Arbeiten haben begonnen
Walporzheimer Weinbergsmauern werden saniert
Vorerst werden nur Abschnitte auf öffentlichen Flächen ersetzt - begrenzter Zeitraum für Abrissarbeiten
Walporzheim. Nach achtjähriger Planungszeit - die Projektierung geht sogar in die beginnenden neunziger Jahre zurück - hat vergangene Woche die Sanierung der Walporzheimer Weinbergsmauern im Rahmen des vereinfachten Flurbereinigungsverfahrens begonnen. Für 3,5 Millionen Euro werden in den kommenden Jahren 1,3 Kilometer Trockenmauer saniert. 90 Prozent der Kosten tragen Land, Bund und EU. Rund 400.000 Euro müssen die betroffenen Winzer selbst aufbringen. Insgesamt könnte dieser erste Schritt aber nur sozusagen ein Tropfen auf den heißen Mauerstein sein. Denn von den in der nun bezuschussten Maßnahme zu sanierenden Trockenmauern handelt es sich um solche an öffentlichen Wegen.
Von den insgesamt 27 km Weinbergsmauern im 78 Hektar großen Gebiet zwischen Römervilla und der „Bunten Kuh“ sind allerdings 25 Kilometer in privatem Besitz, davon 5,3 Kilometer erhöht sanierungsbedürftig. Bis zu 36 Millionen Euro, so schätzt die Teilnehmergemeinschaft der 609 beteiligten Personen, könnte die Sanierung sämtlicher Mauern mit einem Gesamtvolumen von 11.000 Kubikmetern im 78 Hektar großen Verfahrensgebiet kosten. Immerhin geht es um eine Fläche von 60.000 Quadratmetern, so viel wie acht Fußballfelder.
Doch ein Anfang ist nun gemacht. Nun kommt es darauf an, dass auch künftig kommunale bzw. staatliche Mittel fließen, denn die privaten Winzer können die Sanierungen der teilweise aus dem Mittelalter stammenden Maueranlagen nicht alleine stemmen. Kreis und Stadt haben Gelder in Aussicht gestellt, die in einen Grundstock eingezahlt werden sollen. Da dies natürlich nicht ausreichen wird, sind andere finanzielle Quellen unerlässlich. Martin Schumann, Referatsleiter der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier und Leiter der oberen Flurbereinigungsbehörde, hofft auf „eine indirekte Förderung, bei der Gelder umgeleitet werden“, wie er bei einer Ortsbegehung kürzlich zusammen mit einem Dutzend Winzer betonte.
Rücksicht auf Schlingnattern und Mauereidechsen
Um Mauerbewohner wie beispielsweise Schlingnattern und Mauereidechsen zu schützen, dürfen Abrissarbeiten nur in den drei Monaten zwischen 15. Juli und 15. Oktober durchgeführt werden. Ist die marode Mauer beseitigt, kann allerdings das ganze Jahr lang gebaut werden. Neben der Mauersanierung stehen auch einige Wegebaumaßnahmen an, die unter anderem den Rotweinwanderweg betreffen. Sie sollen den Winzern ebenso wie den gastronomischen Betrieben und deren Gästen sinnvolle An- und Abfahrtsmöglichkeiten bieten. Gelöst werden sollen auch Probleme der Wasserführung. Nach starken Regenfällen sind immer wieder Schäden an Wegen und Weinbergen festzustellen.
Die Weinbergsmauern prägen die Optik der Hänge, die im Tourismus der Region eine große Rolle spielen. Daher soll ihr Erscheinungsbild im Wesentlichen erhalten bleiben. Dafür müssen auch die Interessen der mannigfaltigen Privatbesitzer unter einen Hut gebracht werden. 296 Grundbuchblätter sind insgesamt vorhanden mit 609 beteiligten Personen. Sie besitzen 1.300 Flurstücke im Gebiet. Nach der Flurbereinigung soll es nur noch 590 dann neu zugeschnittene Flurstücke geben. Auf freiwilliger Basis der Beteiligten kommt dieser große Landtausch zustande. Die Bekanntgabe der Neueinteilung der Flurstücke erfolgt nach der Lese im Herbst.
Bis zum Jahre 2019 sollen nun jährlich rund 500.000 Euro in das Flurbereinigungsverfahren investiert, zunächst vor allem einsturzgefährdete Mauern ersetzt werden. 20 Behörden waren bislang in dem Vorhaben involviert, 32 Sitzungen hat der Vorstand der Teilnehmergemeinschaft mit Willi Beu als Vorsitzendem an der Spitze bereits hinter sich.
Zehn anerkannte Naturschutzvereinigungen sind zudem in das Verfahren involviert. Der Verband der Teilnehmergemeinschaften beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) leitet die geplanten Baumaßnahmen und setzt sie um.
Obwohl die nun begonnene Sanierung nur ein Anfang sein könne, freute sich ADD-Mann Martin Schumann, „dass wir endlich so weit sind“.
Er sei bereits Anfang der neunziger Jahre mit Vorplanungen betreut gewesen. Der hohe Zuschuss zeige, dass die Sanierung der Trockenmauern und damit der Erhalt einer jahrhundertealten Kulturlandschaft „Bund und Land sehr viel wert ist“.
Willi Beu zeigte sich bei Martin Schumann für seinen Einsatz erkenntlich, erinnerte aber auch daran, dass „viele private Winzer diese Belastung nicht werden stemmen können“. Er habe die Hoffnung auf öffentliche Förderung allerdings noch nicht aufgegeben, setzt dabei vor allem auf Landesmittel. Bei der EU dürfte vorerst nichts mehr zu holen sein, hieß es.
Blick in die Vergangenheit
Bereits im Jahr 2006 wurde das vereinfachte Flurbereinigungsverfahren Walporzheim eingeleitet.
Acht Jahre Verfahrensdauer zeigen die ungewöhnliche Komplexität der zu lösenden Probleme. Denn hier handelt es sich weniger um den Klassiker, sprich umfangreiche Erdbewegungen, sondern es geht eben vorrangig um den Erhalt der Terrassen und Mauern sowie einiger Wege.
Die Mauern sind in dieser Region einzigartig und dienen nicht allein dem Weinanbau, sondern tragen auch erheblich zur kulturhistorischen und touristischen Attraktivität des Tales bei. In den vergangenen Jahren haben die Eigentümer an einzelnen Mauerstücken immer wieder schadhafte Stellen ausgebessert. Diese Reparaturen sind aber nur Stückwerk geblieben und müssen dringend fortgesetzt werden.
