Allgemeine Berichte | 01.02.2013, 14:17 Uhr

Die Sayner Hütte und Krupp

Exkursion vermittelt vielfältige Einblicke in frühere und heutige Technologiekompetenz

Gästeführer Christoph Wilmer begleitet die Exkursionsteilnehmer durch das ThyssenKrupp Quartier. privat

Bendorf. „200 Jahre Krupp“ hieß das Thema, das den Freundeskreis Sayner Hütte e.V. gemeinsam mit dem Rheinischen Eisenkunstguss-Museum zu einer Fahrt nach Essen inspirierte. Schließlich gehörte die Sayner Hütte in den Jahren zwischen 1865 und 1926 zur Gussstahlfabrikation der Firma Krupp. Die Ziegelsteinhalle auf dem Denkmalareal in Sayn entstand in dieser Zeit (1908/09) und wird deshalb auch als „Krupp’sche Halle“ bezeichnet.

Vor der eindrucksvollen Kulisse der ehemaligen Kohlenwäscherei im UNESCO-Welterbe Zeche Zollverein wurden die Besucher aus Bendorf von Gästeführer Christoph Wilmer empfangen. Die Kohlenwäsche ist das größte Gebäude auf der Zeche. Die gelungene Neuorientierung der Anlage als Portal der Industriekultur mit einem Besucherzentrum und dem Ruhr Museum löste Bewunderung aus. Insbesondere die baulichen Lösungen, die sich am Charakter des Denkmals orientieren, fanden große Beachtung bei den Besuchern.

Krupp und Sayn im engen Verbund

Kontakte nach Essen waren im letzten Jahr zustande gekommen, als eine Besichtigungstour des Ruhr Museums auf den Spuren von Krupp zum Denkmalareal Sayner Hütte und in das Rheinische Eisenkunstguss-Museum in Schloss Sayn führte. Bei dieser Exkursion lernte man in Bendorf Christoph Wilmer kennen, der als Historiker und versierter Gästeführer die Leitung der Gruppe aus Essen übernommen hatte. Museumsleiterin Barbara Friedhofen nahm den Besuch des Ruhr Museums zum Anlass, auf die vielfachen Berührungspunkte hinzuweisen, die Krupp und Sayn miteinander verbinden. Dazu gehört auch die ehemalige Bleuel’sche Maschinenfabrik an der Koblenz-Olper-Straße 175, die Krupp in ein Erholungsheim für Beamte der Krupp’schen Werke umgestalten ließ. Beim Freundeskreis Sayner Hütte e.V. ist man sich einig, dass die historischen Zusammenhänge dafür sprechen, dieses Gebäude dem Denkmalareal Sayner Hütte zuzurechnen. Die Sonderausstellung „Mythos Krupp“ im Ruhr Museum setzte sich mit der Entwicklung der Krupp’schen Unternehmen seit ihrer Gründung vor 200 Jahren zu einer der bedeutendsten Industriedynastien in Deutschland auseinander. Über lange Zeit hinweg war dabei die Familiengeschichte der Krupps eng mit dem Firmengeschehen verbunden. Heute ist Krupp Teil des ThyssenKrupp-Konzerns.

Auf den Spuren von Krupp

Krupp hat in Essen vielerorts seine Spuren hinterlassen und die Stadt geprägt. Deshalb führte die anschließende Stadtrundfahrt auch in den Park der Villa Hügel und in das völlig neu angelegte ThyssenKrupp-Quartier am Berthold-Beitz-Boulevard. Auf einer Fläche der früheren Gussstahlfabrik Krupp entstand hier die neue Hauptverwaltung des Konzerns. Von einer traditionsbewussten Rückkehr des Unternehmens an seinen Ursprungsort zeugt das „Krupp Gründerhaus“, das sich im ThyssenKrupp-Quartier sehr bescheiden ausnimmt neben der großartigen Glas- und Stahl-Architektur der Neubauten.Mit diesen präsentiert der Konzern deutlich seine Technologiekompetenz im 21. Jahrhundert, die den staunenden Exkursionsteilnehmern im Rahmen einer Führung erläutert wurde.

Schloss Landsberg besucht

Mit einem Rundgang durch Schloss Landsberg südwestlich von Kettwig endete das umfassende Besichtigungsprogramm. Inmitten eines englischen Landschaftsparks mit ausgedehntem Waldgebiet gelegen, geht die Anlage auf eine mittelalterliche Höhenburg zurück, die im 13. Jh. durch den Grafen Adolf V. von Berg erbaut wurde.

Ihre heutige Gestalt im Stil des Historismus erhielt sie durch den Industriellen August Thyssen, der sie zu einem repräsentativen Wohnsitz umgestalten ließ. Inzwischen wird die Schlossanlage als Seminar- und Tagungsstätte der ThyssenKrupp AG genutzt. Die Vorsitzende des Freundeskreises Sayner Hütte e.V. Rehlinde Glöckner würdigte die Exkursion als gelungenen Programm-Auftakt im Jubiläumsjahr des Vereins.

In 2013 kann der Freundeskreis auf sein 10jähriges Bestehen zurückblicken. Im Jahresverlauf wird es weitere interessante Veranstaltungen rund um die Sayner Hütte, die Industriekultur und den Eisenkunstguss geben, die vom Vorstand in seiner Sitzung am 31. Januar 2013, 18 Uhr, Rathaus Bendorf, vorbereitet werden.

Gästeführer Christoph Wilmer begleitet die Exkursionsteilnehmer durch das ThyssenKrupp Quartier. Foto: privat

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