Realistische Stabsrahmenübung an der AKNZ Ahrweiler mit Polizei- und Feuerwehrkräften
Wenn die Feier in die Katastrophe mündet
Ahrweiler. Alarm: Eine Drohne ist mitten in Dortmund in die Menschenmenge während der BVB-Meisterschaftsfeier abgestürzt. Im gemeinsamen Einsatzzentrum von Polizei und Feuerwehr laufen die Drähte und Computer heiß, Kräfte zur Sicherung des Unfallorts und zur Versorgung der 25 Verletzten müssen in Bewegung gesetzt, Ermittlungen aufgenommen, mögliche (weitere) terroristische Gefahren beurteilt werden. Entwarnung: Es handelt sich bei dem Katastrophenfall lediglich um eine Stabsrahmenübung für zukünftige Führungskräfte der Polizei von Bund und Ländern sowie Feuerwehreinsatzkräften in der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) in Ahrweiler.
Unrealistisch an diesem fiktiven Szenario ist lediglich, dass die Meisterschaft beim Revierklub für dieses Jahr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit abgehakt werden muss. Alles andere könnte sich so oder so ähnlich zutragen, wenn der BVB wieder konkurrenzfähig sein sollte. War doch just am Donnerstag, als das Training in Echtzeit an der AKNZ stattfand, im Vorfeld des brisanten Derbys der Dortmunder gegen Schalke 04 am Signal-Iduna-Park eine 250-Kilogramm-Bombe gefunden worden, ein Blindgänger britischer Herkunft aus dem Zweiten Weltkrieg, der bei Detonation eben eine solche Katastrophe mit Massenpanik hätte auslösen können. Das realitätsnahe Training des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) an der AKNZ zur Bewältigung von Großschadenslagen ist bereits seit zwölf Jahren Tradition. Seit 2004 ist es fester Bestandteil des Masterstudiengangs für den höheren Polizeivollzugsdienst an der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol) in Münster.
BKK-Präsident Christoph Unger berichtete im Rahmen der Auftaktveranstaltung der einwöchigen Übung mit 148 Studierenden und gut 80 Dozenten, also insgesamt rund 230 Beteiligten: „Die Kooperation mit der DHPol in der Ausbildung ist für das BBK von besonderer Bedeutung. Sie ist Ausdruck unseres gesamtstaatlichen Ansatzes einer vernetzten Sicherheitsarchitektur.“ Und er ergänzte: „Ein Drittel des höheren Polizeidienstes ist auch speziell im Bevölkerungsschutz ausgebildet.“
Dieter Franke, Pädagogischer Leiter des AKNZ, betonte, dass es wichtig sei, „Infrastrukturnetze aufzustellen, um möglichst real spielen zu können“. Der technische Apparat jedenfalls war bei der Übung enorm: Nicht weniger als 200 Rechner waren vernetzt, um die von den Trainern gestellten Aufgaben zu bewältigen. Und die machten es den Teilnehmern nicht gerade einfach: Immer dann, wenn die Studierenden die Lage scheinbar in den Griff bekamen, erweiterten die Dozenten das Szenario, beispielsweise um einen Brand in der U-Bahn.
Sehr zufrieden mit dem realitätsnahen Aufgabenspektrum zeigten sich auch Polizeidirektor und AKNZ-Dozent Klaus-Dieter Tietz sowie der Leiter des DHPol-Fachgebiets „Polizeiliches Krisenmanagement“, Carsten Laube. „Im modularen Master-Studiengang trainieren wir im Bereich Veranstaltungssicherheit gerade das Funktionieren der Schnittstelle von polizeilichen und nichtpolizeilichen Szenarien“, so Laube. Ad hoc eintretende Schadensereignisse wie im Dortmunder Beispiel müssen dabei von den übenden Stäben zusammen mit Feuerwehr und Rettungsdiensten bewältigt werden. Eingespielt werden dabei auch fiktive Beiträge aus den sozialen Medien wie Facebook und Twitter. Verändert hat sich auch das Spektrum wahrscheinlicher Einsatzszenarien in den vergangenen Jahren. Seien es früher Hochwasser, Bahnunglücke oder Flugzeugabstürze gewesen, die die Übungen dominierten, so ständen heute vermehrt terroristische Anschläge auf Großveranstaltungen im Fokus, so Laube. Deswegen gäbe es an der DHPol gerade einen neuen Studiengang zum Thema Crowd-Management, also der Steuerung von großen Menschenansammlungen und die Bewältigung von Problemen wie etwa Massenpaniken. Aber auch andere aktuelle Schadensszenarien wie ein Stromausfall mit kaskadierenden Effekten oder eine schnelle Ebola-Ausbreitung werden behandelt. Mit den 230 Teilnehmern ist die Stabsrahmenübung die größte Trainingseinheit der DHPol im Jahresverlauf. Vor diesem Hintergrund bedankte sich Laube bei der Begrüßung der Übungsteilnehmer für die Kooperation und Unterstützung der AKNZ, die maßgeblich auch am „Drehbuch“ der Beispielszenarien wie dem Dortmunder Einsatz beteiligt war. Ohne sie sei ein Praxistraining in dieser Größenordnung nicht zu realisieren.
Laufend änderte sich die fiktive Lage in der Dortmunder Innenstadt - und darauf mussten die Teilnehmer jeweils reagieren.
Sie stellten die Stabsrahmenübung vor (von links): Dieter Franke und Klaus-Dieter Tietz von der AKNZ, Carsten Laube (DHPol) und BKK-Präsident Christoph Unger.
