Allgemeine Berichte | 21.07.2013

Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit

Bei der Jobsuche war Mutters Rat gefragt

Nach der Schule wusste Hannah Dressel lange nicht, wie es weitergehen sollte

Hannah Dressel (Mitte) freut sich auf ihre Ausbildung zur Schneiderin. Dass sie nach langem Zögern doch noch ihren Traumberuf gefunden hat, verdankt sie nicht zuletzt ihren Eltern Monika und Hartmut.  Privat

Mayen-Koblenz. Die schönsten Wochen im Schülerleben sind die „großen Ferien“. Dem Ende dieser paradiesischen Zeit sehen die meisten Jugendlichen mit wenig Freude entgegen. Anders Hannah Dressel. Nach dem Realschulabschluss und einer Auszeit in Neuseeland kann die 17-Jährige es kaum erwarten, wieder die Schulbank zu drücken. Denn nach Monaten der Orientierungslosigkeit weiß die junge Frau aus Namedy nun endlich, wie es für sie weitergehen soll: In Frankfurt will sie neben ihrer Schneiderlehre gleich noch das Fachabitur machen. Vier Jahre dauert das, und anschließend kann sie Modedesign studieren. Eine tolle Aussicht meint Hannah. Absolut festlegen will sie sich da aber vorsichtshalber nicht. Zu oft hat sich für sie in den letzten beiden Jahren ein vermeintlicher Traumjob als Enttäuschung entpuppt. Ob Physiotherapie, Einzelhandel, Altenpflege oder Konditorei - am Ende eines jeden Praktikums stand die Erkenntnis, dass sie weiter nach ihrem Traumjob suchen muss. „Am schlimmsten war, dass ich immer wieder mit leeren Händen dastand. Ich hatte nicht die geringste Idee, wie es mit mir und meinem Leben weiter gehen könnte. Da habe ich schon angefangen, an mir zu zweifeln“, gesteht sie und ist sicher: „Ohne meine Eltern hätte ich das nicht geschafft!“ Denn Monika und Hartmut Dressel waren in dieser orientierungslosen Phase die wichtigsten Ratgeber für ihre jüngste Tochter. Bevor sie Hannah mehr als Trost und Geduld entgegen bringen konnten, mussten Vater und Mutter Dressel sich allerdings selbst erst einmal mit dem Thema Ausbildung beschäftigen. Keine leichte Aufgabe haben sie schnell gemerkt. „Der heutige Ausbildungsmarkt ist nicht mehr mit der Situation vor 20 oder 30 Jahren vergleichbar, die wir aus unserer eigenen Jugend kennen“, sagt Monika Dressel. Außerdem bestehe immer die Gefahr, dass man die eigenen Wünsche auf seine Kinder überträgt. Gerade, wenn die keine erkennbaren Träume haben, die sie den Erwachsenen entgegen setzen können. „Es geht ja nicht darum, die jungen Leute zu bevormunden. Aber ich halte es für wichtig, sie bei dieser schwierigen Entscheidung zu unterstützen. Besonders, wenn sie noch nicht genau wissen, was sie eigentlich wollen.“ Schließlich seien viele Jugendliche erst 15 oder 16 Jahre alt, wenn sie die Schule verlassen.

Zwischen Unterstützung und Beeinflussung

Die Balance zu finden zwischen notwendiger Unterstützung und unangebrachter Beeinflussung war auch für Hannahs Eltern die größte Herausforderung. Sie begegneten ihr dadurch, dass sie ihrer Tochter einen halbjährigen Aufenthalt in Neuseeland ermöglichten. „Wenn die Dinge sich nicht klären lassen, dann muss man erst mal Abstand schaffen“, erklärt Monika Dressel. Der müsse natürlich nicht immer bis ans andere Ende der Welt reichen, räumt sie ein. „Ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr wäre eine gute Alternative gewesen.“ Für Hannah war Neuseeland jedoch ein Glücksfall. Dort ging sie wieder zur Schule, bekam unter anderem Unterricht in Nähen, Theater, Tanz, Fotografie und Ernährung. Die klassischen Schulfächer um praktische und künstlerische Angebote zu ergänzen, hält sie für eine hervorragende Idee. „Die Schüler da drüben wussten jedenfalls alle schon, welchen Beruf sie ergreifen wollen.“ Und bald stand auch für Hannah fest: Ihr künftiger Job sollte mit Mode und Nähen zu tun haben. Da Mutter Dressel während Hannahs Abwesenheit am Ball geblieben war, konnte das Projekt ohne weitere Verzögerung in Angriff genommen werden. „Während Hannah in Neuseeland war, habe ich von einer Ausbildungsbörse der Berufsberatung in Bad Neuenahr gelesen. Da bin ich einfach mal hingefahren.“ Eine gute Idee, wie sich bald herausstellen sollte. Denn Monika Dressel lernte bei der Veranstaltung Susanne Guth kennen, die Teamleiterin der Berufsberatung. Die bestätigte ihr, wie wichtig elterliche Unterstützung gerade für jene jungen Menschen ist, die vor dem großen Berg an beruflichen Möglichkeiten stehen und nicht wissen, wie sie aus der Vielzahl das Richtige auswählen sollen. „Eltern sind nach wie vor die wichtigsten Ratgeber, wenn es um die Wahl eines Berufes geht“, weiß die Expertin der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen. „Auch wenn Jugendliche oft nicht darüber reden, orientieren sie sich sehr an dem, was Vater und Mutter beruflich machen und wozu sie ihnen raten.“ Gerade deshalb sei es so wichtig, dass Eltern sich für die aktuellen Möglichkeiten des Ausbildungsmarktes interessieren. „Sonst kann es passieren, dass die Entscheidung der jungen Leute auf völlig veralteten Vorstellungen über das Berufsleben getroffen wird.“ Als Hannah schließlich nach Deutschland zurückkehrte, hatte ihre Mutter bereits einen Termin bei der Berufsberatung vereinbart. Im Gespräch mit dem Fachmann schälte sich langsam heraus, wie aus Hannahs Talent und Vorliebe fürs Nähen ein interessanter Beruf werden könnte. Aber auch hier räumt die junge Frau offen ein, dass die Umsetzung ihrer noch sehr vagen Ideen in einen konkreten Plan ohne die Unterstützung der Eltern nicht so reibungslos geklappt hätte. „Ich war sehr froh, dass meine Mutter mich zum Gespräch begleitet hat. Ich weiß wirklich nicht, ob ich das alles allein gepackt hätte.“ Denn die Möglichkeiten, die sich ihr boten, waren vielfältig und komplex. Susanne Guth weiß um die Nöte, die junge Menschen umtreiben, wenn sie plötzlich in die Welt der Erwachsenen geworfen werden. „Wir können Wege aufzeigen und Ratschläge geben. Aber wir sind nicht unbedingt da, wenn später noch Fragen auftauchen. Deshalb ist es gerade für Jugendliche, die sich ihrer Sache noch nicht so sicher sind, sehr hilfreich, wenn Eltern in diesem Prozess dicht bei ihnen sind.“ Die dürfen, wenn alle es wünschen, durchaus auch beim Beratungsgespräch dabei sein. „Dann kann sich das Expertenwissen der Erwachsenen für die Jugendlichen optimal ergänzen: Wir kennen den Ausbildungsmarkt, aber Eltern kennen ihre Kinder - und zwar in den meisten Fällen besser als jeder andere.“

Pressemitteilung der

Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen

Hannah Dressel (Mitte) freut sich auf ihre Ausbildung zur Schneiderin. Dass sie nach langem Zögern doch noch ihren Traumberuf gefunden hat, verdankt sie nicht zuletzt ihren Eltern Monika und Hartmut. Foto: Privat

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Bildergalerien
Dienstleistungen
Dauerauftrag 2026
Innovatives rund um Andernach
Hausmeister-und Gärtner/in
Heizöl/Diesel/Holzpallets
Empfohlene Artikel
Die vulkanische Geschichte der Eifel lässt sich im Lava-Dome spielerisch entdecken. Foto: Dominik Ketz
294

Wer glaubt, Vulkane gäbe es nur auf Island oder in Italien, hat die Rechnung ohne die Eifel gemacht. Im Lava-Dome in Mendig wird schnell klar: Auch hier ging es einst verdammt heiß her! Das Deutsche Vulkanmuseum entführt seine Besucher auf 700 Quadratmetern und zwei Etagen in eine Welt voller Feuer, Lava und spannender Erdgeschichte. Klingt staubtrocken? Von wegen! 700 Quadratmetern und zwei Etagen in eine Welt voller Feuer, Lava und spannender Erdgeschichte.

Weiterlesen

BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 11
167

Jede Woche präsentieren wir Euch einen neuen Schnappschuss aus dem BLICK aktuell-Land. Die Bilder zeigen bekannte Orte, besondere Details oder überraschende Perspektiven aus der Region – doch nicht immer ist auf den ersten Blick erkennbar, was genau zu sehen ist.

Weiterlesen

Daniel Robbel.  Foto: privat
1214

Sinzig. Die Krupp Verlags GmbH stellt die redaktionelle Spitze ihrer Wochenzeitung BLICK aktuell neu auf: Daniel Robbel übernimmt ab sofort die Position des Chefredakteurs. Damit geht eine wichtige Aufgabe innerhalb des Unternehmens an einen langjährigen und erfahrenen Mitarbeiter, der die Entwicklung des Mediums seit vielen Jahren maßgeblich mitgeprägt hat. Bislang wurde die Funktion der Chefredakteurin von Geschäftsführerin Susanne Tack in Personalunion ausgeübt.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Foto: Polizei
5794

Die Gesuchten sollen einen 24-Jährigen bewusstlos geprügelt haben:

22.06.: Fahndung: Wer kennt diese Männer?

Köln. Die Kriminalpolizei Köln fahndet mit Bildern von Zeugen nach zwei Männern, die am 12. Februar (Weiberfastnacht) einen 24-Jährigen angegriffen und schwer am Kopf verletzt haben sollen.

Weiterlesen

Bei der symbolischen Durchschneidung des „Roten Bandes“.  Foto: WTE
426

Ahrtal/Marienthal. Groß war der Andrang bei der offiziellen Einweihung des neuen Radweges zwischen Walporzheim und Mayschoß oberhalb von Marienthal auf dem Gelände der Firma Weiss. Stefan Schmitt, Leiter des Projektbüros „Wiederaufbau Ahrtal“ Landesbetrieb Mobilität (LBM) Rheinland-Pfalz, konnte hierzu - neben zahlreichen Offiziellen - viele Radfahrer/Inen sowie etliche Mandaträger/Innen und Radfahrgruppen,...

Weiterlesen

Symbolbild.  Foto: pixabay.com
1348

Die Lage hat sich verbessert, aber dennoch soll weiter Wasser gespart werden.

22.06.: Neue Informationen zur Trinkwasserversorgung in Remagen

Remagen. Am Sonntag, den 21. Juni 2026, wurde im Stadtgebiet Remagen ein außergewöhnlich hoher Wasserverbrauch festgestellt. Neben einer insgesamt deutlich erhöhten Wasserabnahme wurden in einzelnen Versorgungsbereichen extreme Entnahmespitzen registriert, die die üblichen Verbrauchswerte vergleichbarer Sommerperioden erheblich überschritten. Ein leichter Trend zeichnete sich bereits am 19. und 20....

Weiterlesen