Allgemeine Berichte | 20.04.2015

Heimatverein „Alt-Ahrweiler“

„Wenn esch von fean de Poorze sehn“

Manfred Linden beim Vortrag „Alles Jelore“. Reiner Bauer

Ahrweiler. „Wenn esch von fean de Poorze sehn“, mit diesem Loblied auf unsere Heimatstadt aus der Operette „Der Weinteufel“ eröffnete Tommy Geller die „Frühjahrsplattakademie“ in Bells Restaurant in der Niederhut. Der Heimatverein „Alt-Ahrweiler“ hatte zu diesem Mundartabend eingeladen und rund 80 Besucher lauschten den Gedichten, Erzählungen und Geschichten auf Ahrweiler Platt. Vorstandsmitglied Rainer Sturm hatte sie ausgesucht, er moderierte auch die Veranstaltung.

Früher wurde sich Zeit füreinander genommen

Margret Nischalke begann mit einem gereimtem Lob auf den Heimatdialekt und erklärte „Die Saach met dem Platt“. Viele Vorträge bezogen sich auf tatsächliche Vorkommnisse, so erzählte Werner Schüller gekonnt, wie geruchsintensiv ein Ausflug des Vorstandes der Oberhut werden kann, wenn im Kleinbus vorher Schweine transportiert wurden. Am Frühstückstisch stritten Manfred Kolling und Monika Busch als Ehepaar darüber, ob sie zur Fahrt in die Großstadt „Met ode ohne Hoot“ fahren sollte, zum Schluss machte sie natürlich das, was ihr in den Kram passte. Lothar Pötschke erinnerte an die Zeit der „Tante Emma-Läden“, das Angebot war nicht so umfangreich wie heute, dafür nahm man sich Zeit füreinander und pflegte den zwischenmenschlichen Umgang.

Im stillen Gedenken

Brunhild Dörr konnte leider nicht zum Plattabend kommen und ein Gedicht ihres Vaters H. Lilienthal (E Möschemännsche) vortragen, denn ihre Schwester Krimhild war erst vor wenigen Tagen verstorben. Rainer Sturm erinnerte daran, dass Krimhild Jaenisch über Jahrzehnte die Plattakademie mit ihren originellen Dialektvorträgen bereichert hatte und bat die Anwesenden, die Verstorbene mit einer Gedenkminute zu ehren.

Liedgut der Bläck Föös

Danach kam Helmut Schuld zum Rednerpult, er erzählte vom Dachdeckermeister Knoop. Der hatte während der Arbeit Hochprozentiges genossen, war daraufhin vom Dach gefallen, weigerte sich aber zu sterben, weil die Flasche noch halb voll war. Hans Boes erinnerte sich an seine eigene Kindheit, er war das Jüngste von elf Kindern; seine ersten Kinderschuhe hält er heute noch in Ehren und zeigte sie stolz den Anwesenden.

Zum Ausklang des ersten Programmabschnitts griff Tommy Geller wieder in die Tasten seines Klaviers und animierte zum Mitsingen mit dem Lied: „Die roten Teufel im roten Wein.“ Während der Pause füllte sich auch der Wintergarten des Restaurants, nach ihrer Probe kamen die Sänger des Männergesangsvereins Ahrweiler mit Vorsitzendem Franz-Josef Fischenich und Chorleiter Wilfried Schäfer zu Besuch. Nach der musikalischen Begrüßung: „Jooden Daach“ trugen die Sangesbrüder Liedgut der Bläck Föös vor.

Sie brachten bekannte Lieder wie „Su sinn mer all heehin jekumme“ , „Heh deit et wieh“ und „Dou bes die Stadt“ zu Gehör. Als Zugabe griff Mitsänger Günther Lieferscheid zum Akkordeon und trug seine Eigenkomposition: „In Ahweile wo mer jebore sinn" vor.

Gesundes Lachen ist billiger

Die meisten Sänger vom MGV blieben auch für den zweiten Teil der Veranstaltung im Wintergarten, dank eines Riesenfernsehbildschirms hatten sie auch dort einen hervorragenden Blick auf das Rednerpult (public viewing).

Tommy Geller eröffnete wieder mit einem Lied von BAP „Dou kanns zaubere“. Margret Raths stellte fest,das im Frühjahr besonders die Damen das Bedürfnis zur Runderneuerung verspüren.

Letztlich helfen jedoch all die Mittelchen nichts und kosten viel Geld; gesundes Lachen ist billiger und erfolgreicher. Helmut Schuld gedachte wieder einer Episode seiner Jugend, es war üblicher als heute, dass geliebte Haustiere von ihren kindlichen Eigentümern eine stilvolle Beerdigung erhielten. Damals glaubten viele Kinder noch an den Osterhasen, Margret Nischalke berichtete von ihrem Bruder Peter, der auf die Frage „Wo kunn de Uusteeie her“ an den Antworten der Mutter zunehmend zweifelte.

Es folgte der Gedichtvortrag von Edith Schmitz aus Dernau, die in brillanter Form darlegte, wovon ein Winzer so träumt und dass die Dernauer auch prima Hochdeutsch sprechen können. Zum Schluss erschien Manfred Linden mit dem Geständnis, sich um eine Küsterstelle beworben zu haben. Was er beim „Casting“ so alles erlebte und erfuhr, regte zu großem Gelächter an, am Ende war aber doch „ alles jelore“. Der Moderator bedankte sich herzlich bei den Akteuren, er und Tommy Geller verabschiedeten die Besucher traditionell mit dem alten kölschen Lied : „Kutt joot heim!“

Manfred Linden beim Vortrag „Alles Jelore“. Foto: Reiner Bauer

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