Weihbischof Peters auf Stippvisite im Dekanat
Start der Bischofs-Visitation im evangelischen Gemeindehaus Bad Neuenahr
Bad Neuenahr. Vergangene Woche fiel der Startschuss für die Visitation des Trierer Weihbischofs Jörg Michael Peters im Dekanat Ahr-Eifel. Im Rahmen dieser Stippvisite, die alle sechs Jahre stattfindet, besucht Weihbischof Peters im Auftrag von Bischof Stephan Ackermann alle fünf Pfarreiengemeinschaften des Dekanats. Er spricht mit den Priestern, aber auch mit Vertretern der katholischen Kitas, Schulen, der Caritas, der Lebensberatung, mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden im Dekanat und nicht zuletzt mit den Gläubigen und Interessierten. Bereits vor Beginn der eigentlichen Visitation wurden die Pfarrbüros vom Referenten des Weihbischofs, Uwe Sengelhoff, besucht und aufgefordert, in einem Seelsorgebericht ausführlich ihre Situation zu beschreiben und Ziele und Herausforderungen zu nennen. So möchte sich der Weihbischof vorab ein Bild über die Situation im Dekanat Ahr-Eifel verschaffen, bevor er mit den Pastoralteams sowie den Gremien der Pfarreiengemeinschaften spricht. Mit zeitlichen Unterbrechungen dauert die Visitation des Weihbischofs bis zum 30. Juni und verbunden mit seinem Besuch ist auch die Firmspendung an rund 450 Firmbewerber. Insgesamt stehen in der Firm- und Visitationsreise über 100 Termine auf dem Programm. Einer dieser Termine war die Auftaktveranstaltung im evangelischen Gemeindehaus in Bad Neuenahr, gewissermaßen ein Mix aus Empfang und Leistungsschau mit ökumenischem Touch. Dekanatsreferentin Andrea Kien-Groß sieht in der Auftaktveranstaltung eine gute Möglichkeit für die Kirche, Flagge zu zeigen und dem Weihbischof zu präsentieren, was man miteinander tue, wer für was geradestehe und wofür man mitunter auch seinen Kopf hinhalte. „Der Blick sollte nach vorne gerichtet sein“, wünschte sie sich. Und Pastoralreferent Tobias Theobald erhofft sich von der Visitation „Zeit zur Begegnung, Zeit für Gespräche.“ Darüber hinaus sei die Auftaktveranstaltung auch eine gute Gelegenheit, neue Knoten zu knüpfen im persönlichen Netzwerk und anschließend mit neuen Impulsen bereichert nach Hause zu gehen, ergänzte Dechant Jörg Meyrer in seinem Grußwort. „Es ist wie derzeit in der Bundesliga“, sagte der Weihbischof bei der Eröffnungsveranstaltung - in Anlehnung an den österreichischen Pastoraltheologen Rainer Bucher. „Wir sind nicht die Bayern, die vorneweg marschieren - wir ähneln eher denen, die darauf hoffen müssen, in der ersten Liga zu verbleiben.“ Dabei helfe es nichts, sich angesichts dieser Situation in „die Schmollecke“ zurückzuziehen. „Jetzt ist es wichtig, sich einzusetzen mit Herzblut, mit Kopf und mit Hand, damit neue Wegstrecken gegangen werden können.“ Die Synode im Bistum sei hierfür eine wichtige Wegmarke. Es gelte, die Botschaft von der unbedingten Solidarität Gottes gerade mit den Kleinen und Unmündigen immer wieder neu zu entdecken, zu verkünden und zu leben. „Nicht Bewahrung um jeden Preis, sondern Annahme der jeweiligen Gegenwart als Herausforderung für das Evangelium und für die Kirche, das ist gefordert“, so Peters. Nicht in der Distanz zur Moderne, sondern in der Kraft des Glaubens und des ihm gemäßen Handelns in die Moderne hinein liege die Zukunft der Kirche. „Es braucht dazu eine Kultur der Aufmerksamkeit und der Ehrlichkeit, um unserer Aufgabe als Kirche gerecht zu werden, die sich am einfachsten in einer demütigen Pastoral der Hingabe in der Nachfolge Jesu definiert“, erklärte Peters weiter.
Dass Kirche im gesellschaftlichen und politischen Leben im Kreis einen besonders hohen Stellenwert besitzt, davon zeugte auch die hohe Dichte an Vertretern aus allen politischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Bereichen aus den jeweiligen Gemeinden. Horst Gies in Vertretung für Landrat Jürgen Pföhler stellte fest: „Das Zusammenleben von Kirche und Politik stimmt in unserem Kreis noch ein ganzes Stück weit.“ Im Kreis gebe es diverse Formen des christlichen Lebens: Überall finde man Wegkreuze, christliche Denkmäler, Kapellen und Kirchen. „Sie geben geistige und geistliche Orientierung“, so der Landtagsabgeordnete.
Als „Zeichen der funktionierenden Ökumene“, wertete der evangelische Pfarrer Friedemann Bach, dass die Auftaktveranstaltung im evangelischen Gemeindehaus stattfinde. „Das zeugt von gegenseitigem Verständnis, von Einheit“, so Bach.
Bürgermeister Guido Orthen hob das gemeinsame Ziel von Kirche und Staat hervor. Beide hätten nämlich die Aufgabe, den Menschen zu dienen. Dabei müsse man sie in die Veränderungen mitnehmen, Probleme erkennen und lösen, so das Stadtoberhaupt, das beeindruckt von der ehrenamtlichen Vielfalt im Dekanat war.
In einer Ausstellung präsentierten die verschiedenen Pfarreiengemeinschaften, Institutionen und Verbände einen Blick über die abwechselungsreichen Formen des christlichen Lebens im Dekanat Ahr-Eifel. Vertreter von Caritas bis kfd und Tafel gaben sich ein Stelldichein und stellten sich an Ständen unter dem Motto „Christliches Leben in unserem Dekanat“ bzw. „Evangelisch an der Ahr“ vor.
Doch es gab auch kritische Stimmen: Denn nach der Umstrukturierung von Dekanaten und Pfarreien im Bistum Trier gibt es immer wieder reichlich Gesprächsstoff, wie ein Plakat der Pfarreiengemeinschaft Schuld, Reifferscheid, Wershofen und Hümmel exemplarisch verdeutlichte. „Was nun, Herr Bischof?“ war darauf zu lesen und äußerte zugleich stille Kritik an der Versetzung von Pfarrer Gebhard Lück im August. Weihbischof Peters stellte jedoch klar: „Für die Pfarreiengemeinschaft wird es in absehbarer Zeit einen neuen Pfarrer geben.“
Das Dekanat besteht aus den fünf Pfarreiengemeinschaften Adenau, Altenahr, Bad Neuenahr-Ahrweiler, Grafschaft und Schuld mit insgesamt rund 40.000 Katholiken. Die größte Pfarrei ist Sankt Laurentius Ahrweiler mit 4700 Katholiken, die kleinste Sankt Hippolyt Herschbach mit 44. Zehn Pfarrer, ein Kooperator, ein Kaplan, zwei ständige Diakone, drei Pastoralreferentinnen, fünf Gemeindereferentinnen und zwei Gemeindeassistentinnen kümmern sich um die territoriale Seelsorge. Für die Kategoriale Seelsorge sind eine Dekanatsreferentin, ein Pastoralreferent, zwei Ordensfrauen, ein Diplom-Theologe und ein ständiger Diakon zuständig.
