Allgemeine Berichte | 14.07.2015

Informativer Diskussionsabend im Wilhelm-Remy-Gymnasium Bendorf

Integration von Asylbewerbern mit aktiver Hilfestellung erleichtern

Mit hochkarätigen Politikern und Sachbearbeitern wurde das komplexe Thema „Asylrecht“ erörtert.GM

Bendorf. Zurzeit sind es - neben der Griechenlandkrise - die vielen Flüchtlinge und Asylsuchenden, welche die Menschen in Deutschland bewegen. Kaum ein Thema wird so kontrovers diskutiert. Dieser Problematik widmeten fünf Schüler der Oberstufe des Wilhelm-Remy-Gymnasiums Bendorf eine Arbeitsgemeinschaft im Sozialkunde-Leistungskurs. Annalena Hardt, Susanna Laux, Jakob „Haarald“ Eisel, Joshua Hehl und Simon Dlugosch waren überzeugt, dass nur durch eine gute Information und Aufklärung der Menschen den leider immer noch - wenn auch nur in einer Minderheit - vorhandenen Vorurteilen und Ängsten entgegengewirkt werden kann.

Als probates Mittel für diese Informationsarbeit organisierten sie eine öffentliche Podiumsdiskussion und konnten dazu hochkarätige Politiker und Sachbearbeiter gewinnen. Mit dem SPD-Ausschussmitglied für Integration, Jugend und Familie, Dieter Klöckner (MdL), dem stellvertretenden CDU-Ausschussvorsitzenden für Integration, Jugend und Familie Adolf Kessler (MdL), Martin Leupold, Rektor der Realschule plus Andernach und CDU-Mitglied des Ausschusses für Jugendhilfe sowie dem Leiter des Ordnungsamtes Koblenz, Josef Hehl, der kurzfristig für das verhinderte AfD-Mitglied Aslan Basibüyük einsprang, war ein Expertengremium auf dem Podium versammelt, das bestens gerüstet war, die Anwesenden umfassend zum Thema zu informieren.

Susanna Laux und Simon Dlugosch erläuterten in der voll besetzten Aula des Gymnasiums zunächst ausführlich das Prozedere und den zeitlichen Ablauf für Asylsuchende, unterstützt durch eine selbst verfasste informative Diashow. Dann moderierten die beiden Schüler professionell die Diskussion und konnten durch gezielte Fragen den Experten detaillierte Informationen entlocken. So erfuhren die Anwesenden zum Beispiel, dass es für die Bundesländer eine bestimmte Verteilungsquote gibt, die für jedes Jahr entsprechend der Steuereinnahmen und der Bevölkerungszahl der Länder berechnet wird. Auf Rheinland-Pfalz entfällt nach diesem sogenannten „Königsteiner Schlüssel“ für das Jahr 2015 ein Anteil von rund fünf Prozent der Asylsuchenden, der Landkreis Koblenz rechnet mit circa 1.000 Flüchtlingen, die untergebracht werden müssen. Dabei gibt es nach wie vor große Probleme, zumal vorhandene Einrichtungen wie leer stehende Kasernen durch zum Beispiel Brandschutzauflagen gar nicht genutzt werden können.

Dieter Klöckner merkte unter anderem an, die Integration der Asylbewerber solle mit Beratung und aktiver Hilfestellung erleichtert werden. Dabei gelte es, die Kräfte zu bündeln, um den neuen Mitbürgern den Start in Deutschland zu erleichtern, und Josef Hehl wies darauf hin, dass ohne ehrenamtliche Helfer das System zusammenbrechen würde. Manchmal sind es praktische Dinge, wie das Erklären der Mülltrennung, die Begleitung zum Arzt oder ein Besuch bei der Bank, bei denen Helfer aktiv werden, oder aber auch tief gehende Gespräche, in denen trotz Sprachbarriere Erlebnisse von der Flucht aufgearbeitet werden. Schon mancher Skeptiker habe seine negative Einstellung nach einem persönlichen Kontakt mit Asylanten zum Positiven revidiert.

Adolf Kessler stellte bereits verwirklichte und geplante Maßnahmen der Landesregierung vor, wodurch Städte und Kommunen bei den zusätzlichen hohen finanziellen und personellen Belastungen unterstützt werden. Rektor Martin Leupold berichtete von vielfältigen Projekten an seiner Schule zur Integration von Flüchtlingskindern, die nicht selten traumatisiert sind durch die Erlebnisse in ihrem Heimatland und auf der Flucht. Man war sich einig, dass niemand gerne seine Heimat verlässt, aber Krieg, Gewalt und Vertreibung machen weltweit Millionen Kindern, Frauen und Männern das Leben zur Hölle. Flucht ist für sie der einzige Ausweg aus ihrer Not. Doch auf der Suche nach Sicherheit müssen sie alles zurücklassen, was ihnen lieb und teuer ist und sind daher auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Das Publikum hatte natürlich viele Fragen zu dem Gesamtkomplex, die von den Experten gerne und umfassend beantwortete wurden. Nach einer intensiven Fragerunde ging die mehrstündige, aber kurzweilige Veranstaltung zu Ende. Durch die Initiative der Schüler konnten die Besucher wertvolle Informationen und Anregungen mitnehmen und den einen oder anderen vielleicht dazu bewegen, sich ehrenamtlich einzubringen. Gelebter Unterricht, nah am Puls der Zeit, so muss Schule sein - eine glatte Eins für Engagement, Organisation und Durchführung an die fünf Schüler des Leistungskurses.

Mit hochkarätigen Politikern und Sachbearbeitern wurde das komplexe Thema „Asylrecht“ erörtert.Foto: GM

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