Allgemeine Berichte | 25.06.2013

Musik und Wein: 1500 Besucher lachen, tanzen und jazzen in der Klosterruine in Marienthal

Unterhaltung für jeden Geschmack

Gute Laune beim Publikum: Jürgen Becker sorgte für viele Lacher. RERE

Marienthal. Was 2007 mit einer eintägigen Veranstaltung begann, hat sich mittlerweile zur festen Größe der guten Musik und Unterhaltung entwickelt. Von urkomischer Comedy der Marke „Nightwash“ über die Kölner Kultband „Köbes Underground“ bis hin zu Jazz-Legende Klaus Doldinger - den Besuchern der Musikvierlogie „Musik und Wein“ wurde eine Unterhaltungsvielfalt geboten wie sie in ihrer Vielfältigkeit kaum größer sein könnte. Von Donnerstag bis Sonntag war die Klosterruine in Marienthal wieder Schauplatz des beliebten Festivals, das die beiden Organisatoren Gregor Gäb aus der Grafschaft und Paul Josten aus Dernau vor sieben Jahren zunächst als eintägige Veranstaltung ins Leben gerufen hatten. Gemütliches Ambiente, gute Musik sowie eine stimmungsvolle Atmosphäre zeichneten das Festival auch in diesem Jahr aus - und auch das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite. Gregor Gäb freute sich über rund 1500 Besuchern an allen Tagen. „Freitag und Samstag waren wir ausverkauft“, so der erfahrene Veranstalter weiter. Und das Konzept, das Festival auf vier Tage auszudehnen, sei vollends aufgegangen. Schon am Donnerstag haben sich die Akteure vom Comedy-Waschsalon „NightWash“ mächtig ins Zeug gelegt. In Köln hatte die nach amerikanischem Vorbild umgesetzte Stand-Up-Comedy im Waschsalon „Schnell und Sauber“ im Belgischen Viertel begonnen. Klar waren die Regeln: „Frohsinn ist erwünscht, Spaß darf gezeigt werden“, so der eindringliche Appell des Comedian und Moderators Klaus-Jürgen „Knacki“ Deuser zu Beginn. Vielsprachig präsentierte sich die Deutsch-Belgierin Christiane Olivier als Kennerin der Barbie-Welt, während Michi Dietmayer und Torsten Sträter die Menge gekonnt zum Lachen brachte.

Kölsches Lebensgefühl

Kölsches Lebensgefühl brachte die Hauskapelle der Kölner Stunksitzung „Köbes Underground“ am Freitagabend aus der Metropole mit ins Ahrtal. Die Besucher erlebten in der einzigen „Raucherkirche Deutschlands“ einen gut gelaunten Oberköbes Ecki Pieper und Musik vom Feinsten. Begeisternder Bigband-Sound, verpackt in urkomischen Parodien und Profis an den Instrumenten machte die Köbes-Sause zum Erlebnis für Jung und Alt. Entgegen aller Vorurteile bezogen auf den Kölner Karneval enterte der Muezzin mit dem Schlachtruf „Kölle Allah“ ein weiteres Mal die Bühne. Mitten im Sommer fröhliches karnevalistisches Schunkeln und Feiern - bei „Köbes Underground“ kein Problem, bevor eine große Zugabe am Ende die Köbes-Jünger nochmals nach Strich und Faden verwöhnte. Die allseits bekannte „Brauchtums-Hymne“ animierte zum fröhlichen Mitsingen, bevor Frontmann Ecki Pieper offen gestand: „Uns gefällt’s hier im Ahrtal. Wir kommen gerne wieder.“ Das sahen die 400 begeisterten Zuhörer ähnlich und feierten noch bis in die Nacht einen gelungenen Abend. Zum vorletzten Teil eines wahren Veranstaltungsmarathons kamen die Freunde der Jazzmusik vollends auf ihre Kosten. Alle Jahre wieder ist es der begnadete Bassist und Kopf des „European Jazz Ensembles“ Ali Haurand, der internationale Jazz-Größen in die Klosterruine nach Marienthal lockt. So wunderte es kaum, dass in diesem Jahr wieder ein echter Weltstar den Weg auf die Bühne inmitten der urigen Ruine gefunden hatte. Sein Name: Klaus Doldinger - und zusammen mit Ali Haurand und zwei weiteren Wegbegleitern, Christian Lettner, Schlagzeuger von Passport, und Christian Elsässer, Piano, wurde es ein später Nachmittag der musikalischen Extraklasse. Die vier ausgezeichneten Musiker spielen aus dem Repertoire von Klaus Doldinger und Ali Haurand. Ali Haurand ist wie ein Erfolgsgarant für das Musikspektakel in Marienthal. Der 69-jährige Jazzmusiker und Produzent zeigt sich als künstlerischer Leiter von Anfang an für den Jazz-Part des Festivals verantwortlich. Vor dem Auftritt des Quartetts um Doldinger/Haurand leitete das Jonas Röser Quartett den Jazz-Tag ein. Ali Haurand war zufrieden: „Das war gut“, bewertete die Jazz-Choriphäe den Auftritt der Nachwuchs-Jazzer um den Lantershofener Jonas Röser. Mit dem „Mut zur Einfachheit“ überzeugten Julian und Roman Wasserfuhr, die sich an Jazzlegende Chet Baker orientieren, aber wert darauf legen, ihn nicht zu kopieren. Das Publikum empfing das Duo frenetisch.

„Der Künstler ist anwesend“

„Die Kleinkunst hat gegenüber der bildenden Kunst einen Nachteil“, meint Kabarettist Jürgen Becker, der am Sonntag das Festival beendete. „Kabarettisten kann man nicht übers Sofa hängen. Wenn man’s doch tut, passt er womöglich nicht recht zur Couchgarnitur“, so Becker. Dennoch könne auch Kleinkunst bildende Kunst sein. „Der Künstler ist anwesend“ lautet der Titel seines Programms, das bildende Kunst und Kleinkunst genussreich vereinte. Spritzig und schonungslos nahm er das Spannungsverhältnis zwischen Religion und Kunst aufs Korn. Die enge Verzahnung beginne schon bei einem einfachen Sprichwort: „Ich will was mit Kunst machen“ - und die Antwort von Freunden und Bekannten fällt mit „Ach du lieber Gott“ häufig weniger begeistert aus. Künstler gebe es ja heute wie Sand am Meer. „In Städten gibt’s mehr Künstler wie Taxifahrer“, so Jürgen Becker spitzzüngig. Im Hintergrund wurden Bilder projiziert, und Jürgen Becker sprach vom Katholikentreffen im Kölner Gürzennich. Das Publikum tobte. Vielen liefen die Tränen. Ein Abend für die Lachmuskeln, die sich erst spät wieder entspannen konnten. Bei einem solch hochkarätigen Line-Up wie in diesem Jahr darf das Publikum jetzt schon wieder gespannt sein, wer 2014 die Mengen bei „Musik und Wein“ begeistern wird. „Die Gespräche laufen schon“, verrät Gregor Gäb. Es gäbe schon sehr viele Anfragen für den Jazz-Abend.

Gute Laune beim Publikum: Jürgen Becker sorgte für viele Lacher. Foto: RERE

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