Ingeborg Heins in der Stadtbibliothek
Wellen von Eduard von Keyserling
Bad Neuenahr. Eduard Graf von Keyserling; geboren am 15. Mai 1855 auf Schloss Paddern, Kurland geboren, gestorben erblindet und vereinsamt am 28. September 1918 in München, deutscher Schriftsteller und Dramatiker des Impressionismus. Er entstammt dem baltischen Zweig der ländlich-adligen Familie Keyserling auf Schloss Paddern im heutigen Lettland. Keyserling blieb zeitlebens unverheiratet. Sein schriftlicher Nachlass wurde, bis auf wenige Ausnahmen, auf seinen Wunsch hin vernichtet. Aufgewachsen ist v. Keyserling in der Welt protestantischer Pflichtethik eines überfeinerten ländlichen Adels.
Diese Eltern-Generation konnte der nachwachsenden Generation nur das erstickende Korsett der eigenen Erziehung, die nicht mehr zeitgemäß war, vermitteln. „Früher und heute spielt man im Kino“ trifft dieser Spruch auch auf diesen Roman zu oder finden wir die Figuren in der heutigen Zeit wieder Der Roman erzählt die Geschichte eines Badesommers an der Ostsee scheinbar als Idylle, bei näherem Hinsehen jedoch als gesellschaftliche Tragödie. Doralice – eine junge verheiratete Frau - kommt in den Zwiespalt zwischen früherem gesellschaftlichem Rang als verheiratete Frau im entsprechenden adligen Kreis und dem scheinbar gelungenen Ausbruch aus dieser Welt und deren erstarrten Konventionen als geschiedene Frau.
Doralice ist bewusst, dass sie aufgrund ihrer Scheidung nicht mehr gesellschaftsfähig ist, genießt aber die Urlaubs-Werbungen der ihrer ehemals gesellschaftlich Gleichgestellten. Heimlicher Hauptakteur des Romans sind die Titel gebenden Wellen, die Ostsee, das Meer. Sie symbolisieren das unendliche, sich stetig verändernde Leben und damit die von der inneren Gestimmtheit der Figuren unbeeinflusste, gleichwohl auf sie zurückwirkende Beständigkeit der Natur im Wechsel des Wetters ebenso wie in der zyklischen Erneuerung der Tages- und Jahreszeiten. Der Autor gestaltet den Kontrast ihrer steten Bewegung zu den erstarrten Konventionen der Welt, in der seine Figuren emotional gefangen bleiben. Ingeborg Heins wird am Donnerstag, 25. Januar um 16 Uhr in der Stadtbibliothek Bad Neuenahr, Willibrordusstraße, über dieses Buch referieren. Veranstalter: Literaturkreis Frau und Kultur, weitere Informationen hierzu gibt es bei Anke Linsa, (02643) 900 240 und Elisabeth Odekerken (02641) 255 86.
