachte ein Echo mit sich und ermutigte auch einen Westumer, der als Letzter im Kreis Ahrweiler regelmäßig die Kirchturmuhr von Westum aufzieht, Andreas Schmickler zum Austausch einzuladen. Dieses Angebot nahm der Heimatforscher gerne an.

So tickt sie wieder: die Turmuhr von Kirchdaun. Zwar nicht mehr im Gebrauch, wie es in längst vergangenen Tagen nötig war, dafür aber als wahres Vorzeigeobjekt. Ein Stück Dorfgeschichte eben.

Andreas Schmickler präsentiert stolz sein Werk. Foto: RERE

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