Selbstbewusst „Nein“ sagen an der Bodelschwinghschule
„Mein Körper gehört mir!“
Bendorf-Mülhofen. Seit einigen Jahren gehört die Präventionsarbeit im Bereich „Sexueller Missbrauch“ zu einem festen Bestandteil der pädagogischen Arbeit an der Bodelschwinghschule. Dabei geht es grundsätzlich darum, die Bodelinos anzuleiten, auf ihre Gefühle zu achten und sie auch auszudrücken. Die „Theaterpädagogische Werkstatt“ (TPW) aus Osnabrück hat passgenau zu diesem Thema Theaterstücke zur Prävention von Kindesmissbrauch und zur Stärkung des Selbstbewusstseins entwickelt. Jetzt trat wieder ein Schauspieler-Duo an der Bodelschwinghschule in Bendorf-Mülhofen auf, und zwar für Eltern aus den zweiten und dritten Klassen im Rahmen eines Elternabends und natürlich auch im Unterricht am Vormittag zur praktischen Präventionsarbeit für die Schülerinnen und Schüler in den jeweiligen Klassenstufen. Eine gemeinnützige Stiftung, die sich zum Ziel gesetzt hat, Kinder durch Präventionsarbeit starkzumachen, übernahm die gesamten Kosten.
Das Szenario
Der vermeintlich gleichalte Chat-Freund aus dem Internet, der seine minderjährigen Chatpartnerinnen zu heimlichen Treffen überredet und sie dann sexuell missbraucht, ist mittlerweile zu einem gruseligen Klassiker geworden, vor dem in vielen Präventionsprogrammen gewarnt wird. Auch Lia Becker und Oliver Grabus von der Theaterpädagogischen Werkstatt (TPW) aus Osnabrück machten in ihren zielgruppengerechten Sketchen in der Bodelschwinghschule auf diese Gefahr aus dem Internet aufmerksam. Das interaktive Theaterstück „Mein Körper gehört mir!“, gerichtet an Schüler der dritten Klassen, und das Programm für die zweiten Klassen „Ab in die Nein-Tonne“ wurde jetzt an der Schule aufgeführt.
Wer hat Schuld?
Das Schauspieler-Duo fragte nach der Szene die Schüler der dritten Klasse: „Wer hat Schuld an dem, was dem missbrauchten Mädchen passiert ist?“ Dass einige der neun- und zehnjährigen Schüler dem Mädchen selbst oder seinen Eltern die Schuld gaben, schien Grabus und Becker nicht zu überraschen. Genau hier setzt die TPW mit ihrer Aufklärungsarbeit zur Sensibilisierung der kindlichen Wahrnehmung an. Doch warum fühlen sich Kinder schuldig? In einer weiteren Szene wird die Begegnung mit einem Exhibitionisten nachgespielt, „auch das ist sexuelle Belästigung“, klären die Pädagogen auf: „Und auch wenn dem Mädchen der Ball gegen das Auto geprallt war, es hat keine Schuld daran, dass der fremde Mann seinen Penis zeigt“, betonen sie weiter. Die Kinder kichern bei dem Wort Penis, doch auch das sind die Schauspieler gewohnt. Wichtig ist, dass die Botschaft ankommt: „Nur die Person, die das tut, hat Schuld“, erfahren die Kinder. Sie lernen dabei intensiv auf ihr „Bauchgefühl“ zu achten, das in „Ja- und Nein-Gefühl“ unterteilt werde. Aber sie erfahren auch, wie man ein Bauchschmerzen verursachendes Nein-Gefühl auflösen kann: „Vertrauten Erwachsenen sexuelle Übergriffe sofort erzählen, nur die können helfen“, raten die Experten. Die Kinder sollen ihre persönlichen Grenzen ziehen und „Nein“ sagen, wenn eine Person, egal ob eine bekannte oder fremde, diese Grenze überschreitet. Das Selbstbewusstsein der Kinder wird mithilfe des interaktiven Theaterspiels gestärkt, indem die Mädchen und Jungen darin trainiert werden, sich selbst ganz bewusst wahrzunehmen und in sich hineinzuhorchen. Vor allem wird ihnen Nahe gebracht, dass es viel mutiger ist, sich mit einem klaren „Nein“ von negativem Gruppenzwang zu distanzieren, wenn einen ein unangenehmes Gefühl beschleicht. Auch lernten die Kinder, sich durch einfache Maßnahmen zur Wehr zu setzen: Wenn sie in der Öffentlichkeit angegriffen würden, sollten sie laut werden und um Hilfe rufen. Meistens verschrecke das die Täter „und andere Menschen schauen dann hin.“ Vielleicht greifen diese dann helfend ein? Insgesamt ein psychologisch und kindgerecht gut aufgearbeitetes Programm, das Kinder dazu ermutigt, zu reden.