Politik | 08.03.2013

Auch Pferdefleisch durch hohe Qualitätsstandards sicher

Rossschlachter hat Kunden gewonnen - Kreisveterinär: Kontrollsystem funktioniert

Auch Pferdefleisch durch hohe Qualitätsstandards sicher

Kreis Mayen-Koblenz. Pferdefleisch aus Rumänien in der Lasagne? Die Empörung über die Täuschung beim Deklarieren der Ware ist groß. Andere sind verunsichert, auch wenn sie keine Bedenken gegen Pferdefleisch haben, ob das Fleisch auch gesundheitlich unbedenklich ist. Ralf Barz ist regelmäßig mit seinen Waren im Landkreis unterwegs. Der Lebensmittelskandal hat ihm viele neue Kunden gebracht.

Pferdefleisch war zu früheren Zeiten im Überfluss vorhanden, es galt als Fleisch für arme Leute: „Wir haben heute nicht mehr die Kutschen oder Fuhrwerke, die früher im Stadtbild als Verkehrs- oder Transportmittel einfach dazugehörten“, sagt der Metzgermeister. So sind es bundesweit auch nur noch 84 Metzger, die Pferdefleisch anbieten, Ralf Barz ist einer von nur zwei Rossschlachtern in Rheinland-Pfalz, der nächste ist in Kaiserslautern. Seinen Betrieb hat er in Neuwied, mit dem Verkaufswagen ist er in Andernach freitags, in Mayen samstags und in Koblenz donnerstags auf den Märkten.

Ralf Barz hat sein Stammpublikum. „Wir haben bei Pferdefleisch eine bessere Qualität als bei Mastvieh: Es wird nicht mit Antibiotika, Hormonen oder Fischmehl aufgezogen.“ Es ist durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren kalorienarm, durch kürzere Fasern zarter und enthält wenig Cholesterin und Harnsäure. Letzteres schätzen vor allem Menschen mit Gicht oder Rheuma.

Kreisveterinär Dr. Rudolf Schneider bestätigt Barz´ Angaben: „Wir haben bei uns in Deutschland natürlich auch andere Standards der Qualitätssicherung und -kontrolle.“ So werden im sogenannten Equidenpass Daten über die Abstammung des Pferdes eingetragen, ebenso Impfungen durch Tierärzte: „Wenn nur für Tiere zugelassene Medikamente eingesetzt werden, etwa bei Sportpferden, bekommt das Tier im Pass einen Sperrvermerk und ist damit von der Schlachtung und zur Verwendung als Lebensmittel ausge-schlossen.“ Lebensmittelketteninformation, Schlachttier- und Trichinenuntersuchung sind weitere Kontrollen, die dazu beitragen, ein einwandfreies Lebensmittel auf den Tisch zu bekommen.

Das ist auch ein Grund, warum Ralf Barz mehr Kunden bekommen hat. „Es gibt einige, die ihr Fleisch bisher vom Großhandel bezogen haben, das aus Osteuropa stammt.“ Regionale Produkte werden nun bevorzugt. Der Metzger aus Neuwied bezieht seine Pferde aus einem Umkreis aus 100 Kilometern, die Fohlen kauft er in Bayern, wo sie vornehmlich von Ferienhöfen stammen. Und Osteuropa? Ralf Barz winkt ab: „Das brauchen wir nicht.“

Geärgert hat sich Ralf Barz über den Begriff Pferdefleisch-Skandal: „Das hört sich so an, als ob der Skandal im Fleisch an sich und nicht im Etikettenschwindel besteht. Zum Glück haben die Verbraucher das erkannt: Wir haben auch Kunden bekommen, die neugierig waren, wie das Fleisch schmeckt.“

Pferdefleisch ist zwar nicht nach dem Geschmack von Kreisveterinär Dr. Rudolf Schneider, der Verzehr sei jedoch absolut unbedenklich: „Nirgends gibt es sicherere Lebensmittel als in Deutschland, auch wenn immer schwarze Schafe in einer Branche unterwegs sind“, ist er überzeugt. Dass dies immer wieder aufgedeckt werde, zeige auch, dass das Kontrollsystem funktioniert. Auch im Landkreis waren Rudolf Schneider und sein Team sofort unterwegs, um die beanstandeten Pferdefleischprodukte aus dem Verkehr zu ziehen: In mehreren Dutzend Betrieben wurden sie vorstellig, kontrollierten die Warenwege, schauten nach Produkten, die zurückgerufen wurden oder nahmen Verdachtsproben. Das sind besonders lange Tage für die Lebensmittelkontrolle, da neben akuten Aktionen natürlich auch die Routinekontrollen weiterlaufen.

Doch nicht nur Produzenten und Kontrolleure seien gefragt, Rudolf Schneider wünscht sich auch ein schärferes Bewusstsein der Ver-braucher für Lebensmittel: „Ich kennen Autobesitzer, die zahlen fast jeden Preis für ein gutes Motoröl, drehen beim Essen aber jeden Cent zweimal um. Gutes Essen hat auch seinen Preis.“

Pressemitteilung, Kreisverwaltung Mayen-Koblenz

Ralf Barz (l.) und Dr. Rudolf Schneider: „Pferdefleisch kann man ohne Bedenken genießen.“Fotos: privat

Wird nicht nur von Feinschmeckern gerne gekauft: Pferdefleisch.

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