5.400 Mitarbeiter bangen um ihre berufliche Existenz
Baumarktkette „Praktiker“ ist pleite
Konzerntochter „Max Bahr“ angeblich nicht betroffen
Andernach. In einer Ad-hoc-Meldung wurde es so umschrieben: „Vorstand der Praktiker AG verneint positive Fortführungsprognose für die Praktiker AG und einzelne Gesellschaften der Unternehmensgruppe.“ In verständlichen Worten heißt das: „Praktiker“ ist pleite. Als Insolvenzgründe werden Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit genannt. Der Verkauf einer luxemburgischen Tochtergesellschaft war am Abend des 10. Juli gescheitert - die Erlöse aus diesem Verkauf waren offensichtlich ein wichtiger Teil eines Finanzierungskonzepts aus dem Vorjahr.
Am Tag darauf wurde die Insolvenz beantragt, rund 5.400 Mitarbeiter bangen jetzt um ihre berufliche Existenz. Der Börsenkurs des Unternehmens brach regelrecht in sich zusammen.
Das Unternehmen betreibt alleine in Deutschland 315 Baumarkt-Filialen. Davon laufen 132 unter der Marke „Max Bahr“ - 2007 wurde diese Kette von „Praktiker“ aufgekauft und gilt als ertragsstärker, während der Mutterkonzern auf die bekannten Slogans wie „20 Prozent auf alles außer Tiernahrung“ setzte. Zuletzt war offensichtlich geplant, im Rahmen eines Sanierungskonzepts einzelne Märkte auf „Max Bahr“ umzustellen. „Praktiker“ sollte nur noch als Discount-Marke dienen. Dazu wird es nun nicht mehr kommen, der seit Jahren als gesättigt geltende, hart umkämpfte Markt hat ein Opfer gefordert.
„Geiz ist geil“ zieht nicht mehr
Branchenkenner glauben die Gründe für die Pleite zu kennen: Die stetigen Prozentschlachten, für die sich das Unternehmen sogar vor Gericht rechtfertigen musste, zogen nur in den ersten Jahren. Danach machen Fachleute eine „Erziehung“ der Kunden zu den günstigen Preisen aus - die berüchtigte „Geiz ist geil“-Mentalität. Die Kunden seien schließlich nicht mehr bereit, höhere Preise zu zahlen, wenn etwa die Kosten steigen. Andere Marken setzen dagegen auf Kundenbindung durch Eigenmarken oder auf besondere Einrichtungen wie Drive-In-Märkte für Baustoffe.
Konkurrenten wollen einzelne Filialen übernehmen
Die Insolvenz muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass „Praktiker“ komplett verschwindet. Eine Vertreterin zweier Großaktionäre sprach davon, 80 defizitäre Märkte zu schließen. Zusätzlich müssten mindestens 40 Millionen Euro bereitgestellt werden. Doch die Entscheidung wird am Ende beim Insolvenzverwalter liegen. Christopher Seagon wurde zitiert, zunächst solle der Geschäftsbetrieb stabilisiert werden, um die Voraussetzung zu schaffen, möglichst viele Filialen zu erhalten. Konkurrenten meldeten bereits Interesse an einzelnen Standorten an - doch eben nur an einzelnen Standorten.
Die Gewerkschaft Verdi teilte mit, dass die Mitarbeiter bereit gewesen seien, für drei Jahre auf jeweils rund fünf Prozent des Jahresgehalts zu verzichten. Ein entsprechender Tarifvertrag war wohl schon im Oktober 2012 mit der Unternehmensführung abgeschlossen worden.
