Volksbank Wachtberg
Volksbank mit neuem Vorstand Bruno Lehnen
Bald ein neuer Anlauf für die Fusion mit der Raiffeisenbank Grafschaft-Wachtberg - bis Ende 2016 soll das Thema abgeschlossen sein - Genossenschaftsbank legt positive Jahresbilanz für 2014 vor
Wachtberg. Der Vorstand der Volksbank Wachtberg eG ist wieder komplett. Zusammen mit dem langjährigen Vorstandsmitglied Josef Honnef leitet Bruno Lehnen gemeinsam das genossenschaftliche Kreditinstitut. Doch die beiden Bankchefs machten deutlich, dass es sich dabei um eine zeitlich befristete Lösung handelt, denn der Vertrag läuft nur zum 31. Dezember 2016. Schließlich ist Lehnen bereits 64 Jahre alt und war bereits in der passiven Phase der Altersteilzeit, bevor er von Honnef „reaktiviert“ wurde. Der „Neue“ war seit 23 Jahren in verschiedenen Genossenschaftsbanken als Vorstand tätig, zuletzt bei der VR-Bank Neuwied-Linz eG. Gemeinsam wollen die beiden in der verbleibenden Zeit einen zweiten Anlauf wagen für die Fusion mit der Raiffeisenbank Grafschaft-Wachtberg, die im vergangenen Jahr am Votum der Wachtberger Volksbank-Mitglieder gescheitert war. Danach hatte Lehnens Vorgänger Franz-W. Matern die Bank zum 31. August 2014 verlassen, seither war Honnef als alleiniger Vorstand aktiv.
EZB-Politik benachteiligt kleinere Genossenschaftsbanken
Die Hauptaufgabe sei es allerdings, sich in den nächsten Monaten den Herausforderungen wie der Niedrigzinsphase, der Regulatorik aus Brüssel und der Kostensituation der Bank zu stellen. „Es ist eine unruhige Zeit für Banken“, so Honnef. Die Europäische Zentralbank (EZB) benachteilige insbesondere die kleineren Genossenschaftsbanken enorm, die Auswirkungen seien verstärkte Fusionen auch in der hiesigen Region. Der Rückgang der Erträge bei steigenden Kosten mache den Genossenschaftsbanken das Leben schwer. Deshalb sehe er mittelfristig für die Volksbank Wachtberg auch nur eine Zukunft in der Verschmelzung mit der Raiffeisenbank Grafschaft-Wachtberg. Beim ersten Anlauf, der daran scheiterte, dass keine Zweidrittelmehrheit in der Mitgliederversammlung zustande kam, seien wohl Fehler gemacht worden und die Kommunikation nicht optimal gelaufen, räumte Honnef im Rückblick ein. „Aber wir wollen aus den Fehlern lernen und es diesmal besser machen.“ Mit mehr Überzeugungsarbeit und besserer Information im Vorfeld wolle man auch die Zweifler überzeugen und die Vorteile eines Zusammengehens noch deutlicher machen. Die Größe bleibe schließlich auch nach der Fusion überschaubar, und die Volksbank Wachtberg gehe in ihre Identität nicht unter.
Wichtigste Säule weiter gestärkt
Die beiden Vorstände stellten auch die Bilanz für das Jahr 2014 vor. Die viel erneut positiv aus. „Wir konnten mit einem Zuwachs von 86 Mitgliedern unsere wichtigste Säule als Genossenschaftsbank weiter stärken.“ Die Bilanzsumme für 2014 liege bei rund 113 Millionen Euro und damit um 1,5 Prozent über dem Vorjahresergebnis. „Angesichts des nach wie vor schwierigen Marktes ein zufriedenstellendes Ergebnis“, findet Honnef. Die Marktbedingungen würden vor allem von der „Null-Zins-Politik“ der EZB bestimmt, erläutert Vertriebsvorstand Bruno Lehnen. Zudem trage die Inflationsrate dazu bei, dass die Sparer real Geld verlören, wenn sie allein auf das klassische Sparen setzten. Da man den Kunden interessante Alternativen zum Sparbuch und Girokonto bieten könne, sei jedoch 2014 die Umsatzentwicklung bei den Aktien, Fonds und Zertifikaten planmäßig gelaufen. Lehnen geht davon aus, dass sich an der EZB-Politik auch auf mittlere Sicht wenig, bis nichts ändern werde.
Einlagen und Kredite legten zu
Die Einlagenentwicklung habe um 2 Prozent auf 95,7 Millionen Euro gesteigert werden können. Zudem habe Kreditgeschäft, insbesondere die Baufinanzierung, erneut zugelegt. So stieg das Kundenkreditvolumen um 6,5 Prozent auf 56,9 Millionen Euro an. „Hinzu kam noch ein erfreulicher Zuwachs aus der Kreditvermittlung an unsere Verbundpartner“, so Lehnen. Das Firmenkundengeschäft der Volksbank Wachtberg entwickelte sich dagegen verhalten und bewegte sich lediglich auf dem Niveau von 2013. Die „Null-Zins-Politik“ der EZB habe auch Auswirkungen auf die bankeigenen Investitionen, macht Honnef deutlich: „Wie unsere Kunden und Mitglieder müssen auch wir uns nach alternativen, renditeträchtigen Anlageformen umsehen, da es derzeit immer schwerer wird, geeignete Wertpapiere zu finden.“ Das Kundenwertpapiergeschäft bewertet Lehnen als insgesamt positiv. Der Umsatz lag in diesem Segment 2014 bei rund 12,8 Millionen Euro. Grundsätzlich gelte: „Wir legen Wert auf eine breite Anlage in unterschiedlichen Anlageklassen. Dabei sind Sparpläne mit monatlichen Raten eindeutig vorzuziehen.
Differenzierte Betrachtung des Vermittlungsgeschäftes
Das Vermittlungsgeschäft sei für das zurückliegende Jahr differenziert zu betrachten. Das Wertpapiergeschäft sowie die Vermittlung an Hypothekenbanken seien gut gelaufen. Das Leasing- und Versicherungsgeschäft mit den Verbundpartnern VR-Leasing und der R+V-Versicherung sei im Rahmen der Erwartungen geblieben. Die Vermittlung von Bausparverträgen an den Verbundpartner Schwäbisch-Hall war hingegen leicht rückläufig. „Das liegt ebenfalls an dem derzeit niedrigen Zinsniveau, was das Bausparen nicht mehr interessant macht“, so Lehnen. Zum Jahresende beschäftigte die Volksbank Wachtberg 29 Mitarbeiter, darunter drei Auszubildende und sieben Teilzeitkräfte. Der Verwaltungsaufwand habe etwas über dem Vorjahr gelegen wegen der Pflicht zur Umsetzung gesetzlicher Bestimmungen. Investiert wurde auch in die Aus- und Fortbildung der Beschäftigten. „Wir sind damit nicht nur den Wünschen unserer Mitarbeiter nachgekommen. Wir haben auch unsere Sorgfaltspflicht erfüllt, denn nur eine zufriedene Belegschaft garantiert ein flexibles, kompetentes und empathisches Eingehen auf die vielfältigen Wünsche und Anregungen unserer Mitglieder und Kunden“, wusste Honnef.
Rücklagen werden aufgestockt
Auch 2014 hätten die in der Region Wachtberg ausgeschütteten Zweckerträge eine gut fünfstellige Summe erreicht. „Damit konnten zahlreiche Vereine, wohltätige Projekte und gemeinnützige Einrichtungen unterstützt werden“, resümierte der Bankchef. Die Substanz der Volksbank Wachtberg soll aus dem guten Jahresergebnis durch eine Aufstockung der Rücklagen und durch weitere Zuführungen des Fonds für allgemeine Bankrisiken wie in den Vorjahren gestärkt werden. Für das laufende Geschäftsjahr setzen die beiden Vorstände weiter auf Wachstum mit dem Ziel, die Zahl der Kunden und der Mitglieder weiter zu steigern. Dazu sei die Kampagne „genossenschaftliche Beratungsqualität“ ein geeignetes Instrument.
