Ein Update 2013
Wein und Gesundheit
Viel Wissenswertes in „Ahrwein aktuell“
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Oliver Piel, stellvertretender Geschäftsführer des Ahrtal Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler freute sich, wieder eine große Zuhörerschaft im AhrWeinForum zum zweiten Gesprächskreis begrüßen zu können. Im Fokus des Abends stand das Referat des bekannten und beliebten ehemaligen Chefarztes Dr. med. Gerhard Kreuter, der weltweite Studien zum Thema Wein und Gesundheit ausgewertet hatte mit dem überzeugenden Ergebnis: Mäßiger Weingenuss ist gesund und darüber hinaus der Ahrburgunder gehört in die Spitze der Gesundheitsskala.
Im Beobachtungszeitraum, dem fünften Jahr seit Gründung des Gesprächskreises Ahrwein, haben sich die Ergebnisse hinsichtlich der gesundheitsfördernden Wirkung des Weines, vor allem des Rotweines, eindeutig verstärkt.
Insgesamt gibt es zum Thema, so Kreuter, „Alkohol/Wein und Gesundheit“ weltweit 4.235 Veröffentlichungen. Seine Ausführungen stützten sich in erster Linie auf die Auswertung von 90 wissenschaftlich hochwertigen Langzeitstudien an mehr als drei Millionen Menschen. Das Thema wurde in den letzten Jahren weltweit auf zahlreichen renommierten Ärztekongressen diskutiert.
Die wichtigsten Ergebnisse
Dr. Kreuter fasste die wichtigsten Ergebnisse wie folgt zusammen:
Moderater Weingenuss- täglich bis 0,25 l für die Damen und bis 0,35 l für die Herren- in Verbindung mit gesunder „ mediterraner“ Ernährung und regelmäßiger körperlicher Aktivität (vier bis fünf Mal eine halbe Stunde in der Woche ist bereits ausreichend), beugt der Arteriosklerose durch verschiedene Wirkmechanismen vor. Hierdurch wird die Zahl der Herzinfarkte und Schlaganfälle deutlich vermindert - um 20 bis 30 Prozent. Auch Reinfarkte des Herzens treten seltener auf.
Moderater, regelmäßiger Weingenuss verhindert oder verzögert das Auftreten eines Diabetes mellitus Typ 2, da Wein die Insulinwirkung verbessert und damit die für die Entstehung eines Diabetes entscheidende Insulinresistenz vermindert. Zudem senkt der Wein signifikant das stark erhöhte Risiko des Diabetikers, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Dies zeigen auch drei wissenschaftliche Studien an der Ahr gemeinsam mit der Universitätsklinik Köln und der Deutschen Weinakademie, die über Deutschland hinaus Aufsehen erregt haben. Moderate Weintrinker erkranken nach mehreren internationalen Untersuchungen seltener an der Alzheimer´schen Erkrankung. In den letzten Jahren häufen sich zunehmend die wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass die Polyphenole im Wein als hochwirksame Antioxydantien - besonders das Resveratrol - präventiv gegen die Entstehung von Krebserkrankungen wirken. Auf diesem Gebiet laufen zurzeit weltweit intensive wissenschaftliche Untersuchungen. Dies hat Professor Dr. H. zur Hausen, Medizin-Nobelpreisträger, führender deutscher Krebsforscher aus Heidelberg, vor einiger Zeit bestätigt. Abschließend betonte Dr. Kreuter eindringlich, dass sich alle positiven gesundheitlichen Effekte nur bei moderatem Weingenuss zeigen, während ein ständiges Übermaß schädlich und für viele Krankheiten verantwortlich sei. Er schloss mit einem alten Benediktiner-Spruch: „Es ist besser demütig Wein zu trinken als hochmütig Wasser.“
Sehr aufschlussreich waren zum Thema „Ahrwein aktuell“, die unter der Diskussionsleitung von Paul Gieler, initiierten Ausführungen über das Geschehen in Weinberg und Keller. Der Winzermeister Marc Linden und der Weinbautechniker Reinhold Kurth gingen sowohl auf vergleichende Ergebnisse von Winterniederschlag, Frost und anstehendem Austrieb der Rebstöcke der letzten Jahre als auch auf die Entwicklung der Weine im Fass ein. Wussten Sie schon, dass der Frost des letzten Winters mit guten acht Grad Minus als tiefste Temperatur sehr milde war und die Niederschlagsmenge trotz des vielen Schnees mit gerade einmal 210 Litern/qm (Nov.-April) als eine der geringsten der letzten Jahre gilt? Trotzdem, so Linden, sind die „Füße“ der Reben nass und der anstehende Austrieb der Rebstöcke steht voll im grünen Bereich.
Rebenerziehung
Die Vor- und Nachteile der Rebenerziehung war Gegenstand der folgenden Diskussion. Wissensvermittelnd durch die beiden Weinexperten war die Gegenüberstellung verschiedener Erziehungsmethoden am Beispiel einzelner Länder. Der Drahtrahmen überwiegt in Deutschland während in Südtirol die Reben zu Dachlauben ranken und sie auf Lanzerote ohne Kletterhilfen in Bodennähe bleiben. Aus dem Publikum wurde der Minimalschnitt im Spalier in die Diskussion eingebracht. Mit dieser Erziehungsmethode, die einem Heckenschnitt gleicht, rückt die deutsche Weinerzeugung immer mehr von der handwerklichen Herstellung ab und bringt sie in eine Art industrieller Produktion. Vor allem in Rheinhessen und der Rheinpfalz mehren sich die so behandelten Weinfelder. Hierdurch werden die Bearbeitungszeiten pro Hektar und Jahr auf unter 100 Stunden gesenkt. Im Vergleich benötigt der Steillagenweinbau der Ahr das Zehnfache dieses Arbeitsaufwandes. Obwohl diese Rebenerziehung als die Revolution der letzten Jahrzehnte gilt, wird sich der Weinbau im Anbaugebiet Ahr, so übereinstimmend Kurth und Linden, hiervon distanzieren und weiterhin auf das bewährte Qualitätsniveau setzten.
