Europäische Akademie
Vom Ahrtal in die Welt
„Reise-Impressionen“ von Elke Jakobs Ahrtaler Künstlerin stellt in Bad Neuenahr-Ahrweiler aus
Ahrweiler. Sehnsucht nach anderen Horizonten, der Wunsch zu staunen und die Suche nach Schönheit müssen Elke Jakobs angetrieben haben. Immer wieder und in ferne Gegenden. Wie weit sie gekommen ist und was sie gefunden hat, das spiegeln die Bilder ihrer jüngst eröffneten Ausstellung „Reise-Impressionen“ in der Europäischen Akademie, wo Bürgermeister Guido Orthen als Vorsitzender des Fördervereins der Akademie zahlreiche Gäste zur Vernissage willkommen hieß.
Von russischen Holzhütten und schottischem Wasserschloss
Auf Anhieb wird beim Betrachten deutlich, dass die Malerin kein Faible für ein bestimmtes geografisches Gebiet hat, sondern sich ihre Neigung in unterschiedlichste Landstriche Europas und Asiens verströmt. So hält sie russische Holzhütten ebenso fest, wie den spröden Charme eines schottischen Wasserschlosses und die erhabene Anmutung des Registanplatzes im usbekischen Samarkand. Sie zeigt ihre Empfänglichkeit für die Reize des Südens, wenn sie unter sengender Sonne gedörrtes Gras und grün-silbrig belaubte Bäume „Im Olivenhain“ unter den Pinsel nimmt, eine Toskana-Szenerie in Gelb taucht oder eine alte Gasse vorstellt, aus deren Pflaster rosarot blühende Stockrosen sprießen und vor weißen Häusern mit verschlossenen Läden unbezwingbaren Lebenswillen demonstrieren. Der Ewigkeit entsprungen scheint eine sensibel in Naturtönen gebannte Klosterkirche. Trutzig verharrt sie im steinernen Umfeld, wie der Architektur gewordene Beweis, dass der Glaube alle Widrigkeiten des Lebens zu überwinden vermag.
Ein Farbzauber
Neben diesem Gemälde zählen Jakobs’ Bilder von wässrigen Gefilden zu den überzeugendsten Arbeiten der Ausstellung. Ein Beispiel ist „Finnland im Sommer“. Da brechen rosa und zartgelbe Flecken einen graublauen Himmel auf, ein Farbzauber, den der Wasserspiegel noch ausdehnt. In eine frostige Märchenwelt aus Blau und Weiß entführt eine Fahrt nach Grönland. Trotz flankierender Eisberge wirkt die kältestarrende Landschaft grenzenlos weit, still und entrückt. Dennoch dringen Menschen zu ihr vor, worauf augenfällig ein kleines Boot verweist. Ob Jakobs Acryl, Öl, Aquarell oder Pastellkreide verwende – die Wahl der Technik treffe die Malerin intuitiv entsprechend dem angestrebten Ausdruck, so die Bonner Studienreiseleiterin Uta Hahn in ihrer Einführung: „Sie gestaltet die Einsamkeit einer Eisfahrt vor Grönland in weichen Nuancierungen, fast altmeisterlich, in Öl; während sie das aufragende Streben des Mont Saint-Michel in harten Spachtelungen und kaum vermischten Farbaufträgen hervortreten lässt.“ Letzteres gilt auch für die in grell kontrastierendem Hell-Dunkel eingefangene alte Brücke von „Mostar“ (Herzegowina), für die Twin Towers des World Trade Center und den blockhaft wiedergegebenen Kölner Dom.
Ausdruck und Atmosphäre
Uta Hahn unterstrich, immer aber gehe es um Ausdruck, um Atmosphäre, um ein malerisches Ergründen des doch unergründlich bleibenden Charakters eines Ortes, eines Wesens: „Zum Beispiel ein spanischer Stier auf dunklem Grund: Seine geballte Kraft springt den Betrachter direkt an, gerade weil er in dunkler Kreide auf schwarzem Hintergrund ganz in ein spannungsvolles Verharren zurückgenommen ist.“ Zwar malt Elke Jakobs nach Fotografien, indes fließen in ihre Gemälde zugleich die abgespeicherten, vor Ort empfangenen persönlichen Seh-Eindrücke mit ein. Sie steuern den Malprozess, in dessen Verlauf die Künstlerin mittels Akzentuierung und Verwischung, Auslassung und manchmal Verfremdung ihr eigenes Bild von dem, was sie vorfand, ganz neu erschafft. Und das zeigt Wirkungen: „Beim Betrachten ihrer Werke“, so Hahn, „wird die Atmosphäre einer lebendigen Begegnung spürbar“. Die Ausstellung „Reise-Impressionen“ ist bis zum Sommer 2013 in den Räumen der Europäischen Akademie GmbH, Wilhelmstraße 56, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler, zu sehen. HG
Der finnische Sommer beschert Seh-Erlebnisse mit farbig getönten Abendhimmeln.
