Allgemeine Berichte | 28.07.2015

Bad Neuenahrer Burgunderfest mit Wetterkapriolen

"Wetterfeste" Besucher konnte der Wind nicht abhalten

Die Burgunderfest-Fans machten es sich zwischen gut 4.000 Strohballen gemütlich. FIX

Bad Neuenahr. Rot- oder Weißwein? Trocken, feinherb oder doch mild? Die Auswahl an erlesenen Weinen der Weingüter Sonnenberg, Burggarten und Lingen war wieder einmal groß zur nunmehr 19. Auflage des Burgunderfests, inmitten der Bad Neuenahrer Weinberge. Weiße und Rote hielten sich zwar die Waage, aber weniger von allem verkauften die Winzer trotzdem. Denn statt der Hitze der vergangenen Jahre gab es zum Burgunderfest im Jahr vor dem großen Jubiläum Wetterkapriolen mit Wind und Regen. Die eingefleischten Burgunderfestfans konnte das aber nicht von einem Besuch abhalten. Sie machten es sich zwischen gut 4.000 Strohballen gemütlich. Manche bauten sich sogar einen Windschutz daraus und genossen auch bei herbstlichen Temperaturen den herrlichen Fernblick über Bad Neuenahr und das gesamte Ahrtal.

Die Wiese voller Strohballen

Viele hatten sich trotz der wechselhaften Aussichten bereits am Morgen auf den Weg gemacht, durch die Weinberge oberhalb der Kreisstadt zu wandern und schließlich auf der Festwiese einzukehren. Bereits kurz vor dem Ziel schallte ihnen Musik und ein Stimmengewirr entgegen. Die veranstaltenden Weingüter Sonnenberg, Burggarten und Lingen hatten wieder Strohballen auf die Festwiese in den Neuenahrer Weinbergen gebracht. Anfangs noch zu hohen Türmen aufgebaut, von denen sich jeder Besucher seinen Strohballen holen konnte, war schon bald wieder die ganze Wiese bedeckt. Sehr zum Unmut der Spätankömmlinge, die sich als Ersatz aber mit Picknickdecken und Regencapes arrangieren konnten. Man könnte sie Burgen nennen, die zu praktischen Sitzgelegenheiten mit Sitzgruppen inklusive Rückenlehne und Tisch in der Mitte aufgebauten Strohballen. In diesem Jahr aber nicht nur wegen des Komfort, sondern als Schutz vor Wind und Regen. Die Sonnenschirme mussten dieses Mal an den Verkaufsständen bleiben. Zu groß war die Gefahr, dass sie einfach so weggeweht würden und jemanden verletzen könnten. Trotz des Wetters waren es häufig nur kleine Pfade, die zwischendrin noch frei waren.

Burgunderfest-Arrangement

Die Gäste hatten sich für den Abend ganz unterschiedliche Kleidung angelegt. Die einen kamen in Regenjacken und warmen Pullis, andere wagten sich mit kurzen Hosen und Sommerhemden auf den Festplatz. Für die kleinen Wanderer war in einem eigenen Zelt mit Mal- und Bastelangeboten gesorgt. Die Mitarbeiter der Weingüter an den Ständen hatten indes gut zu tun – wenn auch weniger als in den letzten Jahren. Manche sprachen von erheblichen Einbußen im Verkauf. Dieses Jahr seien eher die roten Weine angesagt gewesen. Überdies wurde wenig Wasser getrunken. Zwar waren in früheren Jahren oft weitaus mehr Besucher angereist, allerdings hatten die Organisatoren auch diesmal noch ein bisschen Hoffnung für den Abend, für den der Wetterbericht Trockenheit und wenig Wind vorausgesagt hatte. Spürbar mehr Besucher waren es aber dann nicht. Schon auf dem Weg zum Burgunderfest konnten die Besucher die Weine der drei Weingüter genießen. Mit dem Erwerb des Burgunderfest-Arrangements am Neuenahrer Bahnhof konnten die Wanderer gratis den ganzen Tag über im gesamten Bereich des VRM Busse und Bahn kostenlos nutzen. So machten sich viele Wanderer, ausgerüstet mit Regenschirm, ab dem Bahnhof Ahrweiler auf den Weg, um über die Hemmessener Hütte und eine Service-Station auf dem weiteren Weg den Festplatz zu erreichen.

Internationales Publikum

Es gab aber auch einen kürzeren Aufstieg ab dem Bahnhof Bad Neuenahr. Etwa 1.000 mögen es gewesen sein, berichtete Michaela Wolff als Vertreterin der drei Weingüter. Und wie immer kamen die Gäste nicht nur aus dem Ahrtal: Das Burgunderfest erfreut sich inzwischen schon weit über das Tal hinaus großer Beliebtheit. Aus Bonn und Köln, aber auch dem Rest Nordrhein-Westfalens und sogar aus Niedersachsen kommen die Besucher. Das Ausland war mit Holländern, Belgiern und sogar Gästen aus Norwegen ebenfalls vertreten. Von 16 bis 1 Uhr in der Nacht fuhren Shuttle-Busse ab dem Bahnhof Bad Neuenahr und zurück, damit auch alle sicher nach Hause kamen.

Mit dem Wetter tanzen

Zu den Altbekannten gehörten aber auch die Musiker der PGM-Big-Band aus Mechernich, die dafür sorgten, dass die große Tanzfläche so gut wie nie leer war – trotz des Wetters. Und zwar mit Oldies und aktuellen Hits wie etwa Frank Sinatras Evergreen „New York, New York“ oder Helene Fischers Hit „Atemlos“. An zünftigen Speisen fehlte es ebenfalls nicht beim Burgunderfest. Um Ordnung und Ruhe zu garantieren, war ein Sicherheitsunternehmen engagiert worden. Und das hatte nach eigenen Angaben einen eher ruhigen Abend: Die Gäste seien über die Rucksackkontrollen „sehr gut informiert“ gewesen. Insgesamt seien die meisten Festgäste sehr verantwortungsvoll gewesen und hätten den Anweisungen Folge geleistet.

Fröhliche Gruppen unterwegs

Für die Veranstalter war es ein ziemlich wechselhafter Abend. Eine ganze Woche lang waren sie schon mit den Vorbereitungen beschäftigt, und haben darüber hinaus einmal mehr einen logistischen Kraftakt geleistet. Nicht nur am Samstag, sondern auch an den Tagen davor, als sie auf dem Platz Wache schieben und witterungsbedingte Schäden wie umgekippte Dixi-Häuschen und fortgewehte Dächer immer wieder aufstellen mussten. „Eine Woche Vorarbeit, vier Tage Nacharbeit“, erklärte Michaela Wolff. „Danach sind wir alle geschafft.“ Das Wetter kann niemand beeinflussen – das kalkulieren auch die Winzer jedes Jahr mit ein. Da viele Gäste in der Stadt übernachtet haben, waren auch am Sonntag noch fröhliche Gruppen im Ort unterwegs. Und für die 4 000 Strohballen haben die Winzer auch schon eine gute Verwendung: Sie kommen zu einem Teil als Strohabdeckung und Humuszufuhr in die Weinberge, und werden zum anderen wieder beim Walporzheimer Weinfest – frisch gepresst – zu finden sein. Sie alle hoffen, dass sich das Wetter beim großen Jubiläum im nächsten Jahr – dann feiert das Burgunderfest sein 20-jähriges Bestehen – von seiner besseren Seite zeigt.

Die Mitarbeiter der Weingüter an den Ständen hatten gut zu tun.

Die Mitarbeiter der Weingüter an den Ständen hatten gut zu tun.

Die Burgunderfest-Fans machten es sich zwischen gut 4.000 Strohballen gemütlich. Fotos: FIX

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