Musikalische Zeitreise auf den Spuren von Udo Jürgens
Zeit für ein wenig Dankbarkeit
Bad Neuenahr. Johann-Peter Taferner ist schon länger mit einem Programm unterwegs, das sich dem musikalischen Wirken von Udo Jürgen Bockelmann, den alle Welt als Udo Jürgens kannte, widmet. Aber sein Auftritt in der gut gefüllten Konzerthalle im Kurpark ist der erste, seit Jürgens am 21. Dezember letzten Jahres völlig überraschend verstarb. Insofern war es zum einen eine Hommage an einen Künstler, der über tausend Stücke geschrieben und hinterlassen hat. Und zum anderen war es deshalb ein Abend der nachdenklichen Töne mit vielen Balladen und Erinnerungen.
Chronologische Abfolge
Taferner, von Haus aus Solo-Klarinettist, begann die musikalische Zeitreise mit dem Stück, das Udo Jürgens 1966 den Durchbruch brachte, im dritten Anlauf gewann er damit den Grand Prix Eurovision: „Merci“. Ein Jahr später folgte „Immer wieder geht die Sonne auf“. Taferner erklärte sehr anschaulich, wer die Texte der einzelnen Titel verfasst hat, zu denen Udo Jürgens stets „nur“ die Musik verfasste. Bei „Was ich dir sagen will“ aus dem Jahr 1967 war es Joachim „Blacky“ Fuchsberger. Der Satiriker Eckhard Hartfeld hat viele Texte für Udo geliefert, die auch schon mal für Aufruhr sorgten: „Lieb Vaterland magst ruhig sein“ schaffte es mit seiner Zeitkritik sogar zum Diskussionsthema im Deutschen Fernsehen.
Internationale Karriere als Komponist
Doch Udo Jürgens sorgte mit seinen Liedern in dieser Zeit nicht nur für ausverkaufte Tourneen und Rekordplattenverkäufe, er machte auch international Karriere als Komponist. Die Sängerin Alexandra, 1969 unter mysteriösen Umständen verunglückt, hatte ihm ein Jahr zuvor den Text „Illusionen“ zum Vertonen gegeben. 1974 komponierte Jürgens daraus eine melancholische Ballade, die in der englischsprachigen Version als „If I never sing another song“ von Shirley Bassey und Sammy Davis jr. Interpretiert wurden. Taferner sang das deutsche Original und zog damit die Zuhörer in seinen Bann. Unterstützt wurde er von Itai Sobal am Klavier, Edit Koledich an der Violine und Kristof Dömötor (mal am Tenorsaxophon, mal an der Bassklarinette). Die drei Musiker legten einen Klangteppich, der mit der angenehmen Stimme von Taferner wunderbar harmonierte.
Seinem Bruder Manfred Bockelmann, der die Skulptur für sein Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof geschaffen hat, widmete Udo Jürgens bereits 1977 das Lied „Mein Bruder ist ein Maler“. Der erste Teil endete nach einer Stunde mit zwei Titeln aus den späten 70ern beziehungsweise frühen 80ern: In „ist das nichts?“ mahnt Jürgens, dankbar zu sein dafür, dass man satt zu essen und warm zu schlafen hat, dass man seine Meinung sagen und in Freiheit leben kann. Auch heute hat diese Botschaft nichts von ihrer Aktualität verloren. Humorvoll dann „Vielen Dank für die Blumen“, die Titelmelodie zur Zeichentrickserei „Tom & Jerry“.
Hits und Nachdenkliches
Nach der Pause begann das Programm schwungvoll. „Mit 66 Jahren“ und das „Ehrenwerte Haus“ brachten den Saal in Stimmung. Doch Johann-Peter Taferner und die Instrumentalisten des Bad Neuenahrer QuAHRtetts blieben anschließend ihrer Linie treu und brachten eher Unbekanntes und Nachdenkliches des Großmeisters des deutschen Chansons zu Gehör. Verschiedene Titel der Textdichter Irma Holder, Wolfgang Hofer, Michael Kunze und Fred Jay, die immer wieder klar machten, dass Jürgens sowohl ein Visionär war, aber auch jemand, der von der Suche nach der großen, unerfüllten Liebe getrieben war. Sympathisch, dass Taferner keine Jürgens-Kopie sein wollte, sondern sich gesanglich eher zurücknahm, sich auf die starken Texte und die schönen Melodien und Harmonien verließ. Und dass er seine Begleitmusiker nicht als Beiwerk, sondern als gleichwertige Partner behandelte. Bei „Ich weiß, was ich will“ zog er sich gar in den Bühnenhintergrund zurück, als Kristof Dömötör ein unwiderstehliches Saxophon solo blies. Was er stimmlich eigentlich drauf hat, zeigte er nur bei „Die Schwalben fliegen hoch“ im Ansatz.
Am Ende durften dann die mit zunehmender Dauer immer enthusiastischer werdenden Zuschauer selbst singen: Den Refrain von „Aber bitte mit Sahne“ hatten sie alle drauf. Erste Zugabe (ohne Bademantel übrigens) war das langersehnte „Griechischer Wein“. Der stimmige Abend schloss mit „Mein Baum“ aus dem Jahr 1984. Nur vom Klavier begleitet erklang die Hymne für den Umwelt- und Naturschutz, ein sehr ruhiger und besinnlicher Schluss. Das zweistündige Konzert war eine schöne Reminiszenz an einen großen Komponisten, dem die Menschen dankbar sind für die Musik, die er hinterlassen hat. Dankbar waren jedenfalls die Besucher, die zu Recht langen Applaus spendeten.
