Allgemeine Berichte | 19.08.2014

Konzertabend im Kurpark Bad Neuenahr

Zeitreise durch Udo Jürgens musikalische Biografie

Hommage des Bad Neuenahrer QuAHRtetts an den großen Sänger und Entertainer

Ein eingespieltes Ensemble: das Bad Neuenahrer QuAHRtett. BÜN

Bad Neuenahr. Superlative gibt es rund um den geborenen Klagenfurter reichlich: In seiner seit mehr als 50 Jahren andauernden Karriere verkaufte Udo Jürgens über 100 Millionen Tonträger und zählt damit zu den erfolgreichsten männlichen Solokünstlern. Mehr als 1.000 Lieder komponierte Jürgen Udo Bockelmann, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, und veröffentlichte mehr als 50 Plattenalben. Am 30. September wird er sein 80. Lebensjahr vollenden. Reichlich Gründe also für das Bad Neuenahrer QuAHRtett, vor rund 200 Zuhörern in der Konzerthalle im Kurpark eine Zeitreise durch die musikalische Biografie des großen Sängers, Entertainers und Komponisten zu unternehmen. Eine Reise, die Welthits ebenso umfasste wie unbekanntere Lieder aus dem riesigen Œuvre Udo Jürgens.

Sänger Johann-Peter Taferner sang nicht nur auf die ihm eigene Weise gleichsam gefühlvoll wie stimmgewaltig die 21 Songs Udo Jürgens‘, er moderierte auch jeden Einzelnen an, um dem Publikum Hintergründe zum Entstehen der Texte und Melodien zu vermitteln. Begleitet wurde der 29-Jährige von Edit Koledich mit der elektronischen Violine, Gastpianist Eduard Flemmer und Kristof Dömötör.

Start mit „Merci, Chérie“

Die Vier starteten begleitet von Halbplayback ihre Zeitreise durch den Udo-Jürgens-Kosmos mit dem ersten großen Hit aus dem Jahr 1966. Mit „Merci, Chérie“ gewann Jürgens beim Eurovision Song Contest in Luxemburg, was ihm den internationalen Durchbruch verschaffte. Vielen Menschen ist Udo Jürgens als Sänger von populären Tanz- und Stimmungshits bekannt. Er hat in seiner langen Zeit als Komponist aber immer wieder auch äußerst zeitkritische Texte vertont. Einer davon ist „Lieb‘ Vaterland“ des Satirikers Eckhard Hartfeld, das nach Erscheinen 1970 in Deutschland für einige Diskussionen sorgte.

Musikalische Raritäten

Wunderschön ist der Text der flotten Polka „Zigeunerleben“ aus dem Jahr 1973. 1974 komponierte Udo Jürgens die melancholische Ballade „Illusionen“, dessen Text (1968) von der, 1969 tragisch ums Leben gekommenen, Sängerin Alexandra stammt. In der englischsprachigen Version „If I never sing another song“ wurde das Lied ebenfalls ein Welthit und unzählige Male gecovert. Udo Jürgens selber hat den Song jedoch stets nur auf Deutsch gesungen - wie auch an diesem Abend Johann-Peter Taferner.

Provozierend, mit wunderschöner Melodie folgte das bereits erwähnte „Das ehrenwerte Haus“ aus dem Jahre 1975 in fetziger Rock’n’Roll-Manier. „Der Zirkus darf nicht sterben“ (1976) beklagt kritisch und melancholisch den Verfall der Zeit, das Verschwinden der Kirmesleute und Gaukler. Eine Hommage an den von Udo Jürgens mitunter beneideten Bruder Manfred Bockelmann ist das Lied aus dem Jahre 1977 „Mein Bruder ist ein Maler“, ein ehrlicher Ausdruck seines „Wettstreits der Künste“ mit dem Bruder. Den Refrain des letzten Lieds vor der Pause konnten natürlich alle Anwesenden mitsingen und taten dies auch überwiegend: „Aber bitte mit Sahne“ (1976) - ein humorvoller Song mit einem Schuss Konsumkritik.

Weiter ging es nach einer Viertelstunde mit „Damals wollt‘ ich erwachsen sein“ aus dem Jahr 1977. „Ist das nichts“ (1979) über Bescheidenheit, Dankbarkeit und Demut avancierte im Folgejahr zum Titelsong der ARD-Fernsehlotterie, nicht der Erste von Udo Jürgens. Der pure Kontrast im selben Jahr: „Ich weiß, was ich will“, ein echter Tanz-Diskotheken-Hit.

Katz und Maus

Allen Anwesenden bekannt auch das schwungvolle „Vielen Dank für die Blumen“ (1980). Als Kontrast folgte ein melancholisches Stück aus dem äußerst produktiven Jahr 1981, ein klassischer Vater-Sohn-Konflikt mit dem Titel „Der gekaufte Drachen“. Eine Kritik an den Anfang der 80er Jahre grassierenden Weltuntergangsfantasien ist die optimistische Ballade „Die Schwalben fliegen hoch“ (1983). Es folgten die beiden Balladen „Mein Baum“ und „Mein Gesicht“ (beide 1984). Bei ersterer wurde Johann-Peter Taferner nur von Pianist Eduard Flemmer begleitet, Letztere wollte er „unbedingt ins Programm aufnehmen, weil sie nicht zu bekannt, aber dafür verkannt ist“.

Ohne Standing Ovations und Zugaben ließ das Publikum nach dem offiziellen Programmteil das Bad Neuenahrer QuAHRtett natürlich nicht von der Bühne in der Konzerthalle. „Ich war noch niemals in New York“ und „Griechischer Wein“, natürlich wie Udo Jürgens bei seinen Zugaben im legendären weißen Bademantel, rundeten einen gelungenen und mitreißenden musikalischen Abend ab.

Ein eingespieltes Ensemble: das Bad Neuenahrer QuAHRtett. Foto: BÜN

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