Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit
Bei der Jobsuche war Mutters Rat gefragt
Nach der Schule wusste Hannah Dressel lange nicht, wie es weitergehen sollte
Mayen-Koblenz. Die schönsten Wochen im Schülerleben sind die „großen Ferien“. Dem Ende dieser paradiesischen Zeit sehen die meisten Jugendlichen mit wenig Freude entgegen. Anders Hannah Dressel. Nach dem Realschulabschluss und einer Auszeit in Neuseeland kann die 17-Jährige es kaum erwarten, wieder die Schulbank zu drücken. Denn nach Monaten der Orientierungslosigkeit weiß die junge Frau aus Namedy nun endlich, wie es für sie weitergehen soll: In Frankfurt will sie neben ihrer Schneiderlehre gleich noch das Fachabitur machen. Vier Jahre dauert das, und anschließend kann sie Modedesign studieren. Eine tolle Aussicht meint Hannah. Absolut festlegen will sie sich da aber vorsichtshalber nicht. Zu oft hat sich für sie in den letzten beiden Jahren ein vermeintlicher Traumjob als Enttäuschung entpuppt. Ob Physiotherapie, Einzelhandel, Altenpflege oder Konditorei - am Ende eines jeden Praktikums stand die Erkenntnis, dass sie weiter nach ihrem Traumjob suchen muss. „Am schlimmsten war, dass ich immer wieder mit leeren Händen dastand. Ich hatte nicht die geringste Idee, wie es mit mir und meinem Leben weiter gehen könnte. Da habe ich schon angefangen, an mir zu zweifeln“, gesteht sie und ist sicher: „Ohne meine Eltern hätte ich das nicht geschafft!“ Denn Monika und Hartmut Dressel waren in dieser orientierungslosen Phase die wichtigsten Ratgeber für ihre jüngste Tochter. Bevor sie Hannah mehr als Trost und Geduld entgegen bringen konnten, mussten Vater und Mutter Dressel sich allerdings selbst erst einmal mit dem Thema Ausbildung beschäftigen. Keine leichte Aufgabe haben sie schnell gemerkt. „Der heutige Ausbildungsmarkt ist nicht mehr mit der Situation vor 20 oder 30 Jahren vergleichbar, die wir aus unserer eigenen Jugend kennen“, sagt Monika Dressel. Außerdem bestehe immer die Gefahr, dass man die eigenen Wünsche auf seine Kinder überträgt. Gerade, wenn die keine erkennbaren Träume haben, die sie den Erwachsenen entgegen setzen können. „Es geht ja nicht darum, die jungen Leute zu bevormunden. Aber ich halte es für wichtig, sie bei dieser schwierigen Entscheidung zu unterstützen. Besonders, wenn sie noch nicht genau wissen, was sie eigentlich wollen.“ Schließlich seien viele Jugendliche erst 15 oder 16 Jahre alt, wenn sie die Schule verlassen.
Zwischen Unterstützung und Beeinflussung
Die Balance zu finden zwischen notwendiger Unterstützung und unangebrachter Beeinflussung war auch für Hannahs Eltern die größte Herausforderung. Sie begegneten ihr dadurch, dass sie ihrer Tochter einen halbjährigen Aufenthalt in Neuseeland ermöglichten. „Wenn die Dinge sich nicht klären lassen, dann muss man erst mal Abstand schaffen“, erklärt Monika Dressel. Der müsse natürlich nicht immer bis ans andere Ende der Welt reichen, räumt sie ein. „Ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr wäre eine gute Alternative gewesen.“ Für Hannah war Neuseeland jedoch ein Glücksfall. Dort ging sie wieder zur Schule, bekam unter anderem Unterricht in Nähen, Theater, Tanz, Fotografie und Ernährung. Die klassischen Schulfächer um praktische und künstlerische Angebote zu ergänzen, hält sie für eine hervorragende Idee. „Die Schüler da drüben wussten jedenfalls alle schon, welchen Beruf sie ergreifen wollen.“ Und bald stand auch für Hannah fest: Ihr künftiger Job sollte mit Mode und Nähen zu tun haben. Da Mutter Dressel während Hannahs Abwesenheit am Ball geblieben war, konnte das Projekt ohne weitere Verzögerung in Angriff genommen werden. „Während Hannah in Neuseeland war, habe ich von einer Ausbildungsbörse der Berufsberatung in Bad Neuenahr gelesen. Da bin ich einfach mal hingefahren.“ Eine gute Idee, wie sich bald herausstellen sollte. Denn Monika Dressel lernte bei der Veranstaltung Susanne Guth kennen, die Teamleiterin der Berufsberatung. Die bestätigte ihr, wie wichtig elterliche Unterstützung gerade für jene jungen Menschen ist, die vor dem großen Berg an beruflichen Möglichkeiten stehen und nicht wissen, wie sie aus der Vielzahl das Richtige auswählen sollen. „Eltern sind nach wie vor die wichtigsten Ratgeber, wenn es um die Wahl eines Berufes geht“, weiß die Expertin der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen. „Auch wenn Jugendliche oft nicht darüber reden, orientieren sie sich sehr an dem, was Vater und Mutter beruflich machen und wozu sie ihnen raten.“ Gerade deshalb sei es so wichtig, dass Eltern sich für die aktuellen Möglichkeiten des Ausbildungsmarktes interessieren. „Sonst kann es passieren, dass die Entscheidung der jungen Leute auf völlig veralteten Vorstellungen über das Berufsleben getroffen wird.“ Als Hannah schließlich nach Deutschland zurückkehrte, hatte ihre Mutter bereits einen Termin bei der Berufsberatung vereinbart. Im Gespräch mit dem Fachmann schälte sich langsam heraus, wie aus Hannahs Talent und Vorliebe fürs Nähen ein interessanter Beruf werden könnte. Aber auch hier räumt die junge Frau offen ein, dass die Umsetzung ihrer noch sehr vagen Ideen in einen konkreten Plan ohne die Unterstützung der Eltern nicht so reibungslos geklappt hätte. „Ich war sehr froh, dass meine Mutter mich zum Gespräch begleitet hat. Ich weiß wirklich nicht, ob ich das alles allein gepackt hätte.“ Denn die Möglichkeiten, die sich ihr boten, waren vielfältig und komplex. Susanne Guth weiß um die Nöte, die junge Menschen umtreiben, wenn sie plötzlich in die Welt der Erwachsenen geworfen werden. „Wir können Wege aufzeigen und Ratschläge geben. Aber wir sind nicht unbedingt da, wenn später noch Fragen auftauchen. Deshalb ist es gerade für Jugendliche, die sich ihrer Sache noch nicht so sicher sind, sehr hilfreich, wenn Eltern in diesem Prozess dicht bei ihnen sind.“ Die dürfen, wenn alle es wünschen, durchaus auch beim Beratungsgespräch dabei sein. „Dann kann sich das Expertenwissen der Erwachsenen für die Jugendlichen optimal ergänzen: Wir kennen den Ausbildungsmarkt, aber Eltern kennen ihre Kinder - und zwar in den meisten Fällen besser als jeder andere.“
Pressemitteilung der
Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen
