Allgemeine Berichte | 05.08.2014

Ahrweiler Winzer-Verein feierte 140. Jubiläum

Viele lobende Worte für „Mr. Ahrweiler Winzer-Verein“ und Co.

Festkommers erinnerte an die wechselhafte Geschichte der Genossenschaft - rauschende Sommernachtsparty

Horst Gies (links), MdL ehrte Edgar Bertram, den Chef der Genossenschaft. FotoFIX

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Er ist mit 78 Trauben liefernden Winzern, ca. 25 Hektar Rebfläche und einer Erntemenge von rund 200.000 Litern im Jahr die kleinste der drei Winzergenossenschaften an der Ahr. Dass er dennoch auch groß zu feiern versteht, bewies der Ahrweiler Winzer-Verein am Wochenende zum Fest seines 140. Jubiläums. Festkommers, Sommernachtsparty, ein musikalischer Frühschoppen und ein unterhaltsamer Sonntagnachmittag machten das nunmehr 16. Hoffest zu einem ganz besonderen. Den Auftakt machte am Freitagabend der Festkommers im Festzelt. Mehr als 200 Gäste waren gekommen, darunter viele Winzer, Vertreter der anderen Genossenschaften in der Region und von Partnerbetrieben, Politiker und Winzer-Verein-Mitarbeiter. Sie erlebten einen äußerst kurzweiligen Abend. Das lag nicht zuletzt an Geschäftsführer und Kellermeister Edgar Bertram, der bestens aufgelegt, humorvoll und im schönsten Ahrtaler Platt für manches Bonmot sorgte.

In seiner Begrüßung zeigte sich Edgar Bertram zunächst bei den Handwerkern und Firmen erkenntlich, die an der Errichtung des gläsernen Pavillons im Hof des Winzer-Vereins beteiligt waren. Dieser war vor Beginn des Festkommers‘ mit einem Sektempfang offiziell eingeweiht worden. „Die Elektriker sind erst heute Morgen fertig geworden“, lachte der Chef der Genossenschaft. Der Glaspavillon ersetzt einen alten Schuppen. Bei den Arbeiten ist zudem auch ein Brunnenschacht entdeckt worden. Er dürfte Teil der alten Wasserburg gewesen sein, die einen hohen Rundturm - „Roter Turm“ oder Kautenturm genannt - besaß, der 1811 abgerissen worden war. Nun führt eine Treppe vom Pavillon in den Keller, wo eine Probierstube mit massivem Holztisch und zwölf Stühlen für Weinproben eingerichtet ist. Eine gläserne Platte ermöglicht dabei den Blick in den Brunnenschacht.

„Anderthalb Jahre haben die Arbeiten gedauert“, berichtete Edgar Bertram den Anwesenden. „Noch länger hat die Planungszeit in Anspruch genommen - fünf Jahre. Architektin Jutta Henckes aus Köln musste viel Geduld aufbringen. Manchmal habe ich nachts wach gelegen und sie morgens angerufen: ’Wir müssen da noch was ändern‘.“ Der Geschäftsführer des Winzer-Vereins lobte auch Statiker Klaus Mies, der die Bauleitung ausübte. „Ihr beiden habt heute frei Trinken“, hatte er ein kleines Entschädigungsangebot für die etlichen Umplanungen und sonstigen Mühen an die beiden. Seine Wertschätzung galt schließlich auch dem langjährigen Steuerberater Alfred Nelles aus Gelsdorf und der Firma Hans Münster (Kellereibedarf) stellvertretend für alle Lieferanten.

„Viel Herzblut“

Von Namensvetterin Julia Bertram, ihres Zeichens ehemalige Deutsche Weinkönigin, wurde das „Gesicht des Ahrweiler Winzer-Vereins“ anschließend auf der Bühne gefragt, über welche Dinge von seiner Arbeitsstätte er träumen würde, wenn er die Augen schließe - worauf zur Erheiterung der Anwesenden ein spontanes „von meiner Frau“ zurückkam. „Im Ernst: Ich fühle mich als Teil des Winzervereins, hier ist viel Herzblut drin. In den vergangenen 25 Jahren haben wir den Betrieb komplett saniert und modernisiert.“

Nicht nur aus 25, sondern aus 140 Jahren hielt die 24-jährige ehemalige Weinmajestät anschließend einige „Anekdötchen“ bereit. So sei der Winzer-Verein 1874 von insgesamt 51 Genossen gegründet worden. Aus den Chroniken gehe zudem hervor, dass bereits Ende des 19. Jahrhunderts Hochprozentiges dort gebrannt wurde - wie es bis heute Usus ist. 1899 sei ein Zollbeamter nach einer von einigen Schnäpsen begleiteten Kontrolle der Anlage gar vom Pferd gefallen.

Doch es gab neben solch lustigen Episoden auch schwierige Zeiten. 1954 habe die gesamte Lese im Herbst lediglich 2.400 Liter ergeben. „In späteren Jahren kamen Tankwagen, die Traubenmost aus der Pfalz zur Weiterverarbeitung brachten - damals waren die Bestimmungen noch nicht so streng“, so Julia Bertram. „Der damalige Winzer-Verein-Vorsitzende sagte darauf: ,Fahrt ihn doch mal am Rosenthal vorbei, dann hat ihn der spätere Wein wenigstens mal gesehen‘.“

Bei aller Flachserei: Der Genossenschaftsgedanke sei von Anfang an das zentrale Element gewesen. Die Ex-Weinkönigin aus Dernau verglich ihn mit dem Teamspirit im Fußball - 1874 sei schließlich das Jahr des ersten offiziellen Fußballspiels in Deutschland gewesen. „Teamgeist macht heute noch die Arbeit im Ahrweiler Winzer-Verein aus - wie bei Jogis Jungs“, spannte sie den Bogen zur jüngsten WM-Siegermannschaft. Dem Winzer-Verein-Team galten ihre Gratulationen. „Wenn ich hier in die Runde schaue, glaube ich, dass wir noch das eine oder andere Jubiläum erleben werden“, schloss sie.

Auch für Stadtbürgermeister Guido Orthen war das Jubiläum „ein wunderschönes Ereignis: 140 Jahre Solidarität, Gemeinschaftsgeist, Mut und wirtschaftlicher Gedanke. Wenn viele Individuen zusammenarbeiten, kann der Erfolg groß sein. Das ist die Leistung des Aufsichtsrats, des Vorstands - und nicht zuletzt von Ihnen, Herr Bertram. Sie haben die Genossenschaft in den vergangenen 30 Jahren geprägt und sehr weit gebracht. Man könnte sogar sagen: Sie sind der Mr. Ahrweiler Winzer-Verein.“ Als Jubiläumspräsent hatte der erste Mann der Stadt unter anderem ein Weinglas mit Stadtwappen mitgebracht und wünschte der Genossenschaft „viele gute Jahre - ad multos annos“.

Kreis schloss sich

Für MdL Horst Gies, stellvertretend für den Landrat erschienen, schloss sich mit dem Festabend ein Kreis. „Vor 15 Jahren war das 125. Stiftungsfest des Winzer-Vereins mein erster Auftritt als Ahrweiler Ortsvorsteher - das 140. ist mein letztes Jubiläum im Amt“, sagte Horst Gies, der von Peter Diewald abgelöst wird. Im Winzer-Verein habe er auch erstmals ins Winzerhandwerk hineingeschnuppert - als 15-jähriger Schüler beim Flaschensortieren und -spülen. „Damals habe ich die Grundlage gelegt für die weitere Entwicklung, die mich als weinpolitischen Sprecher in den rheinland-pfälzischen Landtag gebracht hat.“

Bevor er Edgar Bertram die Jubiläumsurkunde des Landrats überreichte und ihn lobte, dass er „den Laden zusammengehalten und nach vorne gebracht habe“, hatte auch er noch eine kleine Anekdote parat: „Einmal war ich vom Putzen der Tresterflaschen, ohne auch nur einen Tropfen getrunken zu haben, mittags sternhagelvoll. Nun, ich hab’s überlebt“, schmunzelte Horst Gies.

Dr. Martin Spielhoff vom Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverband unterstrich die Tatsache, dass die nunmehr dritte Winzergenossenschaft an der Ahr innerhalb kurzer Zeit ihr 140. Jubiläum feiere - „es war damals in der Tat eine schwierige Zeit, ja wahrlich Not“. Er erinnerte an Franz Bresgen, der „die Umsetzung der hiesigen Genossenschaften vorangetrieben“ habe. Der Gutsbesitzer der Burg Lantershofen war 1862 als Abgeordneter der Kreise Ahrweiler und Adenau in den preußischen Landtag gewählt worden, war von 1840 bis zu seinem Tod im Jahr 1895 Land-, Weinguts- und Lohgerbereibesitzer in Ahrweiler, Lantershofen und Bad Neuenahr. Franz Bresgens ehemaliges Wohnhaus in Ahrweiler steht in der Niederhutstraße, die Lohgerberei war am Kanonenwall.

Heute zeige die kleinste Weingenossenschaft an der Ahr, „dass die Größe nicht entscheidend ist, sondern der Wille. Viele Genossenschaften, viel größer als die in Ahrweiler, schauen heute neidisch an die Ahr, auf das gute Miteinander, den gegenseitigen Ansporn“. Dennoch habe der Winzer-Verein „vor 30 Jahren am Abgrund gestanden“, ehe am 1. September 1984 Edgar Bertram Kellermeister wurde und bereits 1985 die Geschäftsführung übernommen habe.

„Es ist Ihre Leistung, dass die Genossenschaft heute so gesund dasteht, dass wir diesen Tag heute feiern können“, betonte Dr. Martin Spielhoff. Anschließend überreichte er dem völlig gerührten Edgar Bertram die Silberne Raiffeisennadel mit Ehrenurkunde. „Sie leiten eine kleine und moderne Genossenschaft sehr erfolgreich. Das sieht man auch an den vielen Frauen in Leitungspositionen“, schloss der Verbandsmann.

Rudolf Mies als Vorsitzender der Winzergenossenschaft sprach auch für seine Kollegen aus Dernau und von der Raiffeisen Rhein-Ahr-Eifel Handelsgesellschaft. Er erinnerte daran, dass sich der Winzer-Verein 1961 mit dem 1883 in Ahrweiler gegründeten Weinbauverein Ahrweiler zusammengeschlossen habe, der „damals wichtig in Ahrweiler“ gewesen sei. Dennoch habe nach dem plötzlichen Tod des langjährigen Geschäftsführers Peter Gasper „niemand an eine Zukunft der Genossenschaft“ geglaubt. Am 19. August 1980 beispielsweise sei die geplante Fusion mit der Winzergenossenschaft Walporzheim Hauptthema in einer Zeitung gewesen. „Damals wendeten sich viele Winzer von ihrer Genossenschaft in Ahrweiler ab und verkauften ihre Weinberge“, so Rudolf Mies.

Fass als Geschenk

„Ein Glücksfall war, dass damals ein junger Geisenheimer Absolvent kam“, sagte er an Edgar Bertram gerichtet. „Der krempelte die Ärmel hoch, strukturierte um und investierte. Zunächst musste er aber den Verband vom Fortbestand des Winzer-Vereins überzeugen.“ Und Rudolf Mies ergänzte: „Insider staunen heute über die hohe Eigenkapitalquote des Winzer-Vereins. Sie können mit Stolz zurückblicken. Sie haben es geschafft, sich mit kompetenten Mitarbeitern zu umgeben. Darum ist mir um die Zukunft des Winzer-Vereins nicht bange.“ Als Geschenk der anderen Genossenschaften hatte er ein 300 l fassendes, Medium getoastetes Eichenfass aus französischer Eiche mitgebracht. „Meine Hoffnung ist, dass der Topwein dieses Jahres dort hineinkommt“, schloss Rudolf Mies.

Mit Mitarbeiterehrungen klang der offizielle Teil des Festkommers‘ anschließend aus. Lange noch, bis gegen 2 Uhr in der Nacht, saßen die Anwesenden anschließend noch zusammen, wärmten manche lustige Episode aus der Winzer-Verein-Geschichte auf und warfen wohl noch manchen Blick in die Zukunft. Die sah am nächsten Abend die Sommernachtsparty mit der „Hausband“ Siegfried Service vor. Rund 1.000 Gäste wollten sich den Auftritt der sechs Musiker nicht entgehen lassen, die einen ganzen Schwung neuer Songs im Repertoire mitgebracht hatten. Ihre musikalische Zeitreise durch die Rock- und Popmusik der letzten „zwei Jahrtausende“ sorgte wie schon gewohnt beim Hoffest für einen heftigen Ansturm auf die Tanzfläche und ausgelassene Stimmung bis tief in die Nacht.

Wer am Sonntagmorgen schon fit war, der besuchte den musikalischen Frühschoppen mit der Musikvereinigung Bad Neuenahr-Ahrweiler. Am Nachmittag klang das gelungene 140. Jubiläum und gleichzeitig 16. Hoffest bei musikalischer Unterhaltung langsam aus.

Vorstand und Geschäftsführer im neu fertiggestellten Glaspavillon.

Vorstand und Geschäftsführer im neu fertiggestellten Glaspavillon.

Der Festzug sorgte für einen musikalisch ansprechenden Rahmen.
Horst Gies (links), MdL ehrte Edgar Bertram, den Chef der Genossenschaft. FotoFIX

Horst Gies (links), MdL ehrte Edgar Bertram, den Chef der Genossenschaft. Fotos: FotoFIX

Horst Gies (links), MdL ehrte Edgar Bertram, den Chef der Genossenschaft. Fotos: FotoFIX

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